Vor­pro­zes­sua­le Anwalts­kos­ten und die Beru­fungs­sum­me

Die gel­tend gemach­ten vor­pro­zes­sua­len Anwalts­kos­ten sind im Beru­fungs­ver­fah­ren als Streit­wert erhö­hen­der Haupt­an­spruch zu berück­sich­ti­gen, soweit dem Klä­ger die zugrun­de lie­gen­de Haupt­for­de­rung in ers­ter Instanz aberkannt wor­den ist und er sein Begeh­ren mit der Beru­fung inso­weit nicht wei­ter­ver­folgt.

Vor­pro­zes­sua­le Anwalts­kos­ten und die Beru­fungs­sum­me

Vor­pro­zes­su­al auf­ge­wen­de­te Kos­ten zur Durch­set­zung des im lau­fen­den Ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Haupt­an­spruchs wir­ken nicht wert­er­hö­hend, wenn die­ser Haupt­an­spruch Gegen­stand des lau­fen­den Ver­fah­rens ist. Wird der mate­ri­ell­recht­li­che Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch neben der Haupt­for­de­rung, aus der er sich her­lei­tet, gel­tend gemacht, ist er von dem Bestehen der Haupt­for­de­rung abhän­gig und stellt des­halb eine Neben­for­de­rung im Sin­ne von § 4 Abs. 1 ZPO dar. Die­ses – eine Wert­erhö­hung aus­schlie­ßen­de – Abhän­gig­keits­ver­hält­nis besteht, solan­ge die Haupt­for­de­rung Gegen­stand des Rechts­streits ist [1].

Etwas ande­res gilt jedoch, wenn und soweit der gel­tend gemach­te Haupt­an­spruch nicht mehr Gegen­stand des Rechts­streits ist. In die­sem Fall sind gel­tend gemach­te vor­pro­zes­sua­le Anwalts­kos­ten als streit­wert­er­hö­hen­der Haupt­an­spruch zu berück­sich­ti­gen [2]. Soweit die Haupt­for­de­rung nicht mehr Pro­zess­ge­gen­stand ist, etwa weil eine auf die Haupt­for­de­rung oder einen Teil der Haupt­for­de­rung beschränk­te Erle­di­gung erklärt wor­den ist oder weil der Klä­ger die Haupt­for­de­rung aus ande­ren Grün­den nicht wei­ter­ver­folgt, wird die Neben­for­de­rung zur Haupt­for­de­rung, weil sie sich von der sie bedin­gen­den For­de­rung „eman­zi­piert“ hat und es ohne Haupt­for­de­rung kei­ne Neben­for­de­rung gibt [3]. Das gilt auch für den vor­lie­gen­den Fall, in dem das Amts­ge­richt der Klä­ge­rin einen Teil der ursprüng­lich gel­tend gemach­ten Haupt­for­de­rung aberkannt hat und die Klä­ge­rin ihr Begeh­ren mit der Beru­fung inso­weit nicht wei­ter­ver­folgt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. März 2013 – VI ZB 53/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 12.06.2007 – VI ZR 200/​06, Scha­den­Pra­xis 2007, 370; BGH, Beschlüs­se vom 15.05.2007 – VI ZB 18/​06, VersR 2007, 1713 Rn. 6; vom 25.09.2007 – VI ZB 22/​07, NJW-RR 2008, 374 Rn. 5 f. und vom 04.12.2007 – VI ZB 73/​06, VersR 2008, 557 Rn. 5 ff.; BGH, Beschluss vom 30.01.2007 – X ZB 7/​06, VersR 2007, 1102 Rn. 7[]
  2. BGH, Beschluss vom 17.02.2009 – VI ZB 60/​07, VersR 2009, 806, Rn. 4 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 04.12.2007 – VI ZB 73/​06, aaO mwN[]