Wenn die Stu­te nach dem Hengst tritt

In dem Aus­tre­ten einer Stu­te bei der Paa­rung, durch die der Hengst ver­letzt wird, kann sich eine typi­sche Tier­ge­fahr rea­li­sie­ren, so dass der Hal­ter der Stu­te grund­sätz­lich haft­bar ist. Hat der Hal­ter des Hengs­tes aber wäh­rend der Deckung sein Tier nicht geschützt, hat die­ser auf eige­ne Gefahr gehan­delt, ist das Ver­let­zungs­ri­si­ko sehen­den Auges ein­ge­gan­gen und hat damit die Ver­let­zung des Pfer­des selbst ver­schul­det.

Wenn die Stu­te nach dem Hengst tritt

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Klä­ge­rin, deren Hengst auf­grund hef­ti­ger Trit­te von einer Stu­te ein­ge­schlä­fert wer­den muss­te und die nun von der Hal­te­rin der Stu­te Ersatz für den Wert des Pfer­des in Höhe von 25.000 Euro ver­langt. Im Mai 2011 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en, dass der Ara­ber­hengst der Klä­ge­rin aus einem Gestüt im Rhein­gau die Stu­te der Beklag­ten aus Rhein­hes­sen decken soll­te. Die Bede­ckung soll­te nicht durch künst­li­che Besa­mung, son­dern auf natür­li­che Wei­se (Natur­sprung) erfol­gen, wobei Hengst und Stu­te am lan­gen Zügel geführt wur­den. Auf eine Siche­rung der Stu­te durch Spann­stri­cke oder eine Ver­paa­rung im Pro­bier­stand wur­de ein­ver­nehm­lich ver­zich­tet. Nach­dem sich die Pfer­de auf einer Wie­se im Rhein­gau beschnup­pert hat­ten, signa­li­sier­te die Stu­te ihre Paa­rungs­be­reit­schaft und der Hengst sprang von hin­ten auf sie auf. Als er mit den Vor­der­bei­nen wie­der auf dem Boden lan­de­te, trat die Stu­te nach hin­ten aus. Der Tritt traf den Hengst am rech­ten Vor­der­bein, wodurch er einen nicht ope­ra­blen Trüm­mer­bruch erlitt und noch am sel­ben Tag ein­ge­schlä­fert wer­den muss­te. Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, die Beklag­te müs­se als Hal­te­rin der Stu­te für den Tritt haf­ten und begehrt ins­be­son­de­re Ersatz für den Wert des Pfer­des in behaup­te­ter Höhe von 25.000,- €. Die Beklag­te erwi­dert, die übli­chen Sicher­heits­vor­keh­run­gen sei­en außer Acht gelas­sen wor­den, so dass die Klä­ge­rin selbst für den ent­stan­de­nen Scha­den ver­ant­wort­lich sei.

Bereits das Land­ge­richt Mainz hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Klä­ge­rin als Hal­te­rin und Eigen­tü­me­rin des Hengs­tes habe auf jede Maß­nah­me zum Schutz ihres Tie­res vor Ver­let­zun­gen ver­zich­tet. Das dar­aus resul­tie­ren­de über­wie­gen­de Mit­ver­schul­den schlie­ße eine Haf­tung der Beklag­ten aus. Die Klä­ge­rin ver­folgt ihr Ziel wei­ter mit der Beru­fung.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz habe sich zwar in dem Aus­tre­ten der Stu­te eine typi­sche Tier­ge­fahr rea­li­siert, so dass der Klä­ge­rin ein Anspruch zwar grund­sätz­lich zuste­hen könn­te. Die­ser schei­te­re aber dar­an, dass die Klä­ge­rin wäh­rend der Deckung ihren Hengst nicht geschützt, damit auf eige­ne Gefahr gehan­delt und die Ver­let­zung des Pfer­des selbst ver­schul­det habe. Das Aus­tre­ten der Stu­te wäh­rend der Paa­rung sei ein natür­li­ches Ver­hal­ten, mit dem wäh­rend eines Deck­ak­tes zu rech­nen sei. Weil die Pfer­de am Zügel gehal­ten wor­den sei­en, hät­ten sie die Zwi­schen­schrit­te der Kon­takt­auf­nah­me nicht wie beim frei­en Decken aus­le­ben kön­nen. Trotz­dem habe die Klä­ge­rin kei­ne Maß­nah­men zum Schutz ihres Hengs­tes ergrif­fen und sei das Ver­let­zungs­ri­si­ko sehen­den Auges ein­ge­gan­gen. Der Geschä­dig­te kön­ne den Schä­di­ger aber dann nicht mit Erfolg in Anspruch neh­men, wenn er sich bewusst in eine Situa­ti­on dro­hen­der Eigen­ge­fähr­dung bege­ben habe. Durch das Zufüh­ren des Hengs­tes zur Stu­te in der kon­kre­ten Art und Wei­se ohne jede Siche­rungs­maß­nah­me fol­ge eine bewuss­te Risi­ko­über­nah­me mit der Fol­ge, dass die Haf­tung der Beklag­ten für das Ver­hal­ten ihrer Stu­te voll­stän­dig ent­fal­le.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschlüs­se vom 16. Mai und 10. Juni 2013 – 3 U 1486/​12