Vor­steu­er­ab­zug aus der Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung – und ihre Berück­sich­ti­gung bei der Insol­venz­mas­se

Eine zu erwar­ten­de Umsatz­steu­er­erstat­tung an die Insol­venz­mas­se wegen des Vor­steu­er­ab­zugs hin­sicht­lich der fest­zu­set­zen­den Ver­gü­tung des Ver­wal­ters ist im Vor­aus bei der Berech­nungs­grund­la­ge für die Ver­gü­tung des Ver­wal­ters nur in der Höhe zu berück­sich­ti­gen, die sich aus der ohne Vor­steu­er­erstat­tung berech­ne­ten Ver­gü­tung ergibt.

Vor­steu­er­ab­zug aus der Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung – und ihre Berück­sich­ti­gung bei der Insol­venz­mas­se

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kön­nen Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che der Mas­se, die nach der Ein­rei­chung der Schluss­rech­nung mit Sicher­heit zu erwar­ten sind, in die Berech­nungs­grund­la­ge der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters ein­be­zo­gen wer­den. Grund­la­ge für die Berech­nung der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters ist gemäß § 63 Abs. 1 Satz 2 InsO der Wert der Insol­venz­mas­se bei Been­di­gung des Ver­fah­rens. Ein­nah­men der Mas­se, die noch nicht fest­ste­hen, kön­nen grund­sätz­lich noch nicht Grund­la­ge der Ver­gü­tungs­fest­set­zung des Ver­wal­ters sein. Steht aber ein spä­te­rer Mas­se­zu­fluss bei Ein­rei­chung der Schluss­rech­nung schon mit Sicher­heit fest, ist die­ser bereits bei der Schluss­rech­nung und der hier­auf gestütz­ten Ver­gü­tungs­fest­set­zung zu berück­sich­ti­gen. Dies gilt auch für den Anspruch der Mas­se auf Vor­steu­er­ver­gü­tung nach § 15 UStG wegen der Beträ­ge, die von der Mas­se nach § 7 Ins­VV an den Ver­wal­ter für die von ihm abzu­füh­ren­de Umsatz­steu­er zu zah­len sind. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass die Erstat­tungs­be­trä­ge tat­säch­lich an die Mas­se aus­be­zahlt wer­den und daher die Mas­se erhö­hen 1.

Bezieht man in die Berech­nungs­grund­la­ge der Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters die zu erwar­ten­de Vor­steu­er­erstat­tung in Höhe der Umsatz­steu­er ein, die auf sei­ne ohne Vor­steu­er­erstat­tung berech­ne­te Ver­gü­tung zu zah­len ist, ergibt sich eine höhe­re Ver­gü­tung. Dies führt zu einer ent­spre­chend höhe­ren Umsatz­steu­er und die­se wie­der­um zu einem erhöh­ten Betrag an Vor­steu­er­erstat­tung. Berück­sich­tigt man die­se Erhö­hung erneut bei der Berech­nungs­grund­la­ge der Ver­wal­ter­ver­gü­tung, setzt sich die wech­sel­wei­se Erhö­hung von Umsatz­steu­er, Vor­steu­er­erstat­tung und Ver­wal­ter­ver­gü­tung fort. Die jewei­li­ge Erhö­hung ver­rin­gert sich aber mit jedem Rechen­schritt und bewegt sich letzt­lich gegen Null 2. Bei wel­chem Betrag es prak­tisch zur Deckung kommt, kann aller­dings nur in meh­re­ren Rechen­schrit­ten ermit­telt wer­den. Ob die­se, von der Rechts­be­schwer­de befür­wor­te­te Berech­nungs­wei­se der ein­zu­be­zie­hen­den Vor­steu­er­erstat­tung anzu­wen­den ist, hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­her nicht ent­schie­den.

Die Fra­ge ist dahin zu beant­wor­ten, dass nur der­je­ni­ge Vor­steu­er­be­trag in die Berech­nungs­grund­la­ge ein­zu­be­zie­hen ist, der sich nach der ohne eine Vor­steu­er­erstat­tung ermit­tel­ten Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters bemisst 3. Zwar kann und muss der Insol­venz­ver­wal­ter den Vor­steu­er­be­trag, der sich aus der so (unter Ein­be­zie­hung der "ers­ten" Vor­steu­er­erstat­tung) ermit­tel­ten Ver­gü­tung und der von ihm ent­spre­chend aus­zu­stel­len­den Rech­nung 4 ergibt, für die Mas­se beim Finanz­amt gel­tend machen. Kommt es zu einer Vor­steu­er­erstat­tung, dann stellt dies einen nach­träg­li­chen Mas­se­zu­fluss dar, der grund­sätz­lich erneut bei der Berech­nungs­grund­la­ge berück­sich­tigt wer­den und zu einer wei­te­ren Erhö­hung der Ver­gü­tung füh­ren kann. Im Vor­aus kön­nen sol­che mög­li­che spä­te­re Erstat­tun­gen jedoch nicht in die Berech­nungs­grund­la­ge der Ver­wal­ter­ver­gü­tung ein­be­zo­gen wer­den, weil nicht sicher ist, dass sie tat­säch­lich erfol­gen. Zwei­fel bestehen des­we­gen, weil die spä­te­ren Erstat­tungs­an­trä­ge eine Berich­ti­gung des ursprüng­lich gel­tend gemach­ten Vor­steu­er­ab­zugs zum Gegen­stand hät­ten, deren Ursa­che allein dar­in läge, dass sich durch die vor­an­ge­gan­ge­ne, die­sel­be Leis­tung betref­fen­de Vor­steu­er­erstat­tung die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters und damit die Grund­la­ge für die Bemes­sung der Vor­steu­er änder­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2015 – IX ZB 9/​13

  1. BGH, Beschluss vom 25.10.2007 – IX ZB 147/​06, ZIP 2008, 81 Rn. 6 mwN; vom 17.07.2008 – IX ZB 150/​07, nv Rn. 6; vom 01.07.2010 – IX ZB 66/​09, ZIn­sO 2010, 1503 Rn. 5; vom 10.03.2011 – IX ZB 210/​09, ZIn­sO 2011, 791 Rn. 5; vom 06.10.2011 – IX ZB 12/​11, WM 2011, 2107 Rn. 8; vgl. auch Beschluss vom 19.12 2013 – IX ZB 9/​12, WM 2014, 323 Rn. 8[]
  2. vgl. Onus­seit, ZIn­sO 2009, 2285, 2286[]
  3. so auch LG Stral­sund, ZIn­sO 2007, 1045; Münch-Komm-InsO/­Rie­del, 3. Aufl., § 8 Ins­VV Rn. 25; Kel­ler, Ver­gü­tung und Kos­ten im Insol­venz­ver­fah­ren, 3. Aufl., Rn. 166[]
  4. vgl. BFH, ZIP 2013, 325, 326[]