Voll­stre­ckung Zug um Zug – und die anfal­len­den Kos­ten

Der Gläu­bi­ger eines Titels, der eine Voll­stre­ckung nur Zug um Zug erlaubt, kann die für das Ange­bot der Gegen­leis­tung durch den Gerichts­voll­zie­her ent­ste­hen­den Gerichts­voll­zie­her­ge­büh­ren im Regel­fall als not­wen­di­ge Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung von dem Schuld­ner erstat­tet ver­lan­gen.

Voll­stre­ckung Zug um Zug – und die anfal­len­den Kos­ten

Glei­ches gilt für die Anwalts­kos­ten, die durch die Inan­spruch­nah­me anwalt­li­cher Hil­fe bei der Beauf­tra­gung des Gerichts­voll­zie­hers aus­ge­löst wer­den.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehö­ren zu den Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung i.S.d. § 788 Abs. 1 ZPO alle Auf­wen­dun­gen, die gemacht wer­den, um unmit­tel­bar die Voll­stre­ckung aus dem Titel vor­zu­be­rei­ten oder die ein­zel­nen Voll­stre­ckungs­ak­te durch­zu­füh­ren 1. Not­wen­dig sind die­se Kos­ten, wenn sie für eine Maß­nah­me ange­fal­len sind, die der Gläu­bi­ger zum Zeit­punkt ihrer Vor­nah­me bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der Sach­la­ge zur Durch­set­zung sei­nes titu­lier­ten Anspruchs objek­tiv für erfor­der­lich hal­ten durf­te 2.

Ent­hält der Voll­stre­ckungs­auf­trag außer dem Andie­nungs­auf­trag zugleich einen Pfän­dungs­an­trag, ver­bun­den mit dem Antrag auf Abnah­me der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung, lös­te das Ange­bot der Gegen­leis­tung bei der Schuld­ne­rin durch den Gerichts­voll­zie­her kei­ne eigen­stän­dig abre­chen­ba­re Gebühr aus, son­dern erfolg­te als nicht geson­dert ver­gü­tungs­pflich­ti­ges Neben­ge­schäft im Rah­men des erteil­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags 3.

Doch selbst wenn der Bun­des­ge­richts­hof unter­stellt, die im Streit ste­hen­den Anwalts- und Gerichts­voll­zie­her­kos­ten sei­en allein durch den Andie­nungs­auf­trag aus­ge­löst wor­den, han­delt es sich jeden­falls dem Grun­de nach um not­wen­di­ge Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung im Sin­ne des § 788 Abs. 1 Satz 1 ZPO.

Die Beauf­tra­gung des Gerichts­voll­zie­hers mit der Andie­nung der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen bei der Schuld­ne­rin war eine Maß­nah­me, die von den Gläu­bi­gern ver­an­lasst wur­de, um unmit­tel­bar die Zwangs­voll­stre­ckung gegen­über der Schuld­ne­rin vor­zu­be­rei­ten. Durch das tat­säch­li­che Ange­bot des Gerichts­voll­zie­hers gemäß § 756 Abs. 1 ZPO bei der Schuld­ne­rin soll­ten die Vor­aus­set­zun­gen für die Voll­streck­bar­keit des Zug um Zug Titels gemäß §§ 756, 765 ZPO her­bei­ge­führt wer­den. Ein Gläu­bi­ger, dem der Nach­weis der Befrie­di­gung oder des Annah­me­ver­zu­ges des Schuld­ners durch öffent­li­che oder öffent­lich beglau­big­te Urkun­den nicht mög­lich ist, kann aus einer Zug um Zug Ver­ur­tei­lung, wie sie hier nach den Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts vor­liegt, ohne Mit­hil­fe des Gerichts­voll­zie­hers nicht voll­stre­cken. Als beson­de­re Vor­aus­set­zung der Zwangs­voll­stre­ckung ist in die­sem Fall sowohl für eine Voll­stre­ckungs­maß­nah­me durch den Gerichts­voll­zie­her als auch für eine Voll­stre­ckungs­maß­nah­me durch ein ande­res Voll­stre­ckungs­or­gan das vor­an­ge­gan­ge­ne Ange­bot der Gegen­leis­tung durch den Gerichts­voll­zie­her nötig, §§ 756, 765 ZPO 4.

Das Gesetz eröff­net dem Gläu­bi­ger in § 756 ZPO aus­drück­lich die Mög­lich­keit, die ihm nach dem Titel oblie­gen­de Gegen­leis­tung durch den Gerichts­voll­zie­her anbie­ten zu las­sen und hier­durch die Vor­aus­set­zun­gen für den Voll­stre­ckungs­be­ginn aus der Zug um Zug Ver­ur­tei­lung zu schaf­fen. Wählt der Gläu­bi­ger die­sen Weg, dann kann er die hier­für anfal­len­den Gerichts­voll­zie­her­kos­ten im Regel­fall als not­wen­di­ge Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung von dem Schuld­ner erstat­tet ver­lan­gen. Der Schuld­ner eines Zug um Zug Titels weiß mit des­sen Erlass, dass der Gläu­bi­ger jeder­zeit Voll­stre­ckungs­maß­nah­men gegen ihn ein­lei­ten kann, um die nach dem Titel geschul­de­te Leis­tung zwangs­wei­se durch­zu­set­zen. Um Nach­tei­le aus der dro­hen­den Voll­stre­ckung zu ver­mei­den, ist der Schuld­ner gehal­ten, initia­tiv tätig zu wer­den und gegen­über dem Gläu­bi­ger sei­ne frei­wil­li­ge Leis­tungs­be­reit­schaft im Aus­tausch gegen die ihm auf­grund des Zug um Zug Titels gebüh­ren­de Gegen­leis­tung zu signa­li­sie­ren. Han­delt er nicht ent­spre­chend, sind die für das Ange­bot der Gegen­leis­tung durch den Gerichts­voll­zie­her ent­ste­hen­den Gerichts­voll­zie­her­ge­büh­ren durch den Schuld­ner ver­an­lasst, denn die­ser hat es zur Ein­lei­tung von Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men kom­men las­sen 5.

