Wenn der Hund plötz­lich bellt…

Auch ein ange­lein­ter plötz­lich bel­len­der Hund ver­wirk­licht die Hun­de­hal­ter­haf­tung.

Wenn der Hund plötz­lich bellt…

Mit die­ser Begrün­dung hat­te jetzt die Kla­ge einer Kran­ken­kas­se gegen eine Hun­de­hal­te­rin vor dem Land­ge­richt Coburg Erfolg. Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin stürz­te in der Nähe des ange­lein­ten Hun­des, wodurch das Gericht die Haf­tung der Hun­de­hal­te­rin für Tier­ge­fah­ren als gege­ben ange­se­hen hat.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall stürz­te die bei der kla­gen­den Kran­ken­kas­se Ver­si­cher­te im Mai 2010 vor einem Gemü­se­la­den. Dort war an einem Zaun­pfos­ten der Dackel­misch­ling der Beklag­ten an einem län­ge­ren Stück Frei­lauf­lei­ne ange­bun­den. Beim Vor­bei­ge­hen am ange­bun­de­nen Hund stürz­te die Frau und brach sich einen Len­den­wir­bel sowie das lin­ke Hand­ge­lenk. Die Kran­ken­ver­si­che­rung woll­te von der Hal­te­rin des Dackel­misch­lings über 6.500,00 Euro Behand­lungs­kos­ten. Die Kran­ken­kas­se behaup­te­te, dass der Hund bel­lend auf ihre Ver­si­cher­te zuge­lau­fen sei. Die­se sei vor Schreck einen Schritt zurück­ge­wi­chen und zu Boden gestürzt. Die kla­gen­de Kran­ken­kas­se meint, dass die Hun­de­hal­te­rin auf­grund der gesetz­lich gere­gel­ten Tier­hal­ter­haf­tung für den Unfall ver­ant­wort­lich sei.

Die Beklag­te brach­te zu ihrer Ver­tei­di­gung vor, dass sich ihr Hund gar nicht bewegt habe. Die spä­ter Gestürz­te sei auf ihren Hund zuge­lau­fen und dann vor dem Hund ste­hen geblie­ben. Plötz­lich habe sie sich rück­wärts bewegt und sei zu Boden gestürzt. Ihr Hund habe weder gebellt und auch nicht ver­sucht die Pas­san­tin anzu­sprin­gen. Daher hät­te sich beim Sturz die Tier­ge­fahr ihres Hun­des nicht ver­wirk­licht.

Nach Über­zeu­gung des Land­ge­richts Coburg lief der Hund der Beklag­ten auf die Ver­si­cher­te der Kran­ken­kas­se zu und bell­te sie an. Die­se wich aus Schreck einen Schritt zurück und stürz­te dabei zu Boden. Das Gericht konn­te sich inso­weit auf zwei über­ein­stim­men­de unab­hän­gi­ge Zeu­gen stüt­zen.

In dem Ver­hal­ten, dass sich der Hund knur­rend und bel­lend auf einen Men­schen zu bewegt, sah das Gericht zwei­fels­frei ein typi­sches Tier­ver­hal­ten. Damit hat sich im Sturz der Ver­si­cher­ten eine vom Tier aus­ge­hen­de Gefahr rea­li­siert.

Auch ein Mit­ver­schul­den der Ver­si­cher­ten konn­te das Gericht nicht erken­nen. Der Hund sprang plötz­lich auf und rann­te an einer län­ge­ren Frei­lauf­lei­ne auf die Laden­be­su­che­rin zu. Ein sol­ches Ver­hal­ten des Hun­des war nicht vor­her­seh­bar. Des­halb gab das Land­ge­richt der Kla­ge der Kran­ken­ver­si­che­rung statt und die Hun­de­hal­te­rin muss­te die Behand­lungs­kos­ten bezah­len.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 22. Juli 2011 – 13 O 150/​11