Das vom Insol­venz­ver­wal­ter frei­hän­dig ver­äu­ßer­ten Grund­stück – und die Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Der Wert eines mit Grund­pfand­rech­ten belas­te­ten; vom Insol­venz­ver­wal­ter frei­hän­dig ver­äu­ßer­ten Grund­stücks ist der Berech­nung sei­ner Ver­gü­tung nicht zugrun­de zu legen, wenn weder ein Über­erlös noch ein Kos­ten­bei­trag zur Mas­se fließt.

Das vom Insol­venz­ver­wal­ter frei­hän­dig ver­äu­ßer­ten Grund­stück – und die Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Gehö­ren zur Insol­venz­mas­se Gegen­stän­de, die mit Abson­de­rungs­rech­ten belas­tet sind, zäh­len zur Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters stets die­je­ni­gen Beträ­ge, die nach Befrie­di­gung der Abson­de­rungs­rech­te als Über­schuss der Mas­se zuste­hen (§ 1 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 Satz 3 Ins­VV). Ein sol­cher Über­schuss ist hier nicht zur Mas­se gelangt.

Nach der Rege­lung in § 1 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 und 2 Ins­VV wird dar­über hin­aus der mit einem Abson­de­rungs­recht belas­te­te Gegen­stand mit sei­nem vol­len Wert berück­sich­tigt, wenn er durch den Ver­wal­ter ver­wer­tet wird. Die dadurch bewirk­te Mehr­ver­gü­tung ist jedoch auf 50 v.H. des Betrags begrenzt, der für die Kos­ten der Fest­stel­lung des belas­te­ten Gegen­stands in die Mas­se geflos­sen ist. Eine zusätz­li­che Ver­gü­tung nach die­ser Norm schei­det im Streit­fall aus, weil kein Kos­ten­bei­trag zur Mas­se gelangt ist.

Fest­stel­lungs­bei­trä­ge der abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger sieht das Gesetz nur bei der Ver­wer­tung von beweg­li­chen Gegen­stän­den und For­de­run­gen (§ 170 Abs. 1 Satz 1 InsO) und inso­weit vor, als sich die Zwangs­ver­stei­ge­rung eines Grund­stücks auf beweg­li­che Gegen­stän­de erstreckt (§ 10 Abs. 1 Nr. 1a ZVG). Für die Ver­wer­tung eines Grund­stücks durch frei­hän­di­ge Ver­äu­ße­rung gibt es kei­ne ent­spre­chen­de Rege­lung. Ob in die­sem Fall den­noch eine Son­der­ver­gü­tung nach § 1 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 und 2 Ins­VV bean­sprucht wer­den kann, hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­her offen gelas­sen 1.

Die Fra­ge braucht auch im vor­lie­gen­den Fall vom Bun­des­ge­richts­hof nicht ent­schie­den zu wer­den. Der Anspruch auf eine Ver­gü­tung unter Berück­sich­ti­gung des vol­len Werts eines mit einem Abson­de­rungs­recht belas­te­ten Grund­stücks setzt jeden­falls vor­aus, dass die Ver­wer­tung durch den Insol­venz­ver­wal­ter zu einem dem Fest­stel­lungs­bei­trag ver­gleich­ba­ren Mas­se­zu­fluss geführt hat 2. Dies folgt schon aus dem Wort­laut der Rege­lung, die von einem Fest­stel­lungs­bei­trag spricht, der in die Mas­se geflos­sen ist. Auch in der Amt­li­chen Begrün­dung zu § 1 Ins­VV 3 ist von einem „anfal­len­den Kos­ten­bei­trag” die Rede. Ein sol­ches Ver­ständ­nis ent­spricht dem der Ver­gü­tungs­ver­ord­nung zugrun­de lie­gen­den, aus § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO abzu­lei­ten­den und in § 1 Abs. 2 Nr. 1 Satz 3 Ins­VV zum Aus­druck kom­men­den Über­schuss­prin­zip, wonach die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters nur aus dem­je­ni­gen Ver­mö­gen zu berech­nen ist, das auch zur Beglei­chung der Ver­gü­tung zur Ver­fü­gung steht 4. Die Begren­zung der Ver­gü­tung auf 50 v.H. eines erlang­ten Fest­stel­lungs­bei­trags in § 1 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 Ins­VV bringt zum Aus­druck, dass die Ver­wer­tung eines mit einem Abson­de­rungs­recht belas­te­ten Gegen­stands auch den unge­si­cher­ten Gläu­bi­gern noch einen Nut­zen brin­gen soll, indem die zwei­te Hälf­te des Fest­stel­lungs­bei­trags nicht für die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters ver­braucht wer­den darf, son­dern der Mas­se vor­be­hal­ten bleibt. Wäre der Fest­stel­lungs­bei­trag, wie von der Rechts­be­schwer­de befür­wor­tet, als blo­ße Rechen­grö­ße her­an­zu­zie­hen, führ­te die Ver­wer­tung des Ver­wal­ters hin­ge­gen nicht zu einer Ver­meh­rung, son­dern zu einer Ver­kür­zung der den Insol­venz­gläu­bi­gern zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mas­se.

