Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät für grie­chi­sche Schu­len

Die der Repu­blik Grie­chen­land zuste­hen­den For­de­run­gen auf Aus­zah­lung von Zuschüs­sen für den Per­so­nal- und Schul­auf­wand nach dem Baye­ri­schen Schul­fi­nan­zie­rungs­ge­setz die­nen hoheit­li­chen Zwe­cken und unter­lie­gen daher der Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät.

Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät für grie­chi­sche Schu­len

Die Zwangs­voll­stre­ckung in die Ansprü­che der Repu­blik Grie­chen­land (Schuld­ne­rin) gegen den Frei­staat Bay­ern (Dritt­schuld­ner) auf Aus­zah­lung der Zuschüs­se für den Per­so­nal- und Schul­auf­wand nach dem Baye­ri­schen Schul­fi­nan­zie­rungs­ge­setz ist unzu­läs­sig. Dabei kann es dahin­ste­hen, ob das Amts­ge­richt für den Erlass des Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses gemäß § 828 Abs. 2, 2. Alt., § 23 Satz 2 ZPO inter­na­tio­nal zustän­dig war. Jeden­falls besteht bezüg­lich der gepfän­de­ten Zah­lungs­an­sprü­che Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät.

Die Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät ist eine Aus­prä­gung des Grund­sat­zes der Staa­ten­im­mu­ni­tät, der aus dem Grund­satz der sou­ve­rä­nen Gleich­heit der Staa­ten folgt. Es besteht eine all­ge­mei­ne Regel des Völ­ker­rechts im Sin­ne des Art. 25 GG, wonach die Zwangs­voll­stre­ckung durch den Gerichts­staat aus einem Voll­stre­ckungs­ti­tel gegen einen frem­den Staat, der über ein nicht hoheit­li­ches Ver­hal­ten (acta iure ges­tio­nis) die­ses Staa­tes ergan­gen ist, in des­sen Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ohne sei­ne Zustim­mung unzu­läs­sig ist, soweit die­se im Zeit­punkt des Beginns der Voll­stre­ckungs­maß­nah­me hoheit­li­chen Zwe­cken des frem­den Staa­tes die­nen. Ob ein Ver­mö­gens­ge­gen­stand hoheit­li­chen Zwe­cken dient, rich­tet sich danach, ob er für eine hoheit­li­che Tätig­keit ver­wen­det wer­den soll. Die Abgren­zung zwi­schen hoheit­li­chen oder nicht hoheit­li­chen Zwe­cken ist man­gels ent­spre­chen­der Kri­te­ri­en im all­ge­mei­nen Völ­ker­recht grund­sätz­lich nach der Rechts­ord­nung des Gerichts­staats vor­zu­neh­men 1.

Nach deut­schem Ver­ständ­nis unter­fal­len unter ande­rem kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen aus­län­di­scher Staa­ten der Voll­stre­ckungs­im­mu­ni­tät. Zur Wahr­neh­mung aus­län­di­scher Gewalt gehört auch die vom Staat abhän­gi­ge Reprä­sen­ta­ti­on von Kul­tur und Wis­sen­schaft im Aus­land 2.

Bei dem Betrieb der Pri­va­ten Volks­schu­le der Repu­blik Grie­chen­land in N. han­delt es sich um eine kul­tu­rel­le Ein­rich­tung der Repu­blik Grie­chen­land.

Aus­lands­schu­len erfül­len nicht nur Gemein­wohl­in­ter­es­sen des Staa­tes, in dem die Schu­le betrie­ben wird, indem sie als Ersatz für eine grund­sätz­lich vor­ge­se­he­ne öffent­li­che Schu­le eine ver­fas­sungs­recht­lich aner­kann­te öffent­li­che Auf­ga­be des Erzie­hungs, Bil­dungs- und Aus­bil­dungs­we­sen ver­wirk­li­chen 3. Aus­lands­schu­len die­nen dar­über hin­aus dem Zweck, einen Bei­trag zur För­de­rung von Spra­che und Kul­tur des aus­län­di­schen Staa­tes im jewei­li­gen Sitz­land zu erbrin­gen. Dem­ge­mäß haben sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die Schuld­ne­rin mit ihrem Kul­tur­ab­kom­men vom 17.05.1956 4 ver­pflich­tet, die Grün­dung von kul­tu­rel­len Insti­tu­ten des ande­ren Lan­des zur Erler­nung der jewei­li­gen Spra­che zuzu­las­sen und zu för­dern, Art. 5 des Kul­tur­ab­kom­mens, und sich wech­sel­sei­tig im Fal­le von Ein­schrän­kun­gen der Tätig­kei­ten von Aus­lands­schu­len bei der Wie­der­in­be­trieb­nah­me zu unter­stüt­zen, Art. 12 des Kul­tur­ab­kom­mens.

Die Ansprü­che auf Aus­zah­lung von Zuschüs­sen für den Per­so­nal- und Schul­auf­wand nach dem Baye­ri­schen Schul­fi­nan­zie­rungs­ge­setz die­nen der Auf­recht­erhal­tung des Betriebs einer Aus­lands­schu­le und mit­hin einem hoheit­li­chen Zweck.

Eine Vor­la­ge an den Gemein­sa­men Bun­des­ge­richts­hof der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des nach § 2 des Geset­zes zur Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des (RsprEin­hG) war nicht ver­an­lasst. Eine Abwei­chung von den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 10.04.2013 5 ist nicht gege­ben. Nach den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts soll weder das Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen der Aus­lands­schu­le und ihren Leh­ren noch die Tätig­keit der Leh­rer an Aus­lands­schu­len als hoheit­lich zu bewer­ten sein. Das Dienst­ver­hält­nis der Leh­rer an einer Aus­lands­schu­le sei nicht Aus­druck der Sou­ve­rä­ni­tät des Staa­tes nach innen oder außen in einem für die­se Bestim­mung maß­ge­ben­den Sin­ne. Die­se Ein­ord­nung besagt jedoch nichts über die Qua­li­fi­ka­ti­on der von der Schuld­ne­rin in Deutsch­land betrie­be­nen Schu­le als kul­tu­rel­le Ein­rich­tung, deren Betrieb durch den gepfän­de­ten Anspruch auf Zah­lung eines staat­li­chen Zuschus­ses gewähr­leis­tet wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Juni 2014 – VII ZB 23/​13

  1. BVerfG, NJW 2012, 293, 295; BGH, Beschluss vom 04.07.2013 – VII ZB 63/​12, NJW-RR 2013, 1532 Rn. 10 ff.; jeweils m.w.N.[]
  2. BGH, Beschluss vom 01.10.2009 – VII ZB 37/​08, NJW 2010, 769 Rn. 26 m.w.N; vgl. auch IGH, Urteil vom 03.02.2012, Juris­dic­tio­n­al Immu­nities of the Sta­te [Ger­ma­ny v. Ita­ly, Greece inter­vening], I.C.J. Reports 2012, 99 Rn. 119[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 07.07.1988 – III ZR 134/​87, NJW 1989, 216, 218; Badu­ra in Maunz/​Dürig, GG (2013), Art. 7 Rn. 111, 112[]
  4. BGBl.1957 – II S. 501[]
  5. BAG, Urtei­le vom 10.04.2013 – 5 AZR 81/​12, 5 AZR 79/​12 und 5 AZR 78/​12, NJW 2013, 2461; sowie vom 25.04.2013 – 2 AZR 960/​11, NJOZ 2013, 1835[]