Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die mut­wil­li­ge Anfech­tungs­kla­ge

Der Insol­venz­ver­wal­ter als Par­tei kraft Amtes erhält auf Antrag Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn die Kos­ten des Rechts­streits aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen und den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten auf­zu­brin­gen (§ 116 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO).

Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter – und die mut­wil­li­ge Anfech­tungs­kla­ge

Dies gilt über die Ver­wei­sungs­vor­schrift des § 76 Abs. 1 FamFG auch für die Bewil­li­gung von Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe in einer sons­ti­gen Fami­li­en­sa­che im Sin­ne des § 266 Abs. 1 FamFG, in wel­cher der Insol­venz­ver­wal­ter Betei­lig­ter ist.

Wie jede ande­re Par­tei auch kann der Insol­venz­ver­wal­ter aller­dings nur dann Pro­zess­kos­ten­hil­fe oder Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe in Anspruch neh­men, wenn sei­ne Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung nicht mut­wil­lig ist.

Wür­de eine ver­mö­gen­de Par­tei, die für die Kos­ten selbst auf­kom­men müss­te, auf die ent­spre­chen­de Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung ver­nünf­ti­ger­wei­se auch dann ver­zich­ten, wenn die­se Rechts­ver­fol­gung oder ver­tei­di­gung für sich gese­hen Erfolg ver­spre­chend wäre, ist auch dem Insol­venz­ver­wal­ter Prozess/​Verfahrenskostenhilfe zu ver­sa­gen 1.

Wür­de eine ver­mö­gen­de Par­tei, die für die Kos­ten selbst auf­kom­men müss­te, auf die ent­spre­chen­de Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung ver­nünf­ti­ger­wei­se auch dann ver­zich­ten, wenn die­se Rechts­ver­fol­gung oder ver­tei­di­gung für sich gese­hen Erfolg ver­spre­chend wäre, ist auch dem Insol­venz­ver­wal­ter Prozess/​Verfahrenskostenhilfe zu ver­sa­gen 1.

Ist die Durch­set­zung des mit der beab­sich­tig­ten Anfech­tungs­kla­ge ver­folg­ten Anspruchs jedoch nicht dazu geeig­net, die ein­ge­tre­te­ne Mas­se­kos­ten­ar­mut zu behe­ben, muss dem Insol­venz­ver­wal­ter in Fäl­len der Mas­se­kos­ten­ar­mut Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­sagt wer­den 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: An der vom Insol­venz­ver­wal­ter mit Schrift­satz vom 23.05.2014 dar­ge­leg­ten Unzu­läng­lich­keit der Insol­venz­mas­se, die der­zeit einen Fehl­be­stand von 2.553, 56 € auf­weist, wür­de sich auch dann nichts ändern, wenn der Bun­des­ge­richts­hof zu dem Ergeb­nis käme, dass ent­ge­gen der Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts die Pfän­dungs­be­schrän­kung des § 852 Abs. 2 ZPO nicht auf die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs auf Rück­über­tra­gung des Grund­stücks ent­spre­chend anzu­wen­den ist. Denn die Insol­venz­mas­se wäre nicht in der Lage, den Rück­for­de­rungs­an­spruch durch­zu­set­zen. Die­ser wäre nach den Fest­stel­lun­gen des Fami­li­en­ge­richts nur Zugum-Zug gegen Zah­lung von 37.291, 71 € zu erfül­len, die von der Insol­venz­mas­se, die nach der Dar­stel­lung des Antrag­stel­lers über kei­ne Bar­mit­tel ver­fügt, nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2015 – IX ZB 82/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 06.07.2010 – VI ZB 31/​08, NJW 2010, 3522 Rn. 6; Münch­Komm-ZPO/­Mot­zer, 4. Aufl., § 144 Rn. 86; Musielak/​Voit/​Fischer, ZPO, 12. Aufl. § 114 Rn. 30; Zöller/​Geimer, ZPO, 31. Aufl., § 114 Rn. 30[][]
  2. BGH, Beschluss vom 22.11.2012 – IX ZB 62/​12, ZIn­sO 2013, 249 Rn. 10; vom 17.04.2013 – IX ZB 63/​12, Rn. 6[]