Wenn das Gericht sei­ne Mei­nung ändert…

Erteilt das Gericht einen recht­li­chen Hin­weis in einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge, so darf es die­se Fra­ge im Urteil nicht abwei­chend von sei­ner geäu­ßer­ten Rechts­auf­fas­sung ent­schei­den, ohne die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten zuvor auf die Ände­rung der recht­li­chen Beur­tei­lung hin­ge­wie­sen und ihnen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben zu haben [1].

Wenn das Gericht sei­ne Mei­nung ändert…

Auf sei­ne geän­der­te Auf­fas­sung muss das Gericht die Par­tei­en vor Erlass einer dar­auf gestütz­ten Ent­schei­dung hin­wei­sen. Sodann muss es ihnen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu dem neu­er­li­chen Hin­weis geben und dazu die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der­eröff­nen (§ 156 Abs. 2 Nr. 1 ZPO).

Der Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­pflich­tet das Gericht, das tat­säch­li­che und recht­li­che Vor­brin­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und bei sei­ner Ent­schei­dung in Erwä­gung zu zie­hen [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Novem­ber 2019 – IX ZR 8/​19

  1. BGH, Beschluss vom 29.04.2014 – VI ZR 530/​12, NJW 2014, 2796 Rn. 5; vom 11.05.2017 – V ZR 235/​16 6[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – V ZR 291/​02, BGHZ 154, 288, 300; vom 18.07.2019 – IX ZR 276/​17 5[]