Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Son­der­insol­venz­ver­wal­tung

Die Son­der­insol­venz­ver­wal­tung zur Prü­fung von Gesamt­scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Insol­venz­ver­wal­ter kann ange­ord­net wer­den, wenn tat­säch­lich und recht­lich begrün­de­te Anhalts­punk­te für das Vor­lie­gen von Gesamt­scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Insol­venz­ver­wal­ter gege­ben sind, sofern der Erfolg des Insol­venz­ver­fah­rens durch die Son­der­insol­venz­ver­wal­tung nicht beein­träch­tigt wird.

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen den Insol­venz­ver­wal­ter – und die Son­der­insol­venz­ver­wal­tung

Ein Son­der­insol­venz­ver­wal­ter ist zu bestel­len, wenn und soweit der Insol­venz­ver­wal­ter aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den sei­ne Auf­ga­ben nicht wahr­neh­men kann [1]. Eine sol­che Ver­hin­de­rung des Ver­wal­ters ist wegen der in sei­ner Per­son bestehen­den Inter­es­sen­kol­li­si­on gege­ben, sofern Scha­dens­er­satz­an­sprü­che der Mas­se gegen ihn selbst gel­tend gemacht wer­den sol­len. Zur Durch­set­zung der­ar­ti­ger Ansprü­che ist ein Son­der­insol­venz­ver­wal­ter ein­zu­set­zen [2], wenn der Insol­venz­ver­wal­ter nicht ent­las­sen und ein neu­er Insol­venz­ver­wal­ter bestellt wird. Dem Insol­venz­ge­richt obliegt hier­bei ins­be­son­de­re die Prü­fung, ob gegen den Insol­venz­ver­wal­ter Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gel­tend gemacht wer­den sol­len und ob sol­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che bestehen kön­nen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat noch nicht ent­schie­den, ob das Insol­venz­ge­richt sich davon über­zeu­gen muss, dass sol­che Ansprü­che tat­säch­lich bestehen [3], ob sie glaub­haft gemacht sein müs­sen, ob sie sich schlüs­sig aus der Akte erge­ben müs­sen oder ob es aus­reicht, dass sol­che Scha­dens­er­satz­an­sprü­che mög­lich [4], nahe­lie­gend [5], nicht fern­lie­gend [6], nicht völ­lig fern­lie­gend [7] oder sie nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen [8] sind.

Rich­ti­ger­wei­se muss sich das Insol­venz­ge­richt hier­von nicht vor­ab über­zeu­gen, will es die Son­der­insol­venz­ver­wal­tung zur Prü­fung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Insol­venz­ver­wal­ter anord­nen. Dies näh­me die Auf­ga­be des Son­der­insol­venz­ver­wal­ters vor­weg. Im Übri­gen hat allein das Pro­zess­ge­richt, wenn es denn ange­ru­fen wird, über die Haf­tung des Insol­venz­ver­wal­ters zu ent­schei­den [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2016 – IX ZB 58/​15

  1. BGH, Beschluss vom 02.03.2006 – IX ZB 225/​04, NZI 2006, 474 Rn. 11[]
  2. BGH, Urteil vom 08.05.2008 – IX ZR 54/​07, NZI 2008, 491 Rn. 16[]
  3. vgl. für den Fall, dass der Insol­venz­ver­wal­ter sol­che Ansprü­che bestrei­tet und plau­si­bel einen ande­ren Tat­sa­chen­ver­lauf dar­stellt als die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung: Fre­ge, Der Son­der­insol­venz­ver­wal­ter, 2008, Rn. 218[]
  4. HK-InsO/­Schmidt, InsO, 8. Aufl. § 92 Rn. 52; Jaeger/​Müller, InsO, § 92 Rn. 44; Schmidt, InsO, 19. Aufl., § 92 Rn. 23[]
  5. Schmidt/​Ries, aaO, § 56 Rn. 67: nahe­lie­gen­de Befürch­tung[]
  6. AG Göt­tin­gen, ZIP 2006, 629, 630; Wittkowski/​Kruth in Nerlich/​Römermann, InsO, 2012, § 92 Rn. 18; Hmb­Komm-InsO/F­rind, 5. Aufl., § 56 Rn. 42[]
  7. OLG Mün­chen, ZIP 1987, 656, 657; AG Hom­burg, ZIn­sO 2008, 1146; AG Char­lot­ten­burg, ZIP 2015, 1497, 1498; Hmb­Komm-InsO/Pohl­mann, aaO, § 92 Rn. 56; Münch­Komm-InsO/­Gra­eber, 3. Aufl., § 56 Rn. 156[]
  8. OLG Mün­chen, ZIP 1987, 656, 657; Lüke in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO, 2009, § 56 Rn. 77b[]
  9. vgl. Graeber/​Pape, ZIP 2007, 991, 993 f[]