Voll­stre­ckungs­auf­trag – und die Gerichts­voll­zie­her­ge­bühr für den Ver­such einer güt­li­chen Eini­gung

Die Gebühr nach Zif­fer 207 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses zum Gerichts­voll­zie­her­kos­ten­ge­setz fällt bereits dann nicht an, wenn der Gerichts­voll­zie­her ent­we­der mit der Sach­pfän­dung oder mit der Abnah­me der Ver­mö­gens­aus­kunft beauf­tragt ist.

Voll­stre­ckungs­auf­trag – und die Gerichts­voll­zie­her­ge­bühr für den Ver­such einer güt­li­chen Eini­gung

Zwar ist der Gebüh­ren­tat­be­stand an sich erfüllt, weil hier­für – wie der Wort­laut der Norm zeigt – der Ver­such einer güt­li­chen Eini­gung genügt, es also aus­reicht, dass der Gerichts­voll­zie­her sich erfolg­los bemüht, mit der Schuld­ne­rin mit dem Ziel der Eini­gung Kon­takt auf­zu­neh­men. Die Gebühr ist aber nach der Nach­be­mer­kung zu KV 207 nicht ange­fal­len, weil der Gerichts­voll­zie­her "gleich­zei­tig mit einer auf eine Maß­nah­me nach § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und 4 ZPO gerich­te­ten Amts­hand­lung beauf­tragt" wor­den ist.

In Recht­spre­chung und Schrift­tum wird unter­schied­lich beur­teilt, ob schon ein Auf­trag nach Nr. 2 oder Nr. 4 den Anfall der Gebühr nach KV 207 aus­schließt oder dafür bei­de Amts­hand­lun­gen nach­ge­sucht wer­den müs­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt schließt sich der erst­ge­nann­ten Auf­fas­sung an.

Der Wort­laut der Vor­schrift und der Grund­satz der engen Aus­le­gung von Aus­nah­me­be­stim­mun­gen könn­ten aller­dings – wor­auf sich etwa das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf1 beru­fen – eher dafür spre­chen, den in der Nach­be­mer­kung genann­ten Tat­be­stand nur dann ein­grei­fen zu las­sen, wenn bei­de mit "und" ver­knüpf­ten Bedin­gun­gen erfüllt sind. Der sprach­li­che Befund ist aller­dings nicht ein­deu­tig, weil – wie das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart zu Recht aus­führt2 – in der Nach­be­mer­kung jeweils im Sin­gu­lar von einer "Maß­nah­me" oder "Amts­hand­lung" die Rede ist, was dafür spricht, dass der Gesetz­ge­ber es für aus­rei­chend erach­tet hat, dass eine ande­re Amts­hand­lung in Auf­trag gege­ben wor­den ist.

Auch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en3 sind, wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf4 zu Recht her­vor­hebt, nicht ganz ein­deu­tig. In der Begrün­dung zu Zif­fer 207 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses wird – wie im Geset­zes­text selbst – im zwei­ten Absatz das Wort "und" als Ver­bin­dung zwi­schen den Zif­fern 2 und 4 des § 802a Abs. 2 S. 1 ZPO gebraucht. Ent­schei­dend für die Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen spricht aber, dass als Recht­fer­ti­gung für den Gebüh­ren­tat­be­stand ange­führt wird, dass der Gerichts­voll­zie­her ohne die­sen für einen erfolg­lo­sen Güte­ver­such über­haupt kei­ne Gebühr erhal­ten wür­de, wenn er "iso­liert mit dem Ver­such einer güt­li­chen Eini­gung" beauf­tragt wür­de. Dar­aus lässt sich ablei­ten, dass die Gebühr schon dann nicht anfal­len soll, wenn der Gerichts­voll­zie­her bereits für eine wei­te­re Tätig­keit eine Gebühr erhält. Das Ober­lan­des­ge­richt schließt sich in die­ser Fra­ge der aus­führ­li­chen Begrün­dung im Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Köln vom 11.06.20145 an. Soweit das Land­ge­richt Heil­bronn6 die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln nicht für ein­schlä­gig erach­tet, weil die­ser eine ande­re Kon­stel­la­ti­on zugrun­de lie­ge, folgt dem das Ober­lan­des­ge­richt nicht. Zwar lag dort ein Sach­ver­halt zugrun­de, in dem der Gläu­bi­ger – anders als hier – wei­te­re Voll­stre­ckungs­maß­nah­men nur unter der aus­drück­lich for­mu­lier­ten Bedin­gung bean­tragt hat­te, dass eine güt­li­che Eini­gung schei­tert. Das recht­fer­tigt aber kei­ne abwei­chen­de Beur­tei­lung der Fra­ge, ob das Wort "und" in der Nach­be­mer­kung zu KV Zif­fer 207 dem Norm­zweck ent­spre­chend als "oder" zu lesen ist.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 25. August 2015 – 11 W 3/​15

  1. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 03.03.2015 – 10 W 25/​15; Beschluss vom 27.03.2014, NJW-RR 2014, 960; eben­so LG Baden-Baden, Beschluss vom 02.09.2014 – 2 T 44/​14; LG Heil­bronn, Beschluss vom 28.11.2014 – 1 T 431/​14 []
  2. OLG Stutt­gart, Jur­Bü­ro 2015, 326 []
  3. BT-Drs. 10/​10069, S. 48 []
  4. OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 2014, 960 []
  5. OLG Köln, Jur­Bü­ro 2014, 549 23 ff. []
  6. LG Heil­bronn, a. a. O. []