Weg­sper­ren statt anlei­nen

Beißt ein Hund zu, haf­tet in aller Regel sein Hal­ter. Ist von frü­he­ren Vor­fäl­len bekannt, dass der Vier­bei­ner häu­fi­ger das Maul etwas voll nimmt, kann das selbst dann gel­ten, wenn der Hund bei sei­ner Bis­s­at­ta­cke ange­ket­tet war.

Weg­sper­ren statt anlei­nen

Das zeigt ein Urteil des Land­ge­richts Coburg, mit dem eine Hun­de­hal­te­rin ver­ur­teilt wur­de, einem acht­jäh­ri­gen Biss­op­fer ein Schmer­zens­geld von 1.500 € zu bezah­len. Zwar hat­te sich das Kind dem Tier trotz War­nung genä­hert. Wegen frü­he­rer Bis­s­at­ta­cken hät­te der Vier­bei­ner nach Ansicht des Gerichts aber jeden­falls wäh­rend der Anwe­sen­heit von Kin­dern auf dem Anwe­sen der Beklag­ten, die dort Zim­mer ver­mie­tet, weg­ge­sperrt wer­den müs­sen.

Der Acht­jäh­ri­ge nahm mit sei­nen Eltern an der Geburts­tags­fei­er eines Onkels in einem von der Beklag­ten ver­mie­te­ten Raum teil. Im Hof des Anwe­sens befand sich ange­bun­den an einer Ket­te der Hund der Beklag­ten, auf des­sen Gefähr­lich­keit sie hin­ge­wie­sen hat­te. Wäh­rend der Fei­er ging der Jun­ge jedoch unbe­merkt in den Hof und zum Hund. Der sprang auf ihn zu und biss ihn ins Gesicht. Dafür ver­lang­te das Kind, ver­tre­ten durch sei­ne Eltern, 12.500 € Schmer­zens­geld von der Beklag­ten.

In Höhe von 1.500 € hat­te es damit vor dem Land­ge­richt Coburg Erfolg. Denn durch den Biss hat­te sich die „typi­sche Tier­ge­fahr“ ver­wirk­licht, für die die Hal­te­rin ein­ste­hen muss. Den Klä­ger traf zwar ein Mit­ver­schul­den, weil er sich trotz der War­nung dem Hund genä­hert hat­te und außer­dem bei einem nor­mal ent­wi­ckel­ten Kind sei­nes Alters davon aus­zu­ge­hen ist, dass es um die Gefahr frem­der Hun­de weiß. Das über­wie­gen­de Mit­ver­schul­den (näm­lich 75%) traf jedoch die Beklag­te, weil sie trotz der Kennt­nis, dass zu der Fei­er­lich­keit auch Kin­der erschei­nen wür­den, den Hund nicht weg­ge­sperrt hat­te, obwohl die­ser bereits zwei­mal vor­her Per­so­nen ange­grif­fen und gebis­sen hat­te. Nach­dem die Ver­let­zun­gen des Jun­gen nicht zu gra­vie­rend waren und prak­tisch fol­gen­los ver­heilt sind, sah das Gericht aller­dings 1.500 € Schmer­zens­geld als völ­lig aus­rei­chend an.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 10. Juni 2008 – 11 O 660/​07 (rechts­kräf­tig)