Die vom Insol­venz­ver­wal­ter bestrit­te­ne For­de­rung – und der Streit­wert für die Fest­stel­lungs­kla­ge

Nach § 182 InsO bestimmt sich der Wert des Streit­ge­gen­stands einer Kla­ge auf Fest­stel­lung einer For­de­rung, deren Bestand – wie vor­lie­gend – vom Insol­venz­ver­wal­ter bestrit­ten wor­den ist, nach dem Betrag, der bei der Ver­tei­lung der Insol­venz­mas­se für die For­de­rung zu erwar­ten ist.

Die vom Insol­venz­ver­wal­ter bestrit­te­ne For­de­rung – und der Streit­wert für die Fest­stel­lungs­kla­ge

Die Norm ist auch für den Zustän­dig­keits- und Rechts­mit­tel­streit­wert unter Ein­schluss des Wer­tes des Beschwer­de­ge­gen­stands maß­ge­bend [1], mit­hin auch für die Ermitt­lung des Wer­tes der mit der Revi­si­on gel­tend zu machen­den Beschwer [2].

Sie gilt grund­sätz­lich für alle Kla­gen gemäß §§ 179, 180 InsO auf Fest­stel­lung einer bestrit­te­nen Insol­venz­for­de­rung. Dabei ist es uner­heb­lich, ob die Fest­stel­lung durch Pro­zess­auf­nah­me (§ 180 Abs. 2 InsO), posi­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge des Gläu­bi­gers (§ 179 Abs. 1 InsO) oder nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge des bestrei­ten­den Insol­venz­ver­wal­ters betrie­ben wird (§ 179 Abs. 2 InsO; vgl. Münch­Komm-InsO/­Schu­ma­cher, 3. Aufl., § 182 Rn. 3).

Vor­lie­gend han­delt es sich um eine Auf­nah­me des Rechts­streits durch den bestrei­ten­den Insol­venz­ver­wal­ter nach § 180 Abs. 2 i.V.m. § 179 Abs. 2 InsO, auf die nach den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen § 182 InsO anwend­bar ist. Nach den Fest­stel­lun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters wird auf die Insol­venz­gläu­bi­ger und damit auch auf den Gläu­bi­ger vor­aus­sicht­lich kei­ne signi­fi­kan­te Quo­te ent­fal­len. Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Beru­fungs­ge­richt den Streit­wert nach § 182 ZPO auf 1.000 € fest­ge­setzt. Die­ser Wert ist auch vor­lie­gend nach § 26 Nr. 8 EGZPO i.V.m. § 182 InsO fest­zu­set­zen.

Der Umstand, dass der Gläu­bi­ger – nach dem Beru­fungs­ur­teil – ver­sucht hat, den Rechts­streit vor dem Beru­fungs­ge­richt auf­zu­neh­men, und in die­sem Rah­men die Fest­stel­lung eines Anspruchs auf abge­son­der­te Befrie­di­gung nach § 110 VVG begehrt hat, recht­fer­tigt kei­ne abwei­chen­de Beur­tei­lung. Denn der zuletzt genann­te Anspruch ist nicht Gegen­stand des Beru­fungs­ur­teils und damit auch nicht Gegen­stand der Revi­si­on, deren Zulas­sung der Insol­venz­ver­wal­ter in dem vor­lie­gen­den Beschwer­de­ver­fah­ren begehrt. Die Beschwer­de erkennt inso­fern zutref­fend, dass Gegen­stand des Rechts­streits der Zah­lungs­an­spruch des Gläu­bi­gers gegen die Schuld­ne­rin ist und nicht das Recht, sich aus der Deckungs­for­de­rung gegen den Ver­si­che­rer zu befrie­di­gen. Allein das Bestehen etwai­ger Sicher­hei­ten des Gläu­bi­gers und von Abson­de­rungs­rech­ten erhöht den Streit­wert nicht [3]. Für die Bemes­sung des Streit­werts einer Insol­venz­fest­stel­lungs­kla­ge ist viel­mehr allein vom Inhalt des Kla­ge­be­geh­rens aus­zu­ge­hen [4]. Für die vor­lie­gen­de Kla­ge, die im Fall ihrer Wei­ter­ver­fol­gung durch den Gläu­bi­ger auf eine sol­che Fest­stel­lungs­kla­ge umzu­stel­len wäre [5], gilt nichts ande­res. Sie umfasst das Recht des Gläu­bi­gers auf abge­son­der­te Befrie­di­gung nicht.

Nach den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen führt auch die blo­ße Erwar­tung, dass der Gläu­bi­ger sei­nen – nach dem Beru­fungs­ur­teil – ver­geb­lich gel­tend gemach­ten Anspruch auf abge­son­der­te Befrie­di­gung nach § 110 VVG wei­ter­ver­fol­gen könn­te, nicht zu einer Erhö­hung der aus dem Beru­fungs­ur­teil fol­gen­den und damit für § 26 Nr. 8 EGZPO maß­geb­li­chen Beschwer.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Mai 2015 – III ZR 260/​14

  1. BGH, Beschluss vom 28.01.2002 – II ZB 23/​01, NZI 2002, 549[]
  2. BGH, Beschluss vom 21.12 2006 – VII ZR 200/​05, MDR 2007, 681[]
  3. BGH, Urteil vom 19.02.1964 – Ib ZR 155/​62, NJW 1964, 1229 f; Beschluss vom 12.11.1992 – VII ZB 13/​92, NJW-RR 1993, 317, 318 zu § 148 KO; Münch­Komm-InsO/­Schu­ma­cher aaO Rn. 7; Uhlenbruck/​Sinz, InsO, 13. Aufl., § 182 Rn.20; Graf-Schli­cker in Graf-Schli­cker, InsO, 4. Aufl., § 182 Rn. 9[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.02.1964 aaO; Beschluss vom 12.11.1992 aaO; Uhlenbruck/​Sinz aaO Rn.20 f[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 31.10.2012 – III ZR 204/​12, BGHZ 195, 233 Rn. 21 f mwN[]