Was­ser­ge­büh­ren in der Zwangs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks

Kom­mu­na­le Abga­ben für die Was­ser­ver­sor­gung ruhen im Land Baden-Würt­tem­berg nicht ohne wei­te­res als öffent­li­che Last auf dem Grund­stück, son­dern nur dann, wenn die zugrun­de lie­gen­de kom­mu­na­le Sat­zung sie als grund­stücks­be­zo­ge­ne Benut­zungs­ge­büh­ren aus­ge­stal­tet hat.

Was­ser­ge­büh­ren in der Zwangs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks

Ob eine Abga­ben­ver­pflich­tung die­se Eigen­schaft einer öffent­li­chen Last im Sin­ne von § 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG hat, rich­tet sich nach der gesetz­li­chen Rege­lung, die ihr zugrun­de liegt. Gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 ZVG kann sich die Rechts­grund­la­ge auch aus dem Lan­des­recht erge­ben. Es muss sich um eine Abga­ben­ver­pflich­tung han­deln, die auf öffent­li­chem Recht beruht, durch wie­der­keh­ren­de oder ein­ma­li­ge Geld­leis­tun­gen zu erfül­len ist und nicht nur die per­sön­li­che Haf­tung des Schuld­ners, son­dern auch die ding­li­che Haf­tung des Grund­stücks vor­aus­setzt. Dabei muss die Ver­pflich­tung in dem Abga­ben­ge­setz nicht unbe­dingt als öffent­li­che Last bezeich­net sein; es genügt viel­mehr, wenn sich die­se Eigen­schaft aus der recht­li­chen Aus­ge­stal­tung der Zah­lungs­pflicht und aus ihrer Bezie­hung zum Grund­stück ergibt. Im letz­te­ren Fall muss jedoch aus Grün­den der Klar­heit und Rechts­si­cher­heit aus der gesetz­li­chen Rege­lung ein­deu­tig her­vor­ge­hen, dass die Abga­ben­ver­pflich­tung auf dem Grund­stück las­tet und mit­hin nicht nur eine per­sön­li­che Haf­tung des Abga­ben­schuld­ners, son­dern auch die ding­li­che Haf­tung des Grund­stücks besteht. Zwei­fel in die­ser Hin­sicht schlie­ßen eine Berück­sich­ti­gung der Zah­lungs­pflicht als öffent­li­che Last aus1.

Auch Kom­mu­nal­ab­ga­ben wie die Kos­ten der Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung kön­nen lan­des­recht­lich als öffent­li­che Last aus­ge­stal­tet wer­den2. Durch eine kom­mu­na­le Sat­zung kann dies nur dann rechts­wirk­sam gesche­hen, wenn ihre Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge die Begrün­dung einer öffent­li­chen Last zulässt3. Dabei kommt es, anders als das Beschwer­de­ge­richt meint, nicht dar­auf an, ob sich die Höhe der Gebüh­ren nach dem Ver­brauch rich­tet. Ent­schei­dend ist, ob ihre Aus­ge­stal­tung im Ein­zel­nen die genann­ten Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer öffent­li­chen Last erfüllt.

Für die Was­ser­ver­sor­gung ent­hält § 13 Abs. 3, § 27 KAG BW eine gesetz­li­che Ermäch­ti­gung, kraft derer die­se Leis­tung als öffent­li­che Last aus­ge­stal­tet wer­den kann. Gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1 KAG BW kön­nen die Gemein­den näm­lich für die Benut­zung ihrer öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen Benut­zungs­ge­büh­ren erhe­ben. Sind die­se grund­stücks­be­zo­gen, so ergibt sich aus der im Jahr 2009 ein­ge­füg­ten Ver­wei­sung von § 13 Abs. 3 KAG BW auf § 27 KAG BW, dass die Bei­trä­ge als öffent­li­che Las­ten auf dem Grund­stück ruhen. Damit bezweck­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber unter ande­rem die Ein­be­zie­hung der Kos­ten der Was­ser­ver­sor­gung, um ange­sichts zuneh­men­der Pri­vat­in­sol­ven­zen eine Bevor­rech­ti­gung der kom­mu­na­len Gebüh­ren in der Zwangs­ver­stei­ge­rung her­bei­zu­füh­ren4.

Anhand des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes lässt sich nicht fest­stel­len, ob die Gebüh­ren für die Was­ser­ver­sor­gung zu den grund­stücks­be­zo­ge­nen Benut­zungs­ge­büh­ren gehö­ren. Dies rich­tet sich nach der den Beschei­den zugrun­de­lie­gen­den kom­mu­na­len Sat­zung, aus der sich ergibt, wie die Gebüh­ren im Ein­zel­nen aus­ge­stal­tet sind und ob von der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung in § 13 Abs. 3, § 27 KAG BW Gebrauch gemacht wor­den ist5. Dar­an fehlt es bei­spiels­wei­se, wenn die Bestim­mung des Gebüh­ren­schuld­ners in der maß­geb­li­chen Sat­zung nicht an die ding­li­che Berech­ti­gung, son­dern nur an die Nut­zung des Grund­stücks anknüpft6. Wer­den neben ding­lich Berech­tig­ten auch blo­ße Nut­zer her­an­ge­zo­gen, muss aus der Sat­zung hin­rei­chend deut­lich her­vor­ge­hen, dass die Leis­tung hin­sicht­lich der ding­lich Berech­tig­ten nicht (nur) per­so­nen­be­zo­gen erbracht wird, son­dern für die­se Grup­pe von Gebüh­ren­schuld­nern eine öffent­li­che Last ent­ste­hen lässt7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2012 – V ZB 185/​11

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 11.05.2010 – IX ZR 127/​09, NZM 2010, 672 Rn. 8; Urteil vom 19.11.2009 – IX ZR 24/​09, NZM 2010, 375; Urteil vom 30.06.1988 – IX ZR 141/​87, NJW 1989, 107, 108; BGH, Urteil vom 22.05.1981 – V ZR 69/​80, NJW 1981, 2127 f. []
  2. BGH, Urteil vom 11.05.2010 – IX ZR 127/​09, NZM 2010, 672 ff. für Ent­sor­gungs­ge­büh­ren; Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., § 10 Rn.06.7; Mor­vi­li­us, RNotZ 2011, 104 f.; im Ergeb­nis eben­so Bött­cher in Bött­cher, ZVG, 5. Aufl., § 10 Rn. 44; kri­tisch Traub, ZfIR 2010, 699 f.; Fischer, ZfIR 2011, 468, 471 ff. []
  3. BGH, Urteil vom 22.05.1981 – V ZR 69/​80, NJW 1981, 2127, 2128; BGH, Urteil vom 30.06.1988 – IX ZR 141/​87, NJW 1989, 107, 108 []
  4. BW LT-Drucks. 14/​4002, S. 70 []
  5. vgl. BGH, Urteil vom 11.05.2010 – IX ZR 127/​09, NZM 2010, 672 Rn.19; Urteil vom 30.06.1988 – IX ZR 141/​87, NJW 1989, 107, 108; OLG Zwei­brü­cken, Rpfle­ger 2008, 218 f. zu § 7 Abs. 7 KAG Rhl.Pf.; Fischer, ZfIR 2011, 468, 470 f.; Klein, ZWE 2010, 429, 434 []
  6. Stö­ber, ZVG, 19. Aufl., § 10 Rn.06.7 []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 22.05.1981 – V ZR 69/​80, NJW 1981, 2127 f.; OLG Zwei­brü­cken, aaO; Stö­ber, aaO []