Die Vor­ab­ver­gü­tung eines stil­len Gesell­schaf­ters

An einen stil­len Gesell­schaf­ter geleis­te­te Vor­ab­ver­gü­tun­gen einer insol­ven­ten Fir­ma müs­sen nicht zurück­ge­zahlt wer­den, wenn sie auf­grund der mit dem Gesell­schaf­ter abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge garan­tiert und damit geschul­det sind.

Die Vor­ab­ver­gü­tung eines stil­len Gesell­schaf­ters

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines stil­len Gesell­schaf­ters der "Osna­brü­cker Sonn­tags­zei­tung" ent­schie­den und damit gleich­zei­tig das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Müns­ter abge­än­dert. Geklagt hat der Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen der Her­aus­ge­be­rin der "Osna­brü­cker Sonn­tags­zei­tung", ein Rechts­an­walt aus Osna­brück.

Der Beklag­te aus Len­ge­rich hat­te sich in den Jah­ren 2001 und 2010 mit Ein­la­gen in Höhe von ins­ge­samt 60.000 Euro am Ver­mö­gen der Her­aus­ge­be­rin betei­ligt. In den Jah­ren 2010 bis 2012 zahl­te die Her­aus­ge­be­rin an ihn als Vor­ab­ver­gü­tun­gen bezeich­ne­te Beträ­ge in Höhe von ca. 5.500 Euro nebst der hier­auf anfal­len­den Abgel­tungs­steu­er in Höhe von ca. 2.000 Euro. Nach der im Jah­re 2014 erfolg­ten Insol­venz­eröff­nung über das Ver­mö­gen der Her­aus­ge­be­rin ver­langt der Klä­ger die Erstat­tung die­ser Beträ­ge zur Insol­venz­mas­se. Nach sei­ner Mei­nung han­de­le es sich um nicht gerecht­fer­tig­te Gewinn­vor­aus­zah­lun­gen, weil die Her­aus­ge­be­rin in den frag­li­chen Jah­ren Ver­lus­te und kei­ne Gewin­ne erwirt­schaf­tet habe. Die­se Zah­lun­gen sei­en unent­gelt­li­che Leis­tun­gen und des­we­gen vom Beklag­ten als Anle­ger nach den Regeln der Insol­venz­ord­nung zu erstat­ten.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass die Her­aus­ge­be­rin die geleis­te­ten Vor­ab­ver­gü­tun­gen dem Beklag­ten auf­grund der mit ihm abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge, nach denen der Beklag­te mit einer Kapi­tal­ein­la­ge als stil­ler Gesell­schaf­ter an der Her­aus­ge­be­rin betei­ligt gewe­sen sei, garan­tiert und damit geschul­det habe. Die­se Ver­trä­ge sei­en wirk­sam.

Auf­grund sei­ner Treue­pflicht als Gesell­schaf­ter der Her­aus­ge­be­rin habe der Beklag­te in den Jah­ren 2010 bis 2012 auch nicht – aus­nahms­wei­se – davon abse­hen müs­sen, sei­ne Zah­lungs­an­sprü­che gel­tend zu machen. Bei den erbrach­ten Zah­lun­gen habe es sich um von der Her­aus­ge­be­rin ver­trag­lich garan­tier­te Zins­zah­lun­gen gehan­delt, die nicht unter dem Vor­be­halt einer Gewinn­erzie­lung gestan­den hät­ten. Das erge­be die Aus­le­gung der abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge unter Berück­sich­ti­gung ihrer prak­ti­schen Hand­ha­bung durch die Ver­trags­par­tei­en.

Vor die­sem Hin­ter­grund habe der Beklag­te gegen­über der Her­aus­ge­be­rin nicht auf die Zah­lun­gen ver­zich­ten müs­sen, zumal sich die­se ihm gegen­über auch treu­wid­rig ver­hal­ten habe, weil sie – nach der Dar­stel­lung des Klä­gers – in einer Art Schnee­ball­sys­tem Zah­lun­gen an stil­le Gesell­schaf­ter durch den Rück­griff auf Ein­la­gen ande­rer stil­ler Gesell­schaf­ter finan­ziert habe, um den Anschein eines gesun­den Unter­neh­mens zu erzeu­gen. Zudem habe sie den Beklag­ten beim Abschluss wei­te­rer Gesell­schafts­ver­trä­ge im Jah­re 2010 nicht auf ihre Über­schul­dung hin­ge­wie­sen.

Nach den Regeln der Insol­venz­ord­nung habe der Beklag­te die erhal­te­nen Leis­tun­gen nicht zu erstat­ten. Er habe die Zah­lun­gen nicht rechts­grund­los und damit unent­gelt­lich bekom­men. Aus die­sen Grün­den hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die Zah­lungs­kla­ge abge­wie­sen und das anders­lau­ten­de Urteil des Land­ge­richts Müns­ter abge­än­dert.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. Dezem­ber 2016 – 8 U 44/​16