Zah­lun­gen an den Gerichts­voll­zie­her – und die Insol­venz­an­fech­tung wegen inkon­gru­en­ter Deckung

Inkon­gru­ent ist eine Befrie­di­gung oder Siche­rung, die nicht frü­her als drei Mona­te vor Antrag­stel­lung im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung oder unter dem Druck unmit­tel­bar bevor­ste­hen­der Zwangs­voll­stre­ckung erlangt wur­de 1.

Zah­lun­gen an den Gerichts­voll­zie­her – und die Insol­venz­an­fech­tung wegen inkon­gru­en­ter Deckung

Auf die ange­foch­te­nen Zah­lun­gen an den Gerichts­voll­zie­her trifft das zu:

  • Die Zah­lun­gen im Monat vor der Insol­venz­an­trag­stel­lung und danach sind gemäß § 131 Abs. 1 Nr. 1 InsO anfecht­bar.
  • Die Zah­lun­gen im zwei­ten und drit­ten Monat vor Antrag­stel­lung sind gemäß § 131 Abs. 1 Nr. 2 InsO anfecht­bar.

Dabei kann aus der Nicht­ab­füh­rung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen in Höhe von fast 10.000 € auf die Zah­lungs­ein­stel­lung des Schuld­ners geschlos­sen wer­den 2 und aus die­ser auf die Zah­lungs­un­fä­hig­keit (§ 17 Abs. 2 Satz 2 InsO).

Für den gel­tend gemach­ten Anspruch gilt die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren gemäß § 195 BGB. Der Ver­jäh­rungs­be­ginn bestimmt sich nach § 199 Abs. 1 BGB. Der Anfech­tungs­an­spruch ist mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens ent­stan­den. Hat der Insol­venz­ver­wal­ter von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners noch im Jahr der Insol­venz­eröff­nung Kennt­nis erlangt oder hät­te er die­se erlan­gen müs­sen 3, läuft die Ver­jäh­rungs­frist zum Ende des Jah­res der Insol­venz­eröff­nung an.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2019 – IX ZR 262/​18

  1. BGH, Urteil vom 10.02.2005 – IX ZR 211/​02, BGHZ 162, 143, 149; Beschluss vom 24.05.2012 – IX ZR 96/​11, NZI 2012, 561 Rn. 2[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.06.2006 – IX ZB 238/​05, ZIn­sO 2006, 827 Rn. 6; Urteil vom 12.10.2006 – IX ZR 228/​03, ZIn­sO 2006, 1210 Rn. 24[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 30.04.2015 – IX ZR 1/​13, ZIn­sO 2015, 1323 Rn. 6 f, 10 mwN[]