Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten

Zah­lun­gen auf die Pro­zess­kos­ten sind den wirt­schaft­lich Betei­lig­ten zuzu­mu­ten, wel­che die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und für die der zu erwar­ten­de Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch das Eigen­in­ter­es­se sowie das Pro­zess­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei einem Erfolg der beab­sich­tig­ten Rechts­ver­fol­gung deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen als Vor­schuss auf­zu­brin­gen­den Kos­ten.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten

Bei die­ser wer­ten­den Abwä­gung sind ins­be­son­de­re eine zu erwar­ten­de Quo­ten­ver­bes­se­rung im Fal­le des Obsie­gens, das Pro­zess- und Voll­stre­ckungs­ri­si­ko und die Gläu­bi­ger­struk­tur zu berück­sich­ti­gen [1].

Das Erfor­der­nis der Unzu­mut­bar­keit der Kos­ten­auf­brin­gung durch wirt­schaft­lich Betei­lig­te im Rah­men des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO gilt auch für den Steu­er­fis­kus [2]. Unbe­acht­lich ist, ob der jewei­li­ge Betei­lig­te bereit ist, sich an den ent­ste­hen­den Kos­ten zu betei­li­gen [3].

Nach die­sen Grund­sät­zen war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall jeden­falls dem Finanz­amt O. die Auf­brin­gung der Ver­fah­rens­kos­ten zumut­bar. Die Betei­li­gung die­ses Gläu­bi­gers an den ins­ge­samt ange­mel­de­ten und nicht nur für den Aus­fall aner­kann­ten For­de­run­gen beträgt unter Berück­sich­ti­gung der zurück­ge­nom­me­nen Anmel­dun­gen rund 83 v.H. Aus­ge­hend von dem Streit­wert, den die Instanz­ge­rich­te fest­ge­setzt haben, beträgt der wirt­schaft­li­che Nut­zen des beab­sich­tig­ten Rechts­mit­tels für die Mas­se im Erfolgs­fall 100.000 €. Wenn davon nur 50.000 € zur Ver­tei­lung an die Insol­venz­gläu­bi­ger gelan­gen, ent­fal­len auf den Gläu­bi­ger zu 41.500 €. Dies ist mehr als das Sechs­fa­che der Kos­ten der beab­sich­tig­ten Rechts­ver­fol­gung, die ledig­lich 6.189, 51 € betra­gen [2, 0 Gerichts­ge­bühr und 2, 3 Rechts­an­walts­ge­bühr zuzüg­lich Aus­la­gen­pau­scha­le und Umsatz­steu­er].

Nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs [4] ist bei der Anwen­dung des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO zu Las­ten des Insol­venz­ver­wal­ters davon aus­zu­ge­hen, dass auch die Aus­fall­gläu­bi­ger zu den Kos­ten der beab­sich­tig­ten Rechts­ver­fol­gung her­an­zu­zie­hen sind. Dies soll gel­ten, solan­ge der Ver­wal­ter nicht dar­ge­tan hat, dass die­se Gläu­bi­ger auch ohne die Rechts­ver­fol­gung – schon auf­grund ihres Abson­de­rungs­rechts – mit einer weit­ge­hen­den Befrie­di­gung ihrer Ansprü­che rech­nen kön­nen und des­halb wirt­schaft­lich nicht in erheb­li­chem Maße an einem Erfolg der Rechts­ver­fol­gung teil­ha­ben wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2014 – IX ZA 35/​14

  1. BGH, Beschluss vom 03.05.2012 – V ZB 138/​11, NZI 2012, 626 Rn. 8; vom 13.09.2012 – IX ZA 1/​12, ZIn­sO 2012, 2198 Rn. 2; vom 21.11.2013 – IX ZA 20/​13, ZIn­sO 2014, 79 Rn. 3; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 19.07.2007 – IX ZR 77/​06, nv mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.09.2012, aaO Rn. 6 mwN; vom 21.11.2013, aaO Rn. 4[]
  4. BGH, Beschluss vom 03.05.2012, aaO Rn. 16 ff[]