Insol­venz­an­fech­tung – und die voll­stän­dig begli­che­nen Insol­venz­for­de­run­gen

Die Anfech­tung einer die Insol­venz­gläu­bi­ger unmit­tel­bar benach­tei­li­gen­den Rechts­hand­lung wird nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass der Anfech­tungs­geg­ner nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens sämt­li­che Insol­venz­for­de­run­gen, nicht aber die Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten begleicht.

Insol­venz­an­fech­tung – und die voll­stän­dig begli­che­nen Insol­venz­for­de­run­gen

Der Anfech­tungs­an­spruch ent­stand mit der Eröff­nung des (hier: Nach­lass) Insol­venz­ver­fah­rens. Waren zu die­sem Zeit­punkt sämt­li­che Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen ein­schließ­lich der unmit­tel­bar durch die Zuwen­dung bewirk­ten objek­ti­ven Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung erfüllt, kann die ein­mal gege­be­ne Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung grund­sätz­lich nur dadurch wie­der besei­tigt wer­den, dass der Anfech­tungs­geg­ner den anfecht­bar erhal­te­nen Gegen­stand oder des­sen vol­len Wert im Sin­ne einer vor­weg­ge­nom­me­nen Befrie­di­gung des indi­vi­du­el­len Rück­ge­währ­an­spruchs in das Ver­mö­gen des Schuld­ners zurück­führt 1.

Soweit der Bun­des­ge­richts­hof im Übri­gen aus­ge­führt hat, die Insol­venz­gläu­bi­ger wür­den nicht benach­tei­ligt, wenn die Insol­venz­mas­se auch ohne Anfech­tung und Rück­ge­währ des Erlang­ten aus­rei­che, um alle Gläu­bi­ger zu befrie­di­gen 2, ist damit der Fall gemeint, dass Insol­venz­gläu­bi­ger vor­han­den sind und die Mas­se groß genug ist, um zunächst die vor­ran­gi­gen Kos­ten des Ver­fah­rens und die sons­ti­gen Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten zu decken und sodann sämt­li­che Insol­venz­for­de­run­gen zu befrie­di­gen. Damit nicht ver­gleich­bar ist der hier gege­be­ne Fall, dass die Mas­se nicht aus­reicht, um die Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten und den (ein­zi­gen) Insol­venz­gläu­bi­ger zu befrie­di­gen, und der Anfech­tungs­geg­ner aus­schließ­lich die For­de­rung des Insol­venz­gläu­bi­gers begleicht. Eine sol­che Zah­lung kann nicht anders behan­delt wer­den, als wenn der Anfech­tungs­geg­ner an die Mas­se geleis­tet hät­te und es wegen der vor­ran­gi­gen Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten nicht zu einer Befrie­di­gung des Insol­venz­gläu­bi­gers gekom­men wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2019 – IX ZB 25/​17

  1. BGH, Urteil vom 10.09.2015 – IX ZR 215/​13, WM 2015, 1996 Rn. 15 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 19.09.1988 – II ZR 255/​87, BGHZ 105, 168, 187; vom 20.02.2014 – IX ZR 164/​13, BGHZ 200, 210 Rn.20[]