Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Nach § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO eine Par­tei kraft Amtes, wie der Insol­venz­ver­wal­ter, auf Antrag Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn die Kos­ten aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen und den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die­se Kos­ten auf­zu­brin­gen.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Dem Insol­venz­ver­wal­ter kann mit­hin Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gewährt wer­den, wenn er nicht dar­legt, dass den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich betei­lig­ten Gläu­bi­gern die (wei­te­re) Auf­brin­gung der dafür erfor­der­li­chen Kos­ten nicht zuzu­mu­ten ist.

Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten sind sol­chen Betei­lig­ten zuzu­mu­ten, wel­che die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und für die der zu erwar­ten­de Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch das Eigen­in­ter­es­se sowie das Ver­fah­rens­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei einem Erfolg der Rechts­ver­fol­gung deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen als Vor­schuss auf­zu­brin­gen­den Kos­ten. Das wie­der­um ist auf der Grund­la­ge einer wer­ten­den Abwä­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls zu ent­schei­den, bei der ins­be­son­de­re die zu erwar­ten­de Ver­bes­se­rung der Quo­te im Fall des Obsie­gens des Ver­wal­ters, das Pro­zess- und das Voll­stre­ckungs­ri­si­ko sowie die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen sind 1.

Wür­den die Gläu­bi­ger selbst bei Annah­me eines Pro­zess- und Voll­stre­ckungs­ri­si­kos von 50 % über die ihnen dann zugu­te kom­men­de Quo­te mehr als das Dop­pel­te der auf­zu­brin­gen­den Kos­ten erhal­ten, erscheint die­se Rela­tio­nen nach den Umstän­den des Fal­les aus­rei­chend, um den Gläu­bi­gern eine Kos­ten­auf­brin­gung zuzu­mu­ten 2.

Ob die Gläu­bi­ge­rin­nen bereit sind, sich an den Ver­fah­rens­kos­ten zu betei­li­gen, ist dem­ge­gen­über für die Beur­tei­lung der Zumut­bar­keit unbe­acht­lich 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2015 – VIII ZR 17/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 03.05.2012 – V ZB 138/​11, NZI 2012, 626 Rn. 8; vom 13.09.2012 – IX ZA 1/​12, ZIn­sO 2012, 2198 Rn. 2; vom 04.12 2012 – II ZA 3/​12, NZI 2013, 82 Rn. 2; vom 09.10.2014 – IX ZA 12/​13, ZIn­sO 2014, 2574 Rn. 2; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2008 – II ZR 211/​08[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 13.09.2012 – IX ZA 1/​12, aaO Rn. 6; vom 04.12 2012 – II ZA 3/​12, aaO Rn. 10; vom 09.10.2014 – IX ZA 12/​13, aaO Rn. 5[]