Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung – und der Zuschlag zur Regel­ver­gü­tung

Wie der Bun­des­ge­richts­hof mehr­fach ent­schie­den hat, recht­fer­tigt eine lan­ge Dau­er des Ver­fah­rens für sich allein kei­nen geson­der­ten Zuschlag zur Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters.

Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung – und der Zuschlag zur Regel­ver­gü­tung

Maß­ge­ben­des Bemes­sungs­kri­te­ri­um für Zu- und Abschlä­ge soll der tat­säch­lich gestie­ge­ne oder gemin­der­te Arbeits­auf­wand sein. Dies ver­bie­tet es, Zuschlä­ge zur Ver­gü­tung allein an den Zeit­ab­lauf anzu­knüp­fen.

Zu bewer­ten ist viel­mehr die wäh­rend der Dau­er des Ver­fah­rens erbrach­te Tätig­keit. Weist die­se einen über­durch­schnitt­li­chen Umfang oder eine beson­de­re Schwie­rig­keit auf, wie dies in über­lan­gen Ver­fah­ren oft der Fall sein wird, kann dafür ein Zuschlag gewährt wer­den 1.

Ob die Vor­aus­set­zun­gen für einen Zuschlag zur Regel­ver­gü­tung nach § 3 Abs. 1 Ins­VV vor­lie­gen und wie hoch die­ser zu bemes­sen ist, muss vom Tatrich­ter unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de im Ein­zel­fall bestimmt wer­den. Des­sen Ent­schei­dung ist in der Rechts­be­schwer­de­instanz nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nur dar­auf zu über­prü­fen, ob sie die Gefahr der Ver­schie­bung von Maß­stä­ben mit sich bringt 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall bil­lig­te der Bun­des­ge­richts­hof die Ent­schei­dung der Vor­in­stan­zen, die für für ver­schie­de­ne Tätig­kei­ten, die der Ver­wal­ter wäh­rend der Ver­fah­rens­dau­er von über 13 Jah­ren erbrach­te und die nach sei­nem Vor­trag einen außer­ge­wöhn­li­chen Auf­wand erfor­der­ten oder beson­de­re Schwie­rig­kei­ten berei­te­ten, Zuschlä­ge zur Regel­ver­gü­tung gewährt hat­ten. Einen wei­te­ren Zuschlag allein wegen der Dau­er des Ver­fah­rens hat­te in der Vor­in­stanz das Land­ge­richt Kas­sel 3 jedoch abge­lehnt mit der Begrün­dung, die Erschwer­nis­se hät­ten bereits bei den übri­gen Zuschlä­gen Berück­sich­ti­gung gefun­den. Als Bei­spie­le hier­für hat es die gewähr­ten Zuschlä­ge wegen der umfang­rei­chen Bear­bei­tung arbeits­recht­li­cher Fra­gen, wegen der Prü­fung einer gro­ßen Zahl von For­de­run­gen und wegen der Bear­bei­tung von Aus- und Abson­de­rungs­rech­ten genannt. Schon wegen des bei­spiel­haf­ten Cha­rak­ters die­ser Auf­zäh­lung kann nicht ange­nom­men wer­den, dass das Beschwer­de­ge­richt es für ent­behr­lich erach­tet hät­te, sämt­li­che vom Ver­wal­ter dar­ge­leg­ten Erschwer­nis­se in sei­ne Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen. Das Land­ge­richt Kas­sel hat den von der Rechts­be­schwer­de ange­führ­ten Vor­trag des Insol­venz­ver­wal­ters zur Fort­füh­rung des Unter­neh­mens der Schuld­ne­rin bis zu der nach etwa einem hal­ben Jahr erfolg­ten über­tra­gen­den Sanie­rung auch nicht über­gan­gen. Es hat dem Ver­wal­ter viel­mehr hier­für eben­falls einen geson­der­ten Zuschlag zuge­bil­ligt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2015 – IX ZB 34/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 06.05.2010 – IX ZB 123/​09, ZIn­sO 2010, 1504 Rn. 7; vom 16.09.2010 – IX ZB 154/​09, WM 2010, 2085 Rn. 7 f; vom 07.10.2010, aaO; vom 12.05.2011 – IX ZB 143/​08, WM 2011, 1426 Rn.20; vom 14.07.2011 – IX ZB 216/​09, nv Rn. 2; vom 24.05.2012 – IX ZB 212/​10, nv Rn. 2[]
  2. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 07.10.2010 – IX ZB 115/​08, ZIn­sO 2010, 2409 Rn. 8; vom 08.11.2012 – IX ZB 139/​10, ZIn­sO 2012, 2305 Rn. 25; vom 10.10.2013 – IX ZB 169/​11, ZIn­sO 2013, 2288 Rn. 4; jeweils mwN[]
  3. LG Kas­sel, Beschluss vom 24.04.2013 – 3 T 403/​12[]