Insol­venz­ver­wal­ter­haf­tungn – und die Dar­le­gungs- und Beweis­last

Bei der Inan­spruch­nah­me eines vor­ma­li­gen Insol­venz­ver­wal­ters auf Scha­dens­er­satz nach § 60 InsO obliegt die Dar­le­gungs- und Beweis­last dem den Scha­dens­er­satz begeh­ren­den Klä­ger 1.

Insol­venz­ver­wal­ter­haf­tungn – und die Dar­le­gungs- und Beweis­last

Dies ergibt sich schon aus dem Wort­laut der Vor­schrift. Auch Berger/​Frege/​Nicht 2 ver­tre­ten kei­ne gegen­tei­li­ge Ansicht, son­dern mei­nen nur, dass, falls man dem in Anspruch genom­me­nen abge­lös­ten Insol­venz­ver­wal­ter ana­log § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG die Dar­le­gungs- und Beweis­last auf­er­le­gen wol­le, man die­sem den Zugriff auf die Doku­men­te des Insol­venz­ver­fah­rens ermög­li­chen müs­se. Das mag so sein.

Für eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG besteht aber kein Anlass. Die Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zu § 60 InsO (§ 71 des Ent­wurfs; BT-Drs. 12/​2443 S. 129) hat zwar auf § 93 Abs. 1 Satz 1 AktG und auf § 34 Abs. 1 Satz 1 GenG, § 43 Abs. 1 GmbHG ver­wie­sen bezüg­lich des Sorg­falts­maß­stabs, der an einen Insol­venz­ver­wal­ter zu stel­len sei, also die "Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen Insol­venz­ver­wal­ters", was an den Maß­stab der genann­ten Vor­schrif­ten zur "Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäftsleiters/​Geschäftsmannes" anknüp­fe. Zugleich wur­de aber klar­ge­stellt, dass die­se Sorg­falts­an­for­de­run­gen nicht unver­än­dert über­nom­men wer­den könn­ten, son­dern dass auf die beson­de­ren Erschwer­nis­se beim Insol­venz­ver­wal­ter zu ach­ten sei 3.

Von einer Über­nah­me der Rege­lung des § 93 Abs. 2 Satz 2 AktG hat der Gesetz­ge­ber, der die­se Vor­schrift ersicht­lich vor Augen hat­te, gera­de abge­se­hen. Dann kann sie aber auch nicht durch Ana­lo­gie zur Anwen­dung gebracht wer­den. Es fehlt schon an der hier­für erfor­der­li­chen Rege­lungs­lü­cke. Die Aus­füh­run­gen der Geset­zes­be­grün­dung zu den beson­de­ren Schwie­rig­kei­ten, vor denen der Insol­venz­ver­wal­ter ins­be­son­de­re bei Amts­an­tritt steht, las­sen im Gegen­teil den Schluss zu, dass sei­ne Haf­tung nicht so streng sein soll­te wie bei einem Geschäfts­lei­ter. Das schließt es auch aus, dem Insol­venz­ver­wal­ter die Dar­le­gungs- und Beweis­last auf­zu­er­le­gen. Wie nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Anwalts­haf­tung 4 trägt die Dar­le­gungs- und Beweis­last der Anspruch­stel­ler. Das schließt ein, dass den in Anspruch genom­me­nen Insol­venz­ver­wal­ter bei nega­ti­ven Tat­sa­chen 5 und nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen 6 eine sekun­dä­re Dar­le­gungs­last tref­fen kann. Klä­rungs­be­darf besteht inso­weit jedoch nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Okto­ber 2015 – IX ZR 296/​14

  1. BAG, ZIP 2012, 38 Rn. 33; Münch­Komm-InsO/Bran­des­/­Schopp­mey­er, 3. Aufl., § 60 Rn. 121; Lind in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO, 2. Aufl., § 60 Rn. 46; Schmidt/​Thole, InsO, 18. Aufl., § 60 Rn. 52; Graf-Schli­cker/We­bel, InsO, 4. Aufl., § 60 Rn. 25[]
  2. Berger/​Frege/​Nicht, NZI 2010, 321, 331[]
  3. vgl. dazu HK-InsO/­Loh­mann, 7. Aufl., § 60 Rn. 29[]
  4. vgl. dazu Gero Fischer, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 4. Aufl., § 4 Rn. 13 mwN[]
  5. vgl. dazu Gero Fischer, aaO Rn. 18 ff[]
  6. vgl. Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 138 Rn. 8 ff[]