Kün­di­gungs­schutz und die Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Alters­struk­tur im Insol­venz­ver­fah­ren

Die durch § 125 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 InsO im Insol­venz­ver­fah­ren eröff­ne­te Mög­lich­keit der Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur durch Bil­dung von Alters­grup­pen ver­letzt das uni­ons­recht­li­che Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung nicht. Sie ist durch das legi­ti­me Ziel der Sanie­rung eines insol­ven­ten Unter­neh­mens gerecht­fer­tigt.

Kün­di­gungs­schutz und die Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Alters­struk­tur im Insol­venz­ver­fah­ren

Die Arbeits­ge­rich­te haben aber zu prü­fen, ob die Alters­grup­pen­bil­dung im kon­kre­ten Inter­es­sen­aus­gleich gemäß § 10 AGG gerecht­fer­tigt ist. Dabei ist der kün­di­gen­de Insol­venz­ver­wal­ter dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig für die sanie­rungs­be­ding­te Erfor­der­lich­keit der Alters­grup­pen­bil­dung.

In dem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war der 1960 gebo­re­ne Klä­ger bei der Schuld­ne­rin seit 1998 als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter beschäf­tigt. Am 1. April 2011 wur­de über das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zu 1. zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Die­ser schloss am sel­ben Tag mit dem Betriebs­rat einen Inter­es­sen­aus­gleich mit Namens­lis­te, auf der sich auch der Name des Klä­gers befin­det. Die Sozi­al­aus­wahl wur­de nach Alters­grup­pen vor­ge­nom­men. In der von Kün­di­gun­gen aus­ge­nom­me­nen Alters­grup­pe 1 waren alle bis zu 44-jäh­ri­gen Arbeit­neh­mer zusam­men­ge­fasst. Das Durch­schnitts­al­ter aller Arbeit­neh­mer lag bei 51 Jah­ren. Mit Schrei­ben vom 1. April 2011 kün­dig­te der Insol­venz­ver­wal­ter, der Beklag­te zu 1., das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Klä­ger zum 31. Juli 2011. Am 5. April 2011 ging der Betrieb auf die Beklag­te zu 2. über. Mit sei­ner Kla­ge wen­det sich der Klä­ger gegen die Kün­di­gung und ver­langt sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung bei der Beklag­ten zu 2. Er meint, die Sozi­al­aus­wahl sei grob feh­ler­haft.

Sowohl das Arbeits­ge­richt wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg haben die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat nun das Bun­des­ar­beits­ge­richt das Nürn­ber­ger Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Die Dar­le­gun­gen der Beklag­ten las­sen nicht erken­nen, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt, dass die Schaf­fung einer aus­ge­wo­ge­nen Per­so­nal­struk­tur durch die vor­ge­nom­me­ne Alters­grup­pen­bil­dung sanie­rungs­be­dingt erfor­der­lich war. Den Par­tei­en ist Gele­gen­heit zur Ergän­zung ihres Vor­trags zu geben, denn bei einer Sozi­al­aus­wahl ohne Alters­grup­pen­bil­dung wäre die Aus­wahl bezo­gen auf den Klä­ger grob feh­ler­haft.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 19. Dezem­ber 2013 – 6 AZR 790/​12

  1. LAG Nürn­berg, Urteil vom 23.05.2012 – 4 Sa 658/​11[]