Vor­la­ge von Unter­la­gen – und die inhalt­li­che Bestimmt­heit eines Voll­stre­ckungs­ti­tels

Unab­hän­gig davon, ob sich die Voll­stre­ckung der Vor­la­ge von Unter­la­gen nach § 888 ZPO oder nach § 883 ZPO ana­log rich­tet 1, set­zen sowohl ein Vor­ge­hen nach § 883 ZPO wie nach § 888 ZPO (dem in jedem Fall die Voll­stre­ckung der Aus­kunfts­er­tei­lungs­ver­pflich­tung unter­fällt) vor­aus, dass der dem Voll­stre­ckungs­an­trag zugrun­de lie­gen­de Titel den zu voll­stre­cken­den Anspruch inhalt­lich bestimmt aus­weist 2.

Vor­la­ge von Unter­la­gen – und die inhalt­li­che Bestimmt­heit eines Voll­stre­ckungs­ti­tels

Um in Bezug auf her­aus­zu­ge­ben­de Unter­la­gen eine Zwangs­voll­stre­ckung nach § 888 ZPO oder § 883 ZPO durch­füh­ren zu kön­nen, ist dem­ge­mäß erfor­der­lich, dass sich aus dem Titel im Ein­zel­nen kon­kret ergibt, wel­che Urkun­den der Schuld­ner her­aus­zu­ge­ben bzw. vor­zu­le­gen hat, da es nicht dem Gerichts­voll­zie­her über­las­sen blei­ben kann, aus einer Viel­zahl von im Gewahr­sam des Schuld­ners befind­li­chen Schrift­stü­cken die­je­ni­gen her­aus­zu­su­chen, die unter einen im Voll­stre­ckungs­ti­tel ver­wen­de­ten unkla­ren Sam­mel­be­griff fal­len kön­nen. Die Besei­ti­gung sol­cher Unklar­hei­ten kann auch nicht im Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung nach § 888 ZPO erfol­gen 3.

In der Recht­spre­chung sind nach die­ser Maß­ga­be bei­spiels­wei­se Ten­orie­run­gen wie

  • "die­je­ni­gen Bele­ge bei­zu­fü­gen, aus denen die Rich­tig­keit des Zah­len­ma­te­ri­als ent­nom­men wer­den kann" 4,
  • "Vor­la­ge der für die Bewer­tung erfor­der­li­chen Unter­la­gen" 5 und
  • "soweit Bele­ge vor­han­den sind, die­se vor­zu­le­gen" 6

als nicht hin­rei­chend bestimmt und des­halb als nicht zur Voll­stre­ckung geeig­ne­ter Aus­spruch beur­teilt wor­den.

Etwas ande­res ergibt sich für das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le auch nicht aus der Ent­schei­dung des Kam­mer­ge­richts vom 17.11.1997 7. Dabei konn­te es das OLG Cel­le im vor­lie­gen­den Fall dahin­ste­hen las­sen, ob die­se Ent­schei­dung des Kam­mer­ge­richts über­haupt rich­tig ist, dies gera­de ange­sichts der vor­ste­hend zitier­ten, gegen­läu­fi­gen Recht­spre­chung und Lite­ra­tur 8. In jedem Fall ist die Argu­men­ta­ti­on des Kam­mer­ge­richs auf die vor­lie­gen­de, der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le zugrun­de lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on gar nicht über­trag­bar. Das Kam­mer­ge­richt hat­te einen Fall zu beur­tei­len, dem nach sei­nem Aus­le­gungs­ver­ständ­nis ein Titel zugrun­de lag, nach dem "alle Unter­la­gen, die auf die Unter­neh­men der BGB-Gesell­schaft bezo­gen sind" her­aus­zu­ge­ben waren. Das Kam­mer­ge­richt hat hier­in einen "Inbe­griff einer Sach­ge­samt­heit" i. S. v. § 260 Abs. 1 BGB gese­hen und dar­aus den Schluss gezo­gen, dass die­ser Umstand es dem Schuld­ner sicher ermög­li­che zu erken­nen, durch wel­che Erfül­lungs­hand­lung er die Zwangs­voll­stre­ckung abwen­den kann. Um einen der­ar­ti­gen "Inbe­griff von Gegen­stän­den", wor­un­ter Sach­ge­samt­hei­ten wie Biblio­the­ken, Waren­la­ger, Inven­tar oder Buch­hal­tungs­un­ter­la­gen gezählt wer­den 9 geht es vor­lie­gend indes nicht. Denn in dem – dem Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren zugrun­de lie­gen­den – gericht­li­chen Ver­gleich ist nicht eine Gesamt­heit von Unter­la­gen gere­gelt, die zu einem ein­heit­li­chen Rechts­ver­hält­nis zusam­men­ge­fasst wer­den kön­nen, wie z. B. "Buch­hal­tungs­un­ter­la­gen". Viel­mehr sol­len hier­nach gera­de nicht sämt­li­che Unter­la­gen, die aus einem bestimm­ten ein­heit­li­chen Rechts­ver­hält­nis her­rüh­ren, vor­ge­legt wer­den, son­dern nur gan­ze bestimm­te Unter­la­gen aus einem Gesamt­be­stand des Schuld­ners, anhand derer dann eine drit­te Per­son bestimm­te Anschluss­tä­tig­kei­ten vor­neh­men kön­nen soll. Auf die Ver­pflich­tung zur Abga­be von "von dem Antrags­geg­ner zu ertei­len­den Aus­künf­ten", wie es in dem Ver­gleich for­mu­liert ist, könn­ten die Erwä­gun­gen des Kam­mer­ge­richts im Übri­gen von vorn­her­ein nicht über­tra­gen wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 4. April 2014 – 4 W 55/​14

  1. vgl. zu die­ser Pro­ble­ma­tik z. B. OLG Köln, Beschluss vom 27.08.1992 – 7 W 35/​92 4 f.[]
  2. vgl. z. B. Schusch­ke/­Wal­ker-Schusch­ke, Voll­stre­ckung und vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., vor §§ 704 bis 707 Rn. 12 ff.; Schusch­ke/­Wal­ker-Wal­ker, a. a. O., § 883 Rn. 7; Musielak/​Lackmann, ZPO, 10. Aufl., § 883 Rn. 5; Zöller/​Stöber, ZPO, 30. Aufl., § 704 Rn. 4[]
  3. vgl. OLG Köln, Beschluss vom 27.08.1992 – 7 W 35/​92[]
  4. BGH, Urteil vom 26.01.1983 – IVb ZR 355/​81[]
  5. OLG Mün­chen, Beschluss vom 27.05.1993 – 1 U 6228/​92[]
  6. OLG Köln, Beschluss vom 27.08.1992 – 7 W 35/​92[]
  7. KG, Beschluss vom 17.11.1997 – 25 W 6329/​97[]
  8. Musielak/​Lackmann, a. a. O., § 883 Rn. 5 bewer­tet die Ent­schei­dung des KG im Übri­gen aus­drück­lich als unrich­tig[]
  9. vgl. Palandt/​Grüneberg, BGB, 73. Aufl., § 260 Rn. 2[]