Was­ser­schä­den an ein­ge­la­ger­ten Kunst­wer­ken des Mie­ters

Ein Mie­ter, der einen Kel­ler­raum zur Ein­la­ge­rung von eige­nen Kunst­wer­ken gemie­tet hat, kann vom Ver­mie­ter nicht ohne wei­te­res Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, wenn die Wer­ke infol­ge eines Was­ser­rohr­bruchs beschä­digt wer­den.

Was­ser­schä­den an ein­ge­la­ger­ten Kunst­wer­ken des Mie­ters

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Beru­fungs­ver­fah­ren mie­te­te der Klä­ger, ein frei­schaf­fen­der Künst­ler, von der beklag­ten Ver­mie­te­rin einen Lager­raum im Kel­ler eines Anwe­sens im Land­kreis Mainz-Bin­gen zu einer jähr­li­chen Mie­te von 1.800 € und lager­te dort zahl­rei­che von ihm gefer­tig­te Reli­efs. Am frü­hen Mor­gen des 25. Febru­ar 2008 erfuhr die Beklag­te von einem Was­ser­ein­tritt in den Kel­ler­räu­men des Anwe­sens. Ein Rohr an der Anschluss­stel­le der Hei­zung zum Aus­deh­nungs­ge­fäß war gebro­chen. Das aus­tre­ten­de Was­ser sam­mel­te sich in dem vom Klä­ger ange­mie­te­ten Raum, der cir­ca 75 cm tie­fer liegt als die ande­ren Kel­ler­räu­me. Die Beklag­te ließ umge­hend das Was­ser abpum­pen; außer­dem wur­de damit begon­nen, die zum Teil in Folie ver­pack­ten Reli­efs des Klä­gers ins Tro­cke­ne zu brin­gen. Gegen Mit­tag des glei­chen Tages infor­mier­te die Beklag­te den Klä­ger von dem Scha­dens­fall.

Nach der Dar­stel­lung des Klä­gers sind durch die Was­ser­ein­wir­kung ins­ge­samt 141 sei­ner Wer­ke so beschä­digt wor­den, dass sie unver­käuf­lich sind. Ins­ge­samt sei ihm ein Scha­den in Höhe von mehr als 200.000 Euro ent­stan­den. Der Klä­ger hat die Beklag­te auf Zah­lung eines Teil­be­trags in Höhe von 10.000 Euro nebst Zin­sen in Anspruch genom­men. Das Land­ge­richt Mainz hat eine Scha­dens­er­satz­haf­tung der Beklag­ten dem Grun­de nach bejaht und des­halb ein Grund­ur­teil erlas­sen; über die Höhe des ein­ge­tre­te­nen Scha­dens sei noch nach­fol­gend Beweis zu erhe­ben. Gegen das Grund­ur­teil hat die Beklag­te Beru­fung ein­ge­legt. Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz hat dar­auf­hin eine Beweis­auf­nah­me zum Kennt­nis­stand der beklag­ten Ver­mie­te­rin über die ein­ge­la­ger­ten Kunst­wer­ke und den Gesche­hens­ab­lauf am Scha­dens­tag durch­ge­führt und schließ­lich das Grund­ur­teil des Land­ge­richts Mainz auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen.

Der Beklag­te schul­de, so das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, dem Klä­ger kei­nen Scha­dens­er­satz, weil eine Grund­la­ge für eine Ver­miet­er­haf­tung nach den Umstän­den nicht gege­ben sei.

Im Hin­blick auf den Rohr­bruch tref­fe die Beklag­te kein Ver­schul­den. Die Bruch­stel­le befin­de sich in einem Bereich, der nicht der Über­prü­fung durch den Schorn­stein­fe­ger unter­lie­ge und für den gesetz­li­che Ver­pflich­tun­gen zur War­tung nicht ersicht­lich sei­en. Eine gene­rel­le Pflicht des Ver­mie­ters, Lei­tun­gen ohne kon­kre­ten Anlass einer Gene­ral­inspek­ti­on zu unter­zie­hen, bestehe nicht. Ein Ver­mie­ter sei ledig­lich zu den­je­ni­gen Maß­nah­men ver­pflich­tet, die ein umsich­ti­ger und ver­stän­di­ger, in ver­nünf­ti­gen Gren­zen vor­sich­ti­ger Mensch für not­wen­dig und aus­rei­chend erach­te, um ande­re vor Schä­den zu bewah­ren. Da die Beklag­te die Hei­zungs­an­la­ge durch­aus Über­prü­fun­gen unter­zo­gen habe – zuletzt am 30. Janu­ar 2007 – und Anhalts­punk­te für Scha­dens­an­zei­chen nicht dar­ge­tan sei­en, habe die Beklag­te die­sen Anfor­de­run­gen genügt.

Die Beklag­te habe auch nicht dadurch eine ver­trag­li­che Neben­pflicht ver­letzt, dass sie den Klä­ger nach Fest­stel­lung des Was­ser­scha­dens am Mor­gen des 25. Febru­ar 2008 zu spät benach­rich­tigt habe und dadurch ein Scha­den ver­ur­sacht oder ver­grö­ßert wor­den wäre. Jeden­falls sei die Beklag­te auf­grund der Beweis­auf­nah­me vom Vor­wurf des Ver­schul­dens ent­las­tet. Es sei der Beklag­ten nicht vor­zu­wer­fen, dass sie zunächst alles dafür getan habe, um eine wei­te­re Ein­wir­kung des Was­sers zu besei­ti­gen und grö­ße­re Schä­den zu ver­mei­den. Eine Pflicht zur frü­he­ren Infor­ma­ti­on des Klä­gers unter Zurück­stel­lung ande­rer not­wen­di­ger Maß­nah­men hät­te danach nur dann bestan­den, wenn die Beklag­te Kennt­nis davon gehabt hät­te, dass in dem Kel­ler Kunst­wer­ke von erheb­li­chem Wert gela­gert gewe­sen sei­en. Dies habe der Klä­ger jedoch nicht bewie­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2010 – 2 U 779/​09