Vor­trag der anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen – und die Bezug­nah­me auf Anla­gen

In wel­chem Umfang münd­li­cher oder schrift­sätz­li­cher Vor­trag durch die Bezug­nah­me auf Anla­gen sub­sti­tu­iert wer­den kann, bestimmt sich nach dem vor­zu­tra­gen­den Gegen­stand und dem Inhalt der Anla­gen.

Vor­trag der anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen – und die Bezug­nah­me auf Anla­gen

Rich­tig ist inso­weit zwar der Ein­wand, dass die Gren­zen einer nach § 137 Abs. 3 ZPO mög­li­chen Ver­wei­sung auf Anla­gen über­schrit­ten sind, wenn das Gericht sich aus die­sen den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt selbst her­aus­su­chen muss1. Dem Dar­le­gungs­er­for­der­nis ist jedoch genügt, wenn der Klä­ger einen Anspruch auf Erstat­tung der lau­fen­den Kos­ten einer von ihm geführ­ten Ver­wal­tung durch eine geord­ne­te Auf­stel­lung unter Bei­fü­gung der Bele­ge (Rech­nun­gen) begrün­det, sofern sich aus ihnen auch die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen über den Grund des Auf­wands ent­neh­men las­sen2.

Soweit das nicht der Fall ist, bedarf es aller­dings einer auf die Ein­zel­for­de­run­gen bezo­ge­nen Dar­le­gung des Anspruchs­grunds.

Die Dar­le­gung unter Ver­wei­sung auf die in einer Anla­ge ent­hal­te­nen Auf­stel­lung (Tabel­le) mit den bei­gefüg­ten Rech­nun­gen genügt auch den Anfor­de­run­gen an die Bestim­mung des Anspruchs­grunds (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO).

Der Grund­satz gilt auch, wenn der Anspruch nicht selb­stän­dig ver­folgt, son­dern im Wege der Pro­zess­auf­rech­nung gel­tend gemacht wird3. Ob das auch zutrifft, wenn die „Auf­rech­nung” schon durch den Klä­ger bei der Berech­nung sei­nes Anspruchs erfolgt, kann des­halb offen blei­ben, weil hier die Bezeich­nung des auf die her­aus­zu­ge­ben­den Mie­ten anzu­rech­nen­den Gegen­an­spruchs nach § 7 Abs. 7 Nr. 2 VermG in der Kla­ge­schrift den Anfor­de­run­gen in § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ent­spricht. Der Anspruch ist mit der Anga­be, dass für die lau­fen­de Bau­un­ter­hal­tung Kos­ten von 186.062, 29 € gemäß der in einer Anla­ge bei­gefüg­ten Auf­stel­lung ange­fal­len sei­en, hin­rei­chend beschrie­ben. Die­sem Erfor­der­nis ist genügt, wenn der Anspruch von dem Gläu­bi­ger für den Schuld­ner iden­ti­fi­zier­bar bezeich­net ist; die nähe­re Indi­vi­dua­li­sie­rung kann durch eine kon­kre­te Bezug­nah­me auf ande­re Schrift­stü­cke erfol­gen4. Der maß­ge­ben­de Sach­ver­halt muss zur Bestimmt­heit der Kla­ge nicht voll­stän­dig beschrie­ben und der Anspruch nicht schlüs­sig oder sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wor­den sein5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Juli 2015 – V ZR 84/​14

  1. BGH, Urteil vom 03.10.1956 – IV ZR 58/​56, NJW 1956, 1878; Urteil vom 03.05.2005 – IX ZR 401/​00, NJW 2005, 2927, 2929; Beschluss vom 12.12 2013 – IX ZR 299/​12, IBR 2014, 188
  2. vgl. BVerfG, NJW 1994, 2683; BGH, Beschluss vom 12.07.2007 – IX ZR 210/​04, WM 2007, 1886 Rn. 5
  3. BGH, Urteil vom 07.11.2001 – VIII ZR 263/​00, BGHZ 149, 120, 124
  4. BGH, Urteil vom 11.02.2004 – VIII ZR 127/​03, NJW-RR 2005, 216
  5. BGH, Urteil vom 18.07.2000 – X ZR 62/​98, NJW 2000, 3492, 3493