Vor­sicht bei nas­sem Laub

Der Herbst naht mit Macht und mit ihm bun­tes Herbst­laub an Bäu­men und wenig spä­ter auf Stra­ßen und Wegen. Genau dar­auf soll­ten sich Fuß­gän­ger ein­stel­len und mit erhöh­ter Rutsch­ge­fahr auch auf Geh­we­gen rech­nen. Denn den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern ist es weder tat­säch­lich mög­lich noch recht­lich gebo­ten, die Wege stän­dig laub­frei zu hal­ten. Die­se Erkennt­nis ist auch bei den Gerich­ten ange­kom­men, wie ein aktu­el­ler Fall des Land­ge­richts Coburg zeigt, mit dem die Scha­dens­er­satz- und Schmer­zens­geld­kla­ge einer auf Laub gestürz­ten Pas­san­tin gegen die Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin abge­wie­sen wur­de. Die Beklag­te hat­te ihre Rei­ni­gungs­pflicht erfüllt, indem sie kurz vor dem Unfall tur­nus­mä­ßig Laub besei­tig­te; die Rutsch­ge­fahr durch danach abge­fal­le­ne Pflan­zen­tei­le stuf­te das Gericht nicht als beson­ders hoch ein.

Vor­sicht bei nas­sem Laub

An einem herbst­li­chen Novem­ber­nach­mit­tag war die Klä­ge­rin zu Fuß unter­wegs. Auf dem Bür­ger­steig, der über das Grund­stück der Beklag­ten (einer Gemein­de) führ­te, lagen feuch­tes Laub und Äste. Die Klä­ge­rin rutsch­te dar­auf aus – mit üblen Fol­gen: sie brach sich eine Schul­ter und prell­te sich das Knie. Dafür woll­te sie von der Beklag­ten rund 300 € Scha­dens­er­satz und 2.500 € Schmer­zens­geld. Die habe näm­lich gegen ihre Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­sto­ßen.

Das sah das Land­ge­richt Coburg anders und wies die Kla­ge ab. Es führ­te aus, dass im Bereich von Laub­bäu­men Geh­we­ge, sobald die Blät­ter fal­len, stets eine gewis­se Rutsch­ge­fahr auf­wei­sen. Dar­auf müs­sen sich Fuß­gän­ger ein­stel­len. Eine Rei­ni­gung der Wege kann nur im Rah­men des Zumut­ba­ren ver­langt wer­den. Weil die Beklag­te den Bür­ger­steig weni­ge Tage zuvor vom Laub befreit hat­te, war sie ihren Pflich­ten nach­ge­kom­men. Die bis zum Unfall­tag abge­fal­le­nen Blät­ter mach­ten kei­ne außer­plan­mä­ßi­ge Rei­ni­gung erfor­der­lich, weil sie kei­ne beson­de­re Gefah­ren­stel­le geschaf­fen hat­ten. Zu ver­lan­gen, dass Laub jeweils sofort ent­fernt wird, wür­de den Rah­men des tat­säch­lich und wirt­schaft­lich Zumut­ba­ren über­span­nen.

Mit Beginn der käl­te­ren Jah­res­zeit sind halt nicht nur die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in der Pflicht, son­dern auch die Fuß­gän­ger zu erhöh­ter Vor­sicht auf­ge­for­dert.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 22. Febru­ar 2008 – 14 O 742/​07 (rechts­kräf­tig)