Wenn die neue Zahn­pro­the­se schmerzt

Es liegt kein Behand­lungs­feh­ler vor, wenn ein Zahn­arzt eine mit
Stif­ten zu befes­ti­gen­de, beschä­dig­te Teil­pro­the­se durch eine Pro­the­se mit Tele­skop­kro­nen ersetzt.

Wenn die neue Zahn­pro­the­se schmerzt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Patie­tin abge­wie­sen, die von ihrer Zahn­ärz­tin Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld ver­langt hat. Die Klä­ge­rin, eine heu­te 57 Jah­re alte Pati­en­tin aus Oer-Erken­schwick, trug seit dem Jah­re 1989 im Unter­kie­fer eine her­aus­nehm­ba­re, mit einem Stift­sys­tem befes­tig­te Teil­pro­the­se. Auf­grund eines Pro­the­sen­scha­dens fer­tig­te die beklag­te Zahn­ärz­tin aus Oer-Erken­schwick im April 2008 eine pro­the­ti­sche Neu­ver­sor­gung an, bei der die älte­re Pro­the­se durch eine Pro­the­se mit Tele­skop­kro­nen ersetzt wur­de. In den nächs­ten Mona­ten ersetz­te die Beklag­te die Pro­the­se durch eine Neu­an­fer­ti­gung und nahm Repa­ra­tu­ren und Anpas­sun­gen vor. Aus Sicht der Klä­ge­rin ver­blie­ben den­noch Beschwer­den. Mit der Begrün­dung, die Neu­ver­sor­gung sei bereits nicht indi­ziert gewe­sen, feh­ler­haft aus­ge­führt und sie, die Klä­ge­rin, nicht hin­rei­chend auf­ge­klärt wor­den, hat die Klä­ge­rin von der Beklag­ten sodann Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld von 20.000 Euro und Ersatz eines Haus­halts­füh­rungs­scha­dens von über 40.000 Euro. Nach­dem ihre Kla­ge vor dem Land­ge­richt Bochum kei­nen Erfolg hat­te, hat sie ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm sei die pro­the­ti­sche Neu­ver­sor­gung der Klä­ge­rin sei indi­ziert gewe­sen. Eine Repa­ra­tur der alten Pro­the­se wäre eben­so auf­wen­dig gewe­sen wie die Neu­ver­sor­gung. Auch die Repa­ra­tur hät­te das Risi­ko von Druck­stel­len beinhal­tet, zudem wäre eine Schwach­stel­le im Bereich der Stif­te zurück­ge­blie­ben. Die Neu­ver­sor­gung sei fach­ge­recht aus­ge­führt wor­den, eine unzu­rei­chen­de par­odon­ta­le Befun­dung oder die Beschä­di­gung eines in die Neu­ver­sor­gung ein­be­zo­ge­nen Eck­zahns sei­en nicht fest­zu­stel­len. Dass die Beklag­te eine par­odon­ta­le Befun­dung nicht doku­men­tiert habe, habe kei­ne gegen­tei­li­ge Indi­zwir­kung, weil inso­weit aus zahn­me­di­zi­ni­scher Sicht kei­ne Doku­men­ta­ti­ons­pflicht bestan­den habe. Dann sei sie auch aus juris­ti­scher Sicht nicht zu for­dern. Dass die Beklag­te auf Beschwer­den der Klä­ge­rin, ins­be­son­de­re Druck­stel­len, unzu­rei­chend reagiert habe, las­se sich eben­falls nicht fest­stel­len.

In die zahn­ärzt­li­che Behand­lung habe die Klä­ge­rin auch wirk­sam ein­ge­wil­ligt. Über die Neu­ver­sor­gung sei sie aus­rei­chend infor­miert wor­den, die­se sei auf der Basis eines der Klä­ge­rin zuvor aus­ge­hän­dig­ten Kos­ten­vor­anschla­ges vor­ge­nom­men und der Klä­ge­rin gegen­über abge­rech­net wor­den, wobei sie ihren Eigen­an­teil gezahlt habe. Hier­aus sei zu schlie­ßen, dass ihr der Umfang der Arbei­ten bekannt gewe­sen sei und sie die­se gebil­ligt habe. Über Behand­lungs­al­ter­na­ti­ven sei die Klä­ge­rin nicht unzu­rei­chend auf­ge­klärt wor­den. Die Mög­lich­keit einer kom­plett auf Implan­ta­te gestütz­ten Neu­ver­sor­gung sei mit ihr erör­tert und letzt­lich wegen der Kos­ten und auch aus medi­zi­ni­schen Grün­den abge­lehnt wor­den. Wei­te­re fach­ge­rech­te Behand­lungs­al­ter­na­ti­ven habe es nicht gege­ben.

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat weder einen Behand­lungs- noch einen Auf­klä­rungs­feh­ler der Beklag­ten fest­stel­len kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 10. März 2014 – 26 U 76/​12