Abtre­tung eines insol­venz­recht­li­chen Anfech­tungs­an­spruchs – und die Haf­tung des GbR-Gesell­schaf­ters

Der insol­venz­recht­li­che Anfech­tungs­an­spruch (§ 143 Abs. 1 InsO) ist, ohne dass er sei­nen Rechts­cha­rak­ter ver­liert, abtret­bar.

Abtre­tung eines insol­venz­recht­li­chen Anfech­tungs­an­spruchs – und die Haf­tung des GbR-Gesell­schaf­ters

Der Anfech­tungs­an­spruch ist als schuld­recht­li­cher Anspruch auf Rück­füh­rung des anfecht­bar weg­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des zur Insol­venz­mas­se aus­ge­stal­tet.

Eine For­de­rung kann von dem Gläu­bi­ger durch Ver­trag mit einem ande­ren auf die­sen über­tra­gen wer­den. Mit dem Abschluss des Ver­tra­ges tritt der neue Gläu­bi­ger an die Stel­le des bis­he­ri­gen Gläu­bi­gers (§ 398 BGB). Die Rück­ge­währ eines anfecht­bar aus dem Ver­mö­gen des Schuld­ners weg­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des durch des­sen Über­tra­gung an einen ande­ren Gläu­bi­ger als die Insol­venz­mas­se (vgl. § 143 InsO) kann ohne Ver­än­de­rung des Anspruchs­in­halts in Ein­klang mit § 399 Halb­satz 1 BGB erfol­gen 1.

Die Rück­ge­währ des Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des an einen Drit­ten wider­spricht nicht dem Zweck des Anfech­tungs­rechts. Auf­ga­be der Insol­venz­an­fech­tung ist, den Bestand des den Gläu­bi­gern haf­ten­den Schuld­ner­ver­mö­gens dadurch wie­der her­zu­stel­len, dass bestimm­te Ver­mö­gens­ver­schie­bun­gen rück­gän­gig gemacht wer­den. Die­ser Zweck kann auch dann erreicht wer­den, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter nicht den anfecht­bar weg­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­ge­gen­stand zurück­er­hält, son­dern den Rück­ge­währ­an­spruch ver­wer­tet. Vor­aus­set­zung ist nur, dass eine gleich­wer­ti­ge Gegen­leis­tung zur Mas­se gelangt 2.

Eben­so bleibt die Rechts­na­tur eines Anfech­tungs­an­spruchs erhal­ten, wenn er gegen eine Per­son gel­tend gemacht wird, die für die Ver­bind­lich­kei­ten des ori­gi­nä­ren Anfech­tungs­schuld­ners haf­tet. Dies gilt etwa in Fäl­len einer Rechts­schein­haf­tung, in denen ein Unter­neh­men zure­chen­bar den Ein­druck erweckt, mit einem ande­ren Unter­neh­men, gegen das sich ein Anfech­tungs­an­spruch rich­tet, iden­tisch zu sein 3. Nicht anders ver­hält es sich in vor­lie­gen­der Sache, in der im Blick auf den Anspruch aus § 134 Abs. 1 InsO die GbR pri­mä­re Anfech­tungs­schuld­ne­rin ist. Schon vor Aner­ken­nung der Rechts- und Par­tei­fä­hig­keit der GbR 4 war aner­kannt, dass die Gesell­schaf­ter einer OHG wie auch einer GbR gesamt­schuld­ne­risch für einen Anfech­tungs­an­spruch haf­ten 5. Auch soweit die Gesell­schaf­ter einer GbR nun­mehr gemäß § 128 Abs. 1 HGB 6 für die Ver­bind­lich­kei­ten einer GbR ein­zu­ste­hen haben, han­delt es sich um einen Anspruch aus einem Anfech­tungs­rechts­ver­hält­nis.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juni 2016 – IX ZR 158/​15

  1. BGH, Urteil vom 17.02.2011 – IX ZR 91/​10, WM 2011, 1080 Rn. 7 f[]
  2. BGH, aaO Rn. 9[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.12 2010 – IX ZR 199/​10, ZIn­sO 2011, 183 Rn. 6 ff[]
  4. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 348 ff[]
  5. Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, 3. Aufl., § 143 Rn. 6; Jaeger/​Henckel, InsO, 2008, § 143 Rn. 100[]
  6. BGH, aaO S. 358[]