Wenn das Wasch­be­cken aus der Wand fällt

Ein Rei­se­man­gel ist gege­ben, wenn die tat­säch­li­che Beschaf­fen­heit der Rei­se von der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Rei­se abweicht und dadurch der Nut­zen der Rei­se auf­ge­ho­ben oder gemin­dert wird. Der Rei­se­ver­an­stal­ter schul­det auf­grund sei­ner Obhuts- und Für­sor­ge­pflicht gegen­über dem Rei­sen­den die Abwehr von sol­chen Gefah­ren aus den Rei­se­leis­tun­gen, mit denen der Kun­de nicht zu rech­nen braucht. Ein Unfall mit einem her­un­ter­fal­len­den Wasch­be­cken stellt kei­nen Rei­se­man­gel dar, wenn nicht erkenn­bar und nicht vor­her­seh­bar war, dass ein ord­nungs­ge­mäß befes­tig­tes Wasch­be­cken aus der Wand bricht.

Wenn das Wasch­be­cken aus der Wand fällt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Rei­sen­den abge­wie­sen, der eine Rei­se­preis­min­de­rung und Scha­dens­er­satz von sei­nem Rei­se­ver­an­stal­ter ver­langt hat, da ihm in sei­nem Urlaub ein Wasch­be­cken auf sei­nen Fuß gefal­len war. Der Klä­ger aus Han­no­ver buch­te bei einem Mün­che­ner Rei­se­ver­an­stal­ter eine Pau­schal­rei­se nach Fuer­te­ven­tu­ra vom 15.9.12 bis 6.10.12 zum Preis von 1158 Euro inklu­si­ve Trans­fer und Halb­pen­si­on. Am 16.9.12 lös­te sich das Wasch­be­cken im Bad sei­nes Hotel­stu­di­os aus der Hal­te­rung und zer­brach am Boden. Es fiel auf den rech­ten Fuß des Klä­gers, wodurch die­ser eine Prel­lung am Fuß­rü­cken und ein aus­ge­präg­tes Häma­tom an der Fuß­soh­le und am Fuß­rü­cken erlitt sowie anhal­ten­de Schmer­zen. Des­halb konn­te er den Urlaub nicht mehr genie­ßen und ins­be­son­de­re kei­nen Sport mehr trei­ben.

Das Wasch­be­cken war unter Beach­tung der ört­li­chen Vor­schrif­ten mon­tiert wor­den. Der Beklag­te, ein Mün­che­ner Rei­se­ver­an­stal­ter, über­prüft jedes Hotel, das er in sein Ange­bot auf­nimmt, vor­her durch geschul­te Mit­ar­bei­ter. Der Rei­se­ver­an­stal­ter hat zudem die Rei­se­lei­tung ange­wie­sen, bei fest­ge­stell­ten Män­geln sofort die Besei­ti­gung von der Hotel­lei­tung zu for­dern. Für den Fall, dass die Besei­ti­gung nicht umge­hend erfolgt, wur­de die Rei­se­lei­tung von dem Rei­se­ver­an­stal­ter ange­wie­sen, dass der Rei­se­ver­an­stal­ter sofort zu infor­mie­ren ist, damit er selbst vom Hotel die Män­gel­be­sei­ti­gung for­dern oder den Rei­sen­den in ein ande­res Hotel ver­le­gen kann.

Der Klä­ger ver­langt nun von dem Rei­se­ver­an­stal­ter Min­de­rung des Rei­se­prei­ses und Scha­dens­er­satz wegen der Arzt­kos­ten und Medi­ka­men­te zur Schmerz­lin­de­rung und Schmer­zens­geld.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass ein Rei­se­man­gel gege­ben ist, wenn die tat­säch­li­che Beschaf­fen­heit der Rei­se von der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Rei­se abweicht und dadurch der Nut­zen der Rei­se auf­ge­ho­ben oder gemin­dert wird. Die erwar­te­te Beschaf­fen­heit der Rei­se wird grund­sätz­lich durch die Ver­ein­ba­run­gen, in der Regel die Rei­se­be­stä­ti­gung und Pro­spekt­an­ga­ben, vor­ge­ge­ben. Die Abwei­chung kann ins­be­son­de­re dar­in lie­gen, dass eine nach dem Ver­trag geschul­de­te Leis­tung nicht oder nicht in der gebo­te­nen Art und Wei­se erbracht wird, wobei sie aus dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Rei­se­ver­an­stal­ters stam­men muss.

