Der poten­ti­el­le Insol­venz­ver­wal­ter – und sei­ne Betei­li­gung an einer Bank

Ein Bewer­ber, der die Auf­nah­me in die Vor­auswahl­lis­te für Insol­venz­ver­wal­ter begehrt, muss von sich aus offen­le­gen, dass er nicht uner­heb­li­che Betei­li­gun­gen an einer Bank hält, dort in die Füh­rungs­ebe­ne ein­ge­bun­den ist oder sie in bedeu­ten­dem Umfang regel­mä­ßig berät, wenn die­se Bank in vie­len Insol­venz­ver­fah­ren an die­sem Insol­venz­ge­richt als Insol­venz­gläu­bi­ge­rin auf­tritt.

Der poten­ti­el­le Insol­venz­ver­wal­ter – und sei­ne Betei­li­gung an einer Bank

Für das Vor­auswahl­ver­fah­ren steht die Aus­fül­lung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs der per­sön­li­chen und fach­li­chen Eig­nung im Vor­der­grund. Für die­se gene­rel­le Eig­nung ist ein bestimm­tes Anfor­de­rungs­pro­fil zu erstel­len, nach dem sich die Qua­li­fi­ka­ti­on des jewei­li­gen Bewer­bers rich­tet. Der Insol­venz­rich­ter hat die Aus­wahl­kri­te­ri­en trans­pa­rent zu machen, etwa durch Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net oder durch Fra­ge­bö­gen. Dabei ist es ihm ver­wehrt, das Ver­fah­ren oder die Kri­te­ri­en der Ver­ga­be will­kür­lich zu bestim­men; dar­über hin­aus kann die tat­säch­li­che Ver­ga­be­pra­xis zu einer Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung füh­ren (Art. 3 Abs. 1 GG). Damit die Vor­auswahl­lis­te die ihr zukom­men­de Funk­ti­on erfül­len kann, darf sich das Vor­auswahl­ver­fah­ren nicht nur auf das Erstel­len einer Lis­te mit Namen und Anschrif­ten inter­es­sier­ter Bewer­ber beschrän­ken, viel­mehr müs­sen die Daten über die Bewer­ber erho­ben, veri­fi­ziert und struk­tu­riert wer­den, die der jewei­li­ge Insol­venz­rich­ter nach der eige­nen Ein­schät­zung für eine sach­ge­rech­te Ermes­sens­aus­übung bei der Aus­wahl­ent­schei­dung benö­tigt. Erfüllt ein Bewer­ber die per­sön­li­chen und fach­li­chen Anfor­de­run­gen für das Amt des Insol­venz­ver­wal­ters im All­ge­mei­nen, kann ihm die Auf­nah­me in die Lis­te nicht ver­sagt wer­den. Ein Ermes­sen für den die Vor­auswahl­lis­te füh­ren­den Insol­venz­rich­ter besteht nicht. Ihm ist aller­dings ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­bil­li­gen, wenn er den Bewer­ber an den all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en für die fach­li­che und per­sön­li­che Eig­nung misst. Denn sei­ner Beur­tei­lung, ob der Bewer­ber dem Anfor­de­rungs­pro­fil genügt, ist ein pro­gnos­ti­sches Ele­ment imma­nent 1.

Der Bewer­ber muss gene­rell unab­hän­gig sein 2, weil er bei der Erfül­lung der Ver­wal­ter­auf­ga­ben die Inter­es­sen sämt­li­cher Betei­lig­ten zu wah­ren hat 3. In der Lite­ra­tur wird berich­tet, zur Sicher­stel­lung der gene­rel­len Unab­hän­gig­keit for­der­ten eini­ge Insol­venz­ge­rich­te ent­spre­chen­de Erklä­run­gen ein. Damit soll­ten bestimm­te Dau­er­be­ra­tungs­tä­tig­kei­ten für stets wie­der­keh­ren­de Gläu­bi­ger aus­ge­schlos­sen wer­den. Zur Absi­che­rung der finan­zi­el­len Unab­hän­gig­keit wür­den die­se Erklä­run­gen auf das Vor­han­den­sein von Ver­mö­gens­scha­dens­haft­pflicht­ver­si­che­run­gen erstreckt. Im Ein­zel­fall sei zu prü­fen, ob der Bewer­ber häu­fig für an Insol­venz­ver­fah­ren betei­lig­te Gläu­bi­ger wie Ban­ken, Kre­dit­ver­si­che­rer oder Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger tätig sei. Denn es sei auch eine wirt­schaft­li­che Unab­hän­gig­keit von Gläu­bi­gern, vor allem von Groß­gläu­bi­gern, zu ver­lan­gen 4.

Ein Insol­venz­ver­wal­ter ist ver­pflich­tet, von sich aus dem Insol­venz­ge­richt einen Sach­ver­halt anzu­zei­gen, der bei unvor­ein­ge­nom­me­ner, lebens­na­her Betrach­tungs­wei­se die ernst­li­che Besorg­nis recht­fer­ti­gen kann, dass der Ver­wal­ter als befan­gen an sei­ner Amts­füh­rung ver­hin­dert ist 5. Des­we­gen muss er, wenn er in einem kon­kre­ten Ver­fah­ren bestellt wer­den soll, dem Insol­venz­ge­richt mit­tei­len, ob er den Schuld­ner 6 oder einen Insol­venz­gläu­bi­ger bera­ten hat, ob er in stän­di­ger Geschäfts­be­zie­hung zu die­sen steht oder ob er am Schuld­ner oder an Insol­venz­gläu­bi­gern wirt­schaft­lich betei­ligt ist.

