Wei­sun­gen des Gerichts gegen­über dem Sach­ver­stän­di­gen

Die Wei­sung des Gerich­tes gegen­über dem Sach­ver­stän­di­gen – hier: dass die Teil­nah­me des beklag­ten Zahn­arz­tes an der sach­ver­stän­di­gen Unter­su­chung sei­ner ehe­ma­li­gen Pati­en­tin, der Klä­ge­rin, nur mit deren Ein­wil­li­gung erfol­gen darf – ist nicht mit Rechts­mit­teln anfecht­bar.

Wei­sun­gen des Gerichts gegen­über dem Sach­ver­stän­di­gen

Die Beschwer­de gegen die ent­spre­chen­den rich­ter­li­chen Ver­fü­gun­gen des Kam­mer­vor­sit­zen­den ist unzu­läs­sig.

Beweis­be­schlüs­se des Gerich­tes sind gemäß § 355 Abs. 2 ZPO grund­sätz­lich unan­fecht­bar. Das gilt ent­spre­chend –und erst recht- für die pro­zess­lei­ten­den Maß­nah­men gemäß § 404a ZPO, die als ergän­zen­de Anord­nun­gen kei­ner wei­ter­ge­hen­den Über­prü­fung durch Rechts­mit­tel unter­lie­gen kön­nen als der eigent­li­che Beweis­be­schluss selbst, des­sen sach­ge­rech­ter Aus­füh­rung sie die­nen 1. Dabei kommt es im vor­lie­gen­den Fall für die Fra­ge der Zuläs­sig­keit des Recht­mit­tels auch nicht dar­auf an, ob die­se Maß­nah­men vom Vor­sit­zen­den der Kam­mer allein, wenn auch nach Bera­tung, getrof­fen wer­den konn­ten oder ent­spre­chend dem Wort­laut der Bestim­mung eine Maß­nah­me der Kam­mer ("Das Gericht hat…. zu lei­ten"…) erfor­der­lich gewe­sen wäre.

Eben­so zutref­fend ist aller­dings, wor­auf sich der Beschwer­de­füh­rer beruft, dass es von die­sem Grund­satz der Unzu­läs­sig­keit des Rechts­mit­tels Aus­nah­men dort gibt, wo die Durch­füh­rung der Zwi­schen­ent­schei­dung für eine Par­tei sol­che Nach­tei­le mit sich bringt, die sich im wei­te­ren Ver­fah­ren nicht mehr oder jeden­falls nicht mehr voll­stän­dig behe­ben las­sen 2. Ein sol­cher Fall ist vor­lie­gend jedoch nicht gege­ben. Ihn hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht ein­mal in der genann­ten Ent­schei­dung bejaht, in wel­cher die Klä­ge­rin im Fal­le der Teil­nah­me der Beklag­ten an einem Orts­ter­min auf dem klä­ge­ri­schen Betriebs­ge­län­de die Offen­ba­rung von Geschäfts­ge­heim­nis­sen befürch­te­te. Viel­mehr hat der Bun­des­ge­richts­hof die Klä­ge­rin dar­auf ver­wie­sen, gegen­über der Anord­nung der Par­tei­öf­fent­lich­keit der Beweis­auf­nah­me durch das Gericht von ihrem Haus­recht gegen­über der Beklag­ten Gebrauch zu machen und das Risi­ko ein­zu­ge­hen, dass über die Recht­mä­ßig­keit der Wei­ge­rung, die Beklag­te an der Beweis­auf­nah­me teil­neh­men zu las­sen, im Rah­men der Beweis­wür­di­gung, ggf. unter dem Gesichts­punkt der Beweis­ver­ei­te­lung, zu befin­den sein wür­de.