Soll­te das Hotel als Leis­tungs­trä­ger vor Ort eine Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt haben, wür­de damit zugleich auch der Rei­se­ver­an­stal­ter eine Obhuts- und Für­sor­ge­pflicht ver­letz­ten, für die er haf­ten müss­te. Denn das Ver­schul­den des Hotels ist dem Ver­an­stal­ter zuzu­rech­nen. Der Rei­se­ver­an­stal­ter schul­det auf­grund die­ser Obhuts- und Für­sor­ge­pflicht gegen­über dem Rei­sen­den die Abwehr von sol­chen Gefah­ren aus den Rei­se­leis­tun­gen, mit denen der Kun­de nicht zu rech­nen brauch­te. Dar­un­ter fal­len auch Beein­träch­ti­gun­gen durch Sicher­heits­de­fi­zi­te. Jedoch umfasst die Ver­kehrs­si­cher­heits­pflicht nur sol­che Maß­nah­men, die ein umsich­ti­ger und ver­nünf­ti­ger Mensch für not­wen­dig hal­ten darf, um ande­re vor Schä­den zu schüt­zen. Das Amts­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass das Wasch­be­cken nach den ört­li­chen und damit allein maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten ord­nungs­ge­mäß ein­ge­baut war und ohne vor­he­ri­ge Anzei­chen her­un­ter­ge­fal­len ist. Selbst wenn die Befes­ti­gung aus Haken und Dübeln und Kle­be­mas­se im Lauf der Zeit schim­me­lig und ros­tig und dadurch lose gewor­den sei, habe nichts dar­auf hin­ge­deu­tet, dass das Wasch­be­cken zur Gefahr gewor­den ist. Das Hotel und sein Per­so­nal muss­ten inso­weit nicht mit einer Gefahr für den Rei­sen­den rech­nen, zumal das Wasch­be­cken auch regel­mä­ßig durch das Rei­ni­gungs­per­so­nal abge­wischt und dadurch auch belas­tet wor­den sein muss. Es sei auch kei­ner­lei Man­gel gemel­det wor­den. Von Sei­ten des Hotels lie­ge kei­ne Pflicht­ver­let­zung vor.

Das Amts­ge­richt stellt wei­ter fest, dass auch der Rei­se­ver­an­stal­ter selbst nicht eine Pflicht bei der Aus­wahl und Kon­trol­le des Hotels ver­letzt hat. Soweit es sich um Leis­tungs­trä­ger inner­halb der EU han­delt, darf der Ver­an­stal­ter von einem Min­dest­stan­dard aus­ge­hen, so dass Stich­pro­ben genü­gen. Die­se stich­pro­ben­ar­ti­gen Kon­trol­len müs­sen in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wäh­rend der Bele­gungs­dau­er auch ohne kon­kre­ten Anlass vor­ge­nom­men wer­den. Hier­bei müs­sen alle wesent­li­chen Ein­rich­tun­gen des Hotels auf sol­che Sicher­heits­ri­si­ken über­prüft wer­den, die sich bei genaue­rem Hin­se­hen jeder­mann offen­ba­ren, nicht jedoch ver­steck­te Män­gel, mit denen nicht gerech­net wer­den muss.

Das Amts­ge­richt kam zur Über­zeu­gung, dass eine Locke­rung der Befes­ti­gung des Wasch­be­ckens bei Sicht­kon­trol­len durch Kon­trol­leu­re des Ver­an­stal­ters nicht erkenn­bar gewe­sen sei. Die Anfor­de­run­gen an die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht dürf­ten nicht über­spannt wer­den. Die Pflicht beur­teilt sich danach, ob über den rei­nen Funk­ti­ons­man­gel hin­aus ein nahe­lie­gen­des Sicher­heits­ri­si­ko für den Hotel­gast vor­liegt und auch als sol­ches erkenn­bar ist. Es kön­ne nicht ver­langt wer­den vom Rei­se­ver­an­stal­ter, dass er sich nach dem Ein­bau nach der Art der Befes­ti­gung des Wasch­be­ckens erkun­di­gen muss oder durch regel­mä­ßi­ges Belas­ten des­sen Stand­fes­tig­keit kon­trol­lie­ren muss.

Da der Unfall mit dem Wasch­be­cken kein Rei­se­man­gel ist, kann der Klä­ger kei­ne Min­de­rung des Rei­se­prei­ses, kei­nen Scha­dens­er­satz wegen der Arzt- und Medi­ka­men­ten­kos­ten und kein Schmer­zens­geld ver­lan­gen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 3. Dezem­ber 2013 – 274 C 14644/​13