Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung – und die in der Wohl­ver­hal­tens­pha­se ange­fal­le­ne Todes­fall­leis­tung

Nach § 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO ist eine Nach­trags­ver­tei­lung anzu­ord­nen, wenn nach dem Schluss­ter­min Gegen­stän­de der Mas­se ermit­telt wer­den. Dies gilt auch für das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren 1.

Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung – und die in der Wohl­ver­hal­tens­pha­se ange­fal­le­ne Todes­fall­leis­tung

Bei dem wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pha­se ent­stan­de­nen Anspruch auf die Todes­fall­leis­tung aus der von der Schuld­ne­rin abge­schlos­se­nen Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung han­delt es sich um einen Gegen­stand der (frü­he­ren) Insol­venz­mas­se.

Auf­schie­bend bedingt durch den Ein­tritt des ver­si­cher­ten Todes­falls 2 war der Anspruch schon begrün­det, bevor das Insol­venz­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben wur­de. Der Schuld­ne­rin stand daher noch wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens ein Anwart­schafts­recht zu, das zur Mas­se gehör­te 3. Dass der Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls unge­wiss war und die auf­schie­ben­de Bedin­gung durch den Ablauf der Ver­si­che­rung auch hät­te aus­fal­len kön­nen, ent­spricht gera­de dem Wesen der Bedin­gung und ver­mag das Anwart­schafts­recht des­halb ent­ge­gen der Ansicht der Rechts­be­schwer­de nicht in Fra­ge zu stel­len. Mit der Ent­ste­hung des Anwart­schafts­rechts war der nach insol­venz­recht­li­chen Grund­sät­zen maß­geb­li­che Rechts­grund für den Anspruch gelegt 4.

Tritt die auf­schie­ben­de Bedin­gung für die Ent­ste­hung des Anspruchs auf die Todes­fall­leis­tung aus einer Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung erst nach Been­di­gung des Insol­venz­ver­fah­rens ein, ist aller­dings grund­sätz­lich zu berück­sich­ti­gen, dass die Leis­tung in vol­ler Höhe nur erlöst wer­den kann, wenn die Anwart­schaft durch For­tent­rich­tung der geschul­de­ten Bei­trä­ge auch nach Ver­fah­rens­be­en­di­gung auf­recht­erhal­ten wor­den ist. Zur Nach­trags­ver­tei­lung kann nur gelan­gen, was ohne wei­te­re Bei­trags­zah­lun­gen, also im Fal­le einer gedach­ten Bei­trags­frei­stel­lung der Ver­si­che­rung im Zeit­punkt der (vor­läu­fi­gen) Been­di­gung des Insol­venz­be­schlags, gezahlt wor­den wäre. Liegt ein Fall vor, in dem die Bei­trags­frei­stel­lung an einer ver­si­che­rungs­ver­trag­lich erfor­der­li­chen, min­des­tens ver­blei­ben­den Ver­si­che­rungs­sum­me geschei­tert wäre, steht der spä­ter ent­ste­hen­de Anspruch dem Schuld­ner zu, abzüg­lich eines bedin­gungs­ge­mäß etwaig geschul­de­ten Rück­kaufs­werts. Im Streit­fall stellt sich die­se Fra­ge indes nicht, weil auf­grund der bereits zum 1.01.2010 ein­ge­tre­te­nen Berufs­un­fä­hig­keit des Ehe­manns der Schuld­ne­rin deren Ver­pflich­tung zur Bei­trags­zah­lung ent­fal­len war.

Der Anspruch unter­liegt auch (voll­stän­dig) der Zwangs­voll­stre­ckung (§ 36 InsO). Zwar sind Ansprü­che aus einer nur auf den Todes­fall abge­schlos­se­nen Lebens­ver­si­che­rung, auch wenn die Ver­si­che­rungs­sum­me 3.579 € über­steigt, nach § 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO inso­weit unpfänd­bar, als sie sich auf der Grund­la­ge einer die­sen Betrag nicht über­stei­gen­den Ver­si­che­rungs­sum­me erge­ben 5. Die Vor­schrift fin­det jedoch nur Anwen­dung, wenn die Ver­si­che­rung auf den Todes­fall des Schuld­ners als Ver­si­che­rungs­neh­mer abge­schlos­sen ist 6.

Schließ­lich gilt der Anspruch auf die Todes­fall­leis­tung auch als nach dem Schluss­ter­min ermit­telt. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der auf­schie­bend beding­te Anspruch dem Treu­hän­der wäh­rend des Insol­venz­ver­fah­rens bereits bekannt war. Unter die weit aus­zu­le­gen­de Bestim­mung des § 203 Abs. 1 Nr. 3 InsO fal­len auch For­de­run­gen, die dem Ver­wal­ter bekannt waren, die aber von ihm noch nicht ver­wer­tet wer­den konn­ten 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Dezem­ber 2014 – IX ZB 50/​13

  1. BGH, Beschluss vom 02.12 2010 – IX ZB 184/​09, WM 2011, 79 Rn. 5; vom 22.05.2014 – IX ZB 72/​12, WM 2014, 1141 Rn. 9[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 28.04.2010 – IV ZR 73/​08, VersR 2010, 895 Rn. 35, 39[]
  3. BGH, Beschluss vom 09.10.2014 – IX ZA 20/​14, WM 2014, 2235 Rn. 7 mwN; vgl. auch Münch­Komm-BGB/Wes­ter­mann, 6. Aufl., § 161 Rn. 2 ff; Palandt/​Ellenberger, BGB, 74. Aufl., Einf v § 158 Rn. 9[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2006 – IX ZB 239/​04, ZIP 2006, 340 Rn. 15; für den Steu­er­erstat­tungs­an­spruch; Jaeger/​Henckel, InsO, § 35 Rn. 40, 90; Münch­Komm-InsO/­Pe­ters, 3. Aufl., § 35 Rn. 68[]
  5. BGH, Beschluss vom 12.12 2007 – VII ZB 47/​07, NJW-RR 2008, 412[]
  6. BGH, Beschluss vom 19.03.2009 – IX ZA 2/​09, ZIn­sO 2009, 915 Rn. 5[]
  7. BGH, Beschluss vom 09.10.2014, aaO Rn. 8 mwN[]