Ent­spre­chen­des gilt im – umge­kehr­ten- vor­lie­gen­den Fall. Auch hier kann die Klä­ge­rin im Ergeb­nis nicht gezwun­gen wer­den, die Teil­nah­me des Beklag­ten an der Begut­ach­tung zu dul­den, der­ar­ti­ge Zwangs­mit­tel sieht die Zivil­pro­zess­ord­nung nicht vor 3. Ver­wei­gert die Klä­ge­rin dem Beklag­ten aller­dings zu Unrecht die Teil­nah­me an der Begut­ach­tung, ist der Beklag­te damit kei­nes­wegs end­gül­tig rechts­schutz­los gestellt. Viel­mehr ist die Berech­ti­gung ihrer Wei­ge­rung im Rah­men der Beweis­wür­di­gung der im Wesent­li­chen von der Klä­ge­rin zu bewei­sen­den Tat­sa­chen durch das Land­ge­richt zu beur­tei­len und ggf. im Rechts­mit­tel­zug im Rah­men der Anfech­tung der End­ent­schei­dung zu über­prü­fen 4 und even­tu­ell sogar zu kor­ri­gie­ren 5.

Zu Unrecht beruft sich der Beklag­te daher auf eben die­se Ent­schei­dung als Bei­spiels­fall für einen unwie­der­bring­li­chen Nach­teil für eine Par­tei, wenn ein Rechts­mit­tel gegen einen Beweis­be­schluss nicht zuge­las­sen wird. Zwar hat das OLG Frank­furt a.a.O. einen sol­chen Fall in der Tat bejaht, aller­dings genau für die umge­kehr­te Kon­stel­la­ti­on, in der näm­lich dem Zahn­arzt die Teil­nah­me an der Begut­ach­tung gestat­tet wor­den ist und zum Schut­ze der Rech­te der Pati­en­tin die­ser ein Beschwer­de­recht hier­ge­gen zuge­stan­den wur­de, weil in der Tat die unbe­rech­tig­te Teil­nah­me an dem Ter­min durch den Beklag­ten und die damit ver­bun­de­ne Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rech­tes der Klä­ge­rin fak­tisch nicht mehr kor­ri­giert wer­den kön­nen 6, ins­be­son­de­re nicht durch Beweis­erleich­te­run­gen wel­cher Art auch immer.

Einer Beant­wor­tung der strei­ti­gen Fra­ge, inwie­weit der beklag­te Zahn­arzt ein Anwe­sen­heits­recht bei der gut­ach­ter­li­chen Unter­su­chung sei­ner frü­he­ren Pati­en­tin hat, bedarf es wegen der Unzu­läs­sig­keit des Rechts­mit­tels daher an die­ser Stel­le der­zeit nicht 7.

Bei die­sen Gege­ben­hei­ten kann es auch dahin­ge­stellt blei­ben, ob das Rechts­mit­tel vor­lie­gend auch schon des­halb unzu­läs­sig ist, weil die Begut­ach­tung ‑und auch die Erstel­lung des Gut­ach­tens- bereits erfolgt sind und die begehr­te Teil­nah­me sei­tens des Beklag­ten am Ter­min somit ohne­hin nicht mehr mög­lich ist. Sei­ner Beschwer­de dürf­te daher das Rechts­schutz­be­dürf­nis feh­len, da er einen even­tu­ell rechts­wid­ri­gen Aus­schluss von der Begut­ach­tung nur noch, aller­dings auch aus­rei­chend, auf ande­rem Wege gel­tend machen kann, wie oben im ein­zel­nen dar­ge­tan.

Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 5. Febru­ar 2013 – 5 W 7/​13

  1. so auch BGH NJW-RR 2009, 995 m.w.N.[]
  2. BGH a.a.O., m.w.N.[]
  3. vgl. OLG Frank­furt, GesR 2011, 295[]
  4. BGH a.a.O.[]
  5. vgl. OLG Frank­furt, a.a.O.[]
  6. so aus­drück­lich OLG Frank­furt, a.a.O., a.E.[]
  7. zum Mei­nungs­stand vgl. auch inso­weit OLG Frank­furt , a.a.O.[]