Rest­schuld­be­frei­ung – und der Streit um die Antrags­rück­nah­me

In der Insol­venz­ord­nung ist nicht aus­drück­lich gere­gelt, ob der Schuld­ner sei­nen Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung zurück­neh­men kann und in wel­chem Ver­fah­ren gege­be­nen­falls über die Zuläs­sig­keit und Wirk­sam­keit der Rück­nah­me zu ent­schei­den ist.

Rest­schuld­be­frei­ung – und der Streit um die Antrags­rück­nah­me

Dies schließt nach in Recht­spre­chung und Schrift­tum ein­hel­lig ver­tre­te­ner Mei­nung die Rück­nah­me des Antrags eines Gläu­bi­gers auf Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung aber nicht aus 1. Auch eine Rück­nah­me des Antrags auf Rest­schuld­be­frei­ung durch den Schuld­ner ist grund­sätz­lich mög­lich 2.

Auf die Rück­nah­me des Antrags auf Rest­schuld­be­frei­ung fin­den über die Ver­wei­sung des § 4 InsO die Vor­schrif­ten über die Rück­nah­me der Kla­ge in § 269 ZPO ent­spre­chen­de Anwen­dung 3.

Steht die Wirk­sam­keit der Rück­nah­me im Streit, kann hier­über durch Beschluss ent­schie­den wer­den 4.

Gemäß § 269 Abs. 5 Satz 1 ZPO fin­det gegen einen Beschluss, mit dem das Gericht über die Wir­kun­gen der Rück­nah­me der Kla­ge ent­schie­den hat, die sofor­ti­ge Beschwer­de statt.

Ent­spre­chend die­sen Grund­sät­zen ist im Insol­venz­ver­fah­ren die sofor­ti­ge Beschwer­de gegen einen Beschluss zuläs­sig, mit dem das Insol­venz­ge­richt über die Zuläs­sig­keit oder Wirk­sam­keit der Rück­nah­me des Antrags auf Rest­schuld­be­frei­ung ent­schie­den hat.

Soweit das Insol­venz­ge­richt – wie im vor­lie­gen­den Fall – über die Zuläs­sig­keit der Rück­nah­me von Amts wegen und nicht gemäß dem Wort­laut des § 269 Abs. 4 Satz 1 ZPO nur auf Antrag ent­schie­den hat, führt dies nicht zur Unzu­läs­sig­keit der Beschwer­de. Andern­falls wäre der Schuld­ner in dem Ver­fah­ren recht­los gestellt.

Glei­ches wür­de für die sofor­ti­ge Beschwer­de eines Gläu­bi­gers gel­ten, wenn das Insol­venz­ge­richt die Antrags­rück­nah­me des Schuld­ners für wirk­sam hält, obwohl es auf Antrag des Gläu­bi­gers bereits die Rest­schuld­be­frei­ung ver­sagt hat.

Gegen die Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts fin­det die Rechts­be­schwer­de nach den all­ge­mei­nen Regeln der Zivil­pro­zess­ord­nung statt, sofern sie das Beschwer­de­ge­richt – wie hier – zuge­las­sen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2016 – IX ZB 50/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 15.07.2010 – IX ZB 269/​09, ZIn­sO 2010, 1495 Rn. 4 ff; LG Dres­den, ZIn­sO 2007, 557; AG Göt­tin­gen, NZI 2016, 174[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.2005 – IX ZB 214/​04, ZIn­sO 2005, 597, 598; vom 12.05.2011 – IX ZB 221/​09, ZIn­sO 2011, 1127 Rn. 7; vom 20.03.2014 – IX ZB 17/​13, ZIn­sO 2014, 795 Rn. 8; vom 18.12 2014 – IX ZB 22/​13, ZIn­sO 2015, 499 Rn. 7; LG Frei­burg, ZIn­sO 2003, 1106; Häse­mey­er, Insol­venz­recht, 4. Aufl., Rn. 26.16; Fischer in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, Insol­venz­recht, 2. Aufl., § 287 Rn. 10; FK-InsO/Ah­rens, 8. Aufl., § 287 Rn. 92 ff; Hmb­Komm-InsO/S­treck, 5. Aufl., § 287 Rn. 6; HK-InsO/­Wal­ten­ber­ger, 8. Aufl., § 287 Rn. 30; Münch­Komm-InsO/S­te­phan, 3. Aufl., § 287 Rn. 33a; Pape in Pape/​Uhländer, InsO, § 287 Rn.19; Schmidt/​Henning, InsO, 19. Aufl., § 287 Rn. 18; Uhlenbruck/​Sternal, InsO, 14. Aufl., § 287 Rn. 28 ff; Wen­zel in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2014, § 287 Rn. 3; Fuchs, ZIn­sO 2002, 298, 306 f mwN; ein­schrän­kend Hack­län­der, ZIn­sO 2008, 1308, 1314 f[]
  3. LG Frei­burg, aaO; Hmb­Komm-InsO/S­treck, aaO; Uhlenbruck/​Sternal, aaO; für den Fall der Rück­nah­me des Antrags eines Gläu­bi­gers auf Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung vgl. BGH, Beschluss vom 15.07.2010, aaO; LG Dres­den, aaO; AG Göt­tin­gen, aaO[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 19.10.1977 – VIII ZB 23/​77, NJW 1978, 1585; vom 22.06.1993 – X ZR 25/​86, NJW-RR 1993, 1470; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, 6. Aufl., § 269 Rn. 44; Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hard, 5. Aufl., § 269 Rn. 35 f; Musielak/​Voit/​Foerste, ZPO, 13. Aufl., § 269 Rn. 17[]