Die Mie­te im Monat der Insolvenzeröffnung

Bei einem Miet­ver­trag über einen unbe­weg­li­chen Gegen­stand ist in der Insol­venz des Mie­ters die Miet­for­de­rung für den Monat, in dem das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wird, in dem Umfang Mas­se­ver­bind­lich­keit, der dem ab der Ver­fah­rens­er­öff­nung ver­blei­ben­den Teil des Monats entspricht.

Die Mie­te im Monat der Insolvenzeröffnung

In der Insol­venz des Mie­ters besteht ein Miet­ver­hält­nis über unbe­weg­li­che Gegen­stän­de gemäß § 108 Abs. 1 Satz 1 InsO mit Wir­kung für die Insol­venz­mas­se fort. Ansprü­che des Ver­mie­ters aus einem sol­chen Miet­ver­hält­nis sind Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten (§ 55 Abs. 1 Nr. 2 Fall 2 InsO), wenn – wie hier – ihre Erfül­lung für die Zeit nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens erfol­gen muss1. Ansprü­che für die Zeit vor Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens kann der Ver­mie­ter dage­gen gemäß § 108 Abs. 3 InsO nur als Insol­venz­gläu­bi­ger gel­tend machen2.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, gel­ten die­se Grund­sät­ze auch für Miet­for­de­run­gen für den Monat, in dem das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wird. Sie sind Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten, soweit die Erfül­lung des Miet­ver­trags zur Insol­venz­mas­se nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens erfol­gen muss, und dem­ge­mäß zeit­an­tei­lig auf­zu­tei­len3. Ob die Ver­bind­lich­keit aus einem gegen­sei­ti­gen Ver­trag gemäß § 55 Abs. 1 Nr. 2 InsO eine Mas­se­ver­bind­lich­keit dar­stellt, hängt nicht davon ab, wann die­se Ver­bind­lich­keit insol­venz­recht­lich ent­stan­den ist. Ent­schei­dend für Miet­for­de­run­gen ist viel­mehr, inwie­weit die­se Ver­bind­lich­keit die Gegen­leis­tung für den Teil einer Leis­tung aus einem gegen­sei­ti­gen Ver­trag dar­stellt, des­sen Erfül­lung zur Insol­venz­mas­se ver­langt wird oder für die Zeit nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens erfol­gen muss. Ist die Leis­tung teil­bar, ist die Gegen­for­de­rung nur in einem der Leis­tung an die Insol­venz­mas­se ent­spre­chen­den Teil Mas­se­ver­bind­lich­keit. Dies soll gewähr­leis­ten, dass der­je­ni­ge, der sei­ne voll­wer­ti­ge Leis­tung wei­ter­hin zur Mas­se erbrin­gen und sie der Mas­se damit zugu­te kom­men las­sen muss, die dafür zu ent­rich­ten­de vol­le Gegen­leis­tung erhal­ten und nicht auf eine Insol­venz­for­de­rung beschränkt sein soll4. Die Lite­ra­tur meint eben­falls, dass die Mie­te für den Monat, in dem das Ver­fah­ren eröff­net wird, antei­lig auf­zu­tei­len ist und für die Zeit nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens eine Mas­se­ver­bind­lich­keit dar­stellt5.

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Die abwei­chen­den Lite­ra­tur­stim­men6 begrün­den kei­nen Klä­rungs­be­darf. Sie sind ver­ein­zelt geblie­ben und set­zen sich nicht mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Ein­ord­nung von Ansprü­chen aus gegen­sei­ti­gen Ver­trä­gen als Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 55 Abs. 1 Nr. 2 InsO auseinander.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. März 2021 – IX ZR 152/​20

  1. BGH, Urteil vom 13.12.2012 – IX ZR 9/​12, WM 2013, 138 Rn. 10; vom 09.10.2014 – IX ZR 69/​14, WM 2014, 2187 Rn. 8; vom 29.01.2015 – IX ZR 279/​13, BGHZ 204, 83 Rn. 33[]
  2. BGH, Urteil vom 13.12.2012, aaO; vom 29.01.2015, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.2015, aaO Rn. 17, 32 f[]
  4. BGH, Urteil vom 03.04.2003 – IX ZR 163/​02, ZIP 2003, 854, 855[]
  5. Jaeger/​Jacoby, InsO, § 108 Rn. 147; Tin­tel­not in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2019, § 108 Rn. 74; Münch­Komm-InsO/He­f­er­mehl, 4. Aufl., § 55 Rn. 150; Münch­Komm-InsO/Hoff­mann, 4. Aufl., § 108 Rn. 101; Uhlenbruck/​Sinz, InsO, 15. Aufl., § 55 Rn. 53; Uhlenbruck/​D. Wege­ner, InsO, 15. Aufl., § 108 Rn. 30, 43; Flöther/​Wehner in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, 4. Aufl., § 108 Rn.20; Graf-Schli­cker/­Brei­ten­bü­cher, InsO, 5. Aufl., § 108 Rn. 29; Cymut­ta in Köl­ner Kom­men­tar zur InsO, § 108 Rn. 21 ff; Geiß­ler, ZIn­sO 2012, 1206, 1208 f; vgl. bereits Jaeger/​Henckel, InsO, § 55 Rn. 48[]
  6. FK-InsO/B. Wege­ner, 9. Aufl., § 108 Rn. 38; Hmb­Komm-InsO/Pohl­mann-Wei­de, 8. Aufl., § 108 Rn.19; Ahrens in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, 4. Aufl., § 38 Rn. 40; Rosen­mül­ler, ZIn­sO 2012, 1110[]

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