Wenn der Klä­ger den Beklag­ten beerbt – freut sich die Gerichts­kas­se

Wird ein Rechts­streit durch Kon­fu­si­on been­det, weil die Par­tei Allein­er­be ihres Pro­zess­geg­ners gewor­den ist, endet das Ver­fah­ren wegen des Ver­bots des Insich­pro­zes­ses in der Haupt­sa­che. In einem sol­chen Fall ist kei­ner der Ermä­ßi­gungs­tat­be­stän­de nach Nr. 1211 GKG-KV erfüllt und kann auch nicht durch eine nach­träg­li­che Pro­zesser­kä­rung her­bei­ge­führt wer­den.

Wenn der Klä­ger den Beklag­ten beerbt – freut sich die Gerichts­kas­se

Die 3, 0‑Verfahrensgebühr nach Nr. 1210 GKG-KV ent­steht regel­mä­ßig für das gesam­te Ver­fah­ren im all­ge­mei­nen und zwar mit der Ein­rei­chung der unbe­ding­ten und unter­schrie­be­nen Kla­ge­schrift bzw. Wider­kla­ge beim Gericht (§ 6 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 GKG; Hart­mann, a.a.O., § 6 GKG Rn. 3 ff., Nr. 1210 GKG-KV Rn. 1 und 15, je m.w.N.). Es ent­steht in kei­ner Instanz eine Urteils­ge­bühr [1] mehr. Des­halb kann es auch nicht zum Weg­fall von Urteils­ge­büh­ren kom­men, wenn der Rechts­streit ohne ein Urteil been­det wird.

Vor­lie­gend wur­de die­ser been­det durch Kon­fu­si­on. Denn wenn die Par­tei eines Rechts­streits Allein­er­bin ihres Geg­ners wird – wie hier, endet das Ver­fah­ren wegen des Ver­bots des Insich­pro­zes­ses in der Haupt­sa­che. Auch eine Kos­ten­ent­schei­dung nach § 91a ZPO kommt in die­sem Fall grund­sätz­lich nicht in Betracht [2].

Bei die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on ist kei­ner der Ermä­ßi­gungs­tat­be­stän­de nach Nr. 1211 GKG-KV erfüllt und kann auch nicht durch eine nach­träg­li­che Pro­zess­er­klä­rung der Klä­ge­rin wie Kla­ge­rück­nah­me oder Erle­di­gungs­er­klä­rung her­bei­ge­führt wer­den, da die­se Erklä­run­gen nach der tat­säch­li­chen Ver­fah­rens­be­en­di­gung durch die Kon­fu­si­on kei­ne recht­li­che Wir­kung mehr ent­fal­ten kön­nen.

Eine ana­lo­ge Anwen­dung von Nr. 1211 Z. 4 GKG-KV ist nicht mög­lich.

Es han­delt sich bei den Ermä­ßi­gungs­tat­be­stän­den der Nr. 1211 GKG-KV um Aus­nah­me­vor­schrif­ten, deren Aus­nah­me­cha­rak­ter eine wei­te Aus­le­gung und damit eine Ana­lo­gie ver­bie­tet [3].

Der kla­re Wort­laut der Aus­nah­me­vor­schrift der Nr. 1211 Z. 4 GKG-KV, auf deren Anwend­bar­keit sich die Klä­ge­rin beruft, ver­langt aber eine Been­di­gung des gesam­ten Ver­fah­rens durch Erle­di­gungs­er­klä­run­gen nach § 91a ZPO, wenn kei­ne Ent­schei­dung über die Kos­ten ergeht oder die Ent­schei­dung einer zuvor mit­ge­teil­ten Eini­gung der Par­tei­en über die Kos­ten­tra­gung oder der Kos­ten­über­nah­me­er­klä­rung einer Par­tei folgt. Nur dann ermä­ßigt sich die 3, 0-Gebühr nach Nr. 1210 GKG-KV auf eine 1, 0‑Gebühr.

Die Been­di­gung des gesam­ten Ver­fah­rens ist aber hier nicht durch Erle­di­gungs­er­klä­run­gen nach § 91a ZPO ein­ge­tre­ten, son­dern durch Kon­fu­si­on. Die­se beson­de­re und sel­te­ne Fall­kon­stel­la­ti­on kann nicht durch Ana­lo­gie unter den Ermä­ßi­gungs­tat­be­stand den Nr. 1211 Z. 4 GKG-KV sub­su­miert wer­den. Uner­heb­lich ist dabei die Über­le­gung, dass sich das Gericht eine Ent­schei­dung „erspart“, da der Gesetz­ge­ber gera­de vom Ent­ste­hen von Urteils­ge­büh­ren Abstand genom­men hat.

Die in die­sem Zusam­men­hang zitier­ten Ent­schei­dun­gen der Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf und Mün­chen [4] sind mit dem vor­lie­gen­den Sach­ver­halt nicht ver­gleich­bar.

Beim OLG Düs­sel­dorf ging es um eine Gebüh­ren­er­mä­ßi­gung nach KV-Nr. 1211 zu § 11 Abs. 2 GKG (a.F.), die auch dann bejaht wur­de, wenn ein Beschluss nach § 91a ZPO im Ein­zel­fall ana­log § 313a Abs. 2 ZPO kei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ent­hal­ten müs­se, da sich dann die Gleich­stel­lung die­ses Beschlus­ses mit dem Gebüh­ren­er­mä­ßi­gungs­tat­be­stand der KV-Nr. 1211 b) 3. Alter­na­ti­ve (a.F.) recht­fer­ti­ge.

Und das OLG Mün­chen hat fest­ge­stellt, dass es für den Ein­tritt der Gebüh­ren­er­mä­ßi­gung im Sin­ne von Nr. 1222 Z. 2 bzw. Nr. 1211 Z. 2 GKG-KV nur dar­auf ankom­me, ob das Urteil kei­nen Tat­be­stand und kei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ent­hal­te, nicht hin­ge­gen auf eine Ver­säu­mung der Frist des § 313a Abs. 3 ZPO und auch nicht auf die Fra­ge, ob im kon­kre­ten Fall tat­säch­lich eine Arbeits­er­spar­nis bei Gericht erfolgt sei und in wel­chem Umfang genau.

In bei­den Fäl­len han­delt es sich nicht um eine Ana­lo­gie dahin­ge­hend, dass ein voll­kom­men ande­rer Sach­ver­halt – näm­lich die tat­säch­li­che Pro­zess­be­en­di­gung durch Kon­fu­si­on – gleich behan­delt wer­den soll mit über­ein­stim­men­den Erle­di­gungs­er­klä­run­gen der Par­tei­en.

Eine der­art wei­te Ana­lo­gie ver­bie­tet sich auf­grund des Aus­nah­me­cha­rak­ters der Ermä­ßi­gungs­tat­be­stän­de der Nr. 1211 GKG-KV.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 24. Juli 2015 – 8 W 267/​15

  1. Hart­mann, a.a.O., Nr. 1210 GKG-KV Rn. 1 und 11, je m.w.N.[]
  2. BGH NJW-RR 2011, 488[]
  3. Hart­mann, a.a.O., Nr. 1211 GKG-KV Rn. 2 und 17; Hell­stab in Oestreich/​Hellstab/​Trenkle, GKG/​FamGKG, Stand Juni 2015, Nr. 1211 GKG-KV Rn. 36; je m.w.N.[]
  4. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 30.09.2004 – 10 W 100/​04, Beck­RS 2005, 02589; OLG Mün­chen, Beschluss vom 26.03.2015 – 11 W 365/​15, NJW 2015, 1765[]