Die Tätig­keit des Insol­venz­ver­wal­ters im Zuge der Ver­wer­tung eines Grund­stücks muss gleich­wohl nicht unver­gü­tet blei­ben. Wird durch die frei­hän­di­ge Ver­äu­ße­rung ein höhe­rer Erlös als im Fal­le einer Zwangs­ver­stei­ge­rung erzielt, ist dies für die Insol­venz­gläu­bi­ger unge­ach­tet eines ver­ein­bar­ten Kos­ten­bei­trags der abson­de­rungs­be­rech­tig­ten Gläu­bi­ger dann von Nut­zen, wenn sich infol­ge des Mehr­erlö­ses die zur Tabel­le ange­mel­de­ten per­sön­li­chen Aus­fall­for­de­run­gen die­ser Gläu­bi­ger ver­rin­gern und sich dadurch die Befrie­di­gungs­quo­te der unge­si­cher­ten Gläu­bi­ger erhöht. Dies zu ermög­li­chen, gehört zu den Auf­ga­ben des Insol­venz­ver­wal­ters. Unter­nimmt er dafür beson­de­re Anstren­gun­gen, kön­nen die­se durch einen ange­mes­se­nen Zuschlag zur Ver­gü­tung nach § 3 Abs. 1 Buchst. a Ins­VV berück­sich­tigt wer­den 5.

Ohne Rechts­feh­ler hat das Beschwer­de­ge­richt der Fest­set­zung der Ver­gü­tung einen Zuschlag zur Regel­ver­gü­tung in Höhe von 15 v.H. zugrun­de gelegt. Die Bemes­sung vor­zu­neh­men­der Zu- und Abschlä­ge ist grund­sätz­lich Auf­ga­be des Tatrich­ters. Sie ist in der Rechts­be­schwer­de­instanz nur dar­auf zu über­prü­fen, ob sie die Gefahr der Abwei­chung von Maß­stä­ben mit sich bringt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2016 – IX ZB 17/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2008 – IX ZB 157/​05, nv Rn. 2; vom 17.04.2013 – IX ZB 141/​11, ZIn­sO 2013, 1104 Rn. 2
  2. allg. Mei­nung; vgl. LG Heil­bronn, ZIn­sO 2011, 1958, 1959; Kel­ler, Ver­gü­tung und Kos­ten im Insol­venz­ver­fah­ren, 3. Aufl., Rn. 188a; Haarmeyer/​Mock, Ins­VV, 5. Aufl., § 1 Rn. 61 f; Prasser/​Stoffler in Kübler/​Prütting/​Bork, 2015, § 1 Ins­VV Rn. 43; Graeber/​Graeber, Ins­VV, § 1 Rn. 103 f; BK-InsO/Blersch, 2009, § 1 Ins­VV Rn. 11 aE; Amber­ger in Leonhardt/​Smid/​Zeuner, Ins­VV, § 1 Rn. 53 f
  3. abge­druckt etwa bei Kel­ler, aaO, Anhang III
  4. BGH, Beschluss vom 15.11.2012 – IX ZB 130/​10, BGHZ 195, 336 Rn. 26
  5. vgl. Graeber/​Graeber, aaO Rn. 98 ff, 103
  6. st. Rspr., etwa BGH, Beschluss vom 13.11.2008 – IX ZB 141/​07, ZIn­sO 2009, 55 Rn. 8; vom 11.06.2015 – IX ZB 18/​13, WM 2015, 1481 Rn. 12