So liegt es hier. Die Kos­ten für den beauf­trag­ten Gerichts­voll­zie­her sind ange­fal­len, weil ein Vor­ge­hen der Gläu­bi­ger nach § 756 Abs. 1 ZPO zur Durch­set­zung des Titels not­wen­dig gewor­den ist.

Auch die im Streit ste­hen­den Anwalts­kos­ten, die durch die Inan­spruch­nah­me anwalt­li­cher Hil­fe bei der Beauf­tra­gung des Gerichts­voll­zie­hers aus­ge­löst wur­den, sind dem Grun­de nach als not­wen­di­ge Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung im Sin­ne des § 788 Abs. 1 Satz 1 ZPO anzu­se­hen. Denn die­se Kos­ten sind in glei­cher Wei­se wie die Gerichts­voll­zie­her­kos­ten durch die Schuld­ne­rin ver­an­lasst, die es zur Ein­lei­tung von Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men hat kom­men las­sen.

Die Gläu­bi­ger durf­ten die Ein­schal­tung ihrer Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten für die Beauf­tra­gung des Gerichts­voll­zie­hers bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung der Sach­la­ge auch für objek­tiv erfor­der­lich hal­ten. Die Kos­ten anwalt­li­cher Hil­fe bei der Durch­füh­rung der Zwangs­voll­stre­ckung sind regel­mä­ßig als not­wen­dig anzu­se­hen 6. Anhalts­punk­te dafür, dass hier aus­nahms­wei­se etwas ande­res gel­ten müss­te, weil die Rechts­ver­fol­gung in der Zwangs­voll­stre­ckung für die Gläu­bi­ger beson­ders ein­fach gela­gert gewe­sen wäre, bestehen nicht 7. Die Zwangs­voll­stre­ckung aus dem von den Gläu­bi­gern voll­streck­ten Titel, der eine Voll­stre­ckung nur Zug um Zug erlaubt, ist nicht so ein­fach gela­gert, dass ihnen die Durch­füh­rung ohne anwalt­li­che Hil­fe zuge­mu­tet wer­den konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2014 – VII ZB 21/​12

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.01.2006 – VII ZB 74/​05, NJW 2006, 1598 Rn. 9; vom 20.12 2005 – VII ZB 57/​05, NJW 2006, 1141 Rn. 10; vom 14.04.2005 – V ZB 5/​05, NJW 2005, 2460, 2461[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.10.2012 – VII ZB 11/​10, NJW 2012, 3789 Rn. 11; vom 10.12 2009 – VII ZB 88/​08, NJW 2010, 1007 Rn. 10; vom 24.01.2006 – VII ZB 74/​05, aaO Rn. 11; vom 14.04.2005 – V ZB 5/​05, NJW 2005, 2460, 2462[]
  3. vgl. DB-GvKostG [zu Nrn. 410, 411 KV] Nr. 14; Kes­sel in: Kind­l/­Mel­ler-Han­nich/­Wolf, Gesam­tes Recht der Zwangs­voll­stre­ckung, 2. Aufl., GvKostG, Kos­ten­ver­zeich­nis Nr. 400440, vor Rn. 1; Mey­er, Kom­men­tar zum Gerichts­voll­zie­her­ge­setz, KVGv, "4. Beson­de­re Geschäf­te" Rn. 9, 10[]
  4. vgl. Wieczorek/​Schütze/​Salzmann, ZPO, 3. Aufl., § 756 Rn. 9; Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 4. Aufl., § 756 Rn. 2[]
  5. vgl. zum Ver­an­las­ser­prin­zip BGH, Beschluss vom 24.01.2006 – VII ZB 74/​05, NJW 2006, 1598 Rn. 9[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 24.01.2006 – VII ZB 74/​05, aaO Rn. 13; Gau­l/­Schil­ken/­Be­cker-Eber­hard, Zwangs­voll­stre­ckungs­recht, 12. Aufl., § 46 Rn. 18; Musielak/​Lackmann, ZPO, 11. Aufl., § 788 Rn. 7; Wieczorek/​Schütze/​Steiner, ZPO, 3. Aufl., § 788 Rn. 16[]
  7. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.06.2010 XII ZB 242/​09, BGHZ 186, 70 Rn. 23, 25; vom 25.09.2003 IXa ZB 192/​03, Fam­RZ 2003, 1921[]
  8. vgl. BVerfGE 7, 75, 76; 85, 109, 113[]