Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter ‑und der Vor­schuss des Finanz­am­tes

Nach § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO erhält eine Par­tei kraft Amtes auf Antrag Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn die Kos­ten aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen und den am Gegen­stand des Rechts­streits Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten auf­zu­brin­gen.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter ‑und der Vor­schuss des Finanz­am­tes

Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten sind sol­chen Betei­lig­ten zuzu­mu­ten, wel­che die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und für die der zu erwar­ten­de Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch das Eigen­in­ter­es­se sowie das Ver­fah­rens­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei dem Erfolg der Rechts­ver­fol­gung deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen als Vor­schuss auf­zu­brin­gen­den Kos­ten.

Bei die­ser wer­ten­den Abwä­gung sind ins­be­son­de­re eine zu erwar­ten­de Quo­ten­ver­bes­se­rung im Fal­le des Obsie­gens, das Ver­fah­rens- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko und die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen [1].

Nicht zuzu­mu­ten ist ein Kos­ten­vor­schuss aller­dings den Arbeit­neh­mern und den Trä­gern der Sozi­al­ver­si­che­rung [2], wohl aber dem Finanz­amt [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Novem­ber 2014 – IX ZR 52/​14

  1. BGH, Beschluss vom 13.09.2012 – IX ZA 1/​12, ZIn­sO 2012, 2198 Rn. 2; vom 04.12 2012 – II ZA 3/​12, NZI 2013, 82 Rn. 2; vom 26.09.2013 – IX ZB 247/​11, WM 2013, 2025, Rn. 12; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.09.1990 – IX ZR 250/​89, NJW 1991, 40, 41; vom 08.10.1992 – – VII ZB 3/​92, BGHZ 119, 372, 378[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.09.1999 – VII ZA 3/​99, NZI 1999, 450[]