Dies kann nicht in glei­chem Maße für den Bewer­ber gel­ten, der auf eine Vor­auswahl­lis­te auf­ge­nom­men wer­den möch­te, weil solan­ge, wie der Bewer­ber nur auf der Vor­auswahl­lis­te geführt wird, die künf­ti­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten nicht bekannt sind und eine kon­kre­te Abhän­gig­keit des­we­gen nicht geprüft wer­den kann. Nur wenn der Bewer­ber mit einem Groß­gläu­bi­ger wirt­schaft­lich ver­bun­den ist, der auch aus sei­ner Sicht erfah­rungs­ge­mäß an vie­len Insol­venz­ver­fah­ren als Insol­venz­gläu­bi­ger betei­ligt ist, die an dem Insol­venz­ge­richt geführt wer­den, bei dem er die Auf­nah­me auf die Vor­auswahl­lis­te begehrt, muss er dies von sich aus in sei­ner Bewer­bungs­schrift offen­ba­ren. Das kann aber nur gel­ten, wenn der Bewer­ber nicht uner­heb­li­che Betei­li­gun­gen an dem Groß­gläu­bi­ger hält, dort in die Füh­rungs­ebe­ne ein­ge­bun­den ist oder die­sen in bedeu­ten­dem Umfang regel­mä­ßig berät. Es reicht nicht aus, dass ein Bewer­ber bei einer ört­li­chen Bank ent­we­der per­sön­lich oder über ein Unter­neh­men, an dem er betei­ligt ist, oder als Insol­venz­ver­wal­ter Kon­ten führt oder Kre­di­te auf­ge­nom­men hat, jeden­falls solan­ge die­se zu übli­chen Bedin­gun­gen gewährt wor­den sind.

Mit Recht hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg 7 auch gese­hen, dass die auf Anfra­ge offen geleg­ten Kon­tak­te zwi­schen der Bank und dem Antrag­stel­ler und dem Unter­neh­men, an dem er betei­ligt ist, sei­ne gene­rel­le Unab­hän­gig­keit nicht in Fra­ge stel­len. Der ord­nungs­ge­mäß abge­wi­ckel­te Ver­kauf eines Grund­stücks unter Betei­li­gung einer Toch­ter der Bank im Jahr 2006 beein­träch­ti­ge weder die gene­rel­le noch die kon­kre­te Unab­hän­gig­keit des Antrag­stel­lers von der Bank. Ent­spre­chen­des gilt für den einem Unter­neh­men, an dem der Antrag­stel­ler betei­ligt war, in den Jah­ren 2000 bis 2009 durch die Bank gewähr­ten und durch das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern abge­si­cher­ten Kre­dit, der zum Zeit­punkt, als der Antrag­stel­ler die Auf­nah­me auf die Vor­auswahl­lis­ten des Antrags­geg­ners bean­tragt hat, weit­ge­hend und zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts voll­stän­dig zurück­ge­zahlt war. Dass der Antrag­stel­ler als Insol­venz­ver­wal­ter in einem in Ham­burg lau­fen­den Insol­venz­ver­fah­ren eine Toch­ter­ge­sell­schaft der Groß­gläu­bi­ge­rin beauf­tragt hat, einen Käu­fer für das dort in Insol­venz gegan­ge­ne Unter­neh­men zu suchen, beein­träch­tigt – auf der Hand lie­gend – die all­ge­mei­ne und kon­kre­te Unab­hän­gig­keit des Antrag­stel­lers nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2016 – IX AR(VZ) 7/​15

  1. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – IX AR (VZ) 1/​15, NZI 2016, 508 Rn. 24 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – IX AR (VZ) 1/​15, NZI 2016, 508 Rn. 27[]
  3. Uhlenbruck/​Zipperer, InsO, 14. Aufl., § 56 Rn. 25; vgl. auch Münch­Komm-InsO/Gra­eber, 3. Aufl., § 56 Rn. 37[]
  4. Uhlenbruck/​Zipperer, aaO[]
  5. BGH, Urteil vom 24.01.1991 – IX ZR 250/​89, BGHZ 113, 262282; Beschluss vom 19.01.2012 – IX ZB 25/​11, NZI 2012, 247 Rn. 13; vom 23.02.2012 – IX ZB 24/​11, nv Rn. 12; vom 19.04.2012 – IX ZB 23/​11, ZIn­sO 2012, 928 Rn. 14; vom 26.04.2012 – IX ZB 31/​11, ZIn­sO 2012, 1125 Rn. 17[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – IX AR (VZ) 1/​15, NZI 2016, 508 Rn. 26 f[]
  7. OLG Ham­burg, Beschluss vom 30.09.2015 – 2 VA 1712[]