Wenn die Täto­wie­rung dane­ben geht

Bei einem man­gel­haft aus­ge­führ­ten Tat­too kann eine Nach­bes­se­rung unzu­mut­bar sein. Der Betrof­fe­ne muss wei­te­ren Arbei­ten des Täto­wie­rers nicht ver­trau­en und kann Schmer­zens­geld ver­lan­gen.

Wenn die Täto­wie­rung dane­ben geht

So das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Käge­rin aus Reck­ling­hau­sen, deren Täto­wie­rung einer far­bi­ge Blü­te und Ran­ken auf dem rech­ten Schul­ter­blatt man­gel­haft aus­ge­führt wor­den war. Im März 2011 beauf­trag­te sie den beklag­ten Inha­ber eines Tat­too­stu­di­os in Oer-Erken­schwick, der nach einem Ent­wurf der Klä­ge­rin die far­bi­ge Blü­te nebst Ran­ken täto­wier­te. Dabei brach­te er die Far­be in zu tie­fe Haut­schich­ten ein. Die Täto­wie­rung ent­sprach nicht mehr dem Ent­wurf, es kam zu Ver­kan­tun­gen, unre­gel­mä­ßig dick aus­ge­führ­ten Lini­en und Farb­ver­läu­fen. Die Klä­ge­rin ver­lang­te des­we­gen ein Schmer­zens­geld und lehn­te es ab, die Täto­wie­rung durch den Beklag­ten nach­bes­sern zu las­sen. Gegen das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Bochum hat der Beklag­te Beru­fung ein­ge­legt, da er kein Schmer­zens­geld zah­len woll­te.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, das Ste­chen der Täto­wie­rung sei tat­be­stand­lich eine Kör­per­ver­let­zung, die im vor­lie­gen­den Fall nicht durch eine Ein­wil­li­gung der Klä­ge­rin gerecht­fer­tigt sei. Die Klä­ge­rin sei ledig­lich mit einem tech­nisch und gestal­te­risch man­gel­frei­en Tat­too ein­ver­stan­den gewe­sen, wel­ches der zuvor gebil­lig­ten Skiz­ze ent­spro­chen habe. Ein sol­ches habe der Beklag­te nicht aus­ge­führt. Die Klä­ge­rin kön­ne sich das Tat­too mit­tels einer Laser­be­hand­lung ent­fer­nen las­sen, die wei­te­re Kos­ten in der­zeit noch nicht abseh­ba­rer Höhe ver­ur­sa­che. Auch die­se Kos­ten habe der Beklag­te zu tra­gen.

Auf eine Nach­bes­se­rung durch den Beklag­ten, der ange­bo­ten habe, die bean­stan­de­ten Stel­len durch eine von ihm beauf­trag­te Laser­be­hand­lung ent­fer­nen zu las­sen und dann selbst neu zu täto­wie­ren, müs­se sich die Klä­ge­rin im vor­lie­gen­den Fall nicht ein­las­sen. Eine der­ar­ti­ge Nach­bes­se­rung sei ihr nicht zuzu­mu­ten, wei­te­ren Arbei­ten des Beklag­ten müs­se sie ange­sichts des Umfangs der auf­ge­tre­te­nen Män­gel und der not­wen­di­gen Nach­ar­bei­ten nicht ver­trau­en. Da es um Arbei­ten gehe, deren Dul­dung mit kör­per­li­chen Schmer­zen ver­bun­den sein und die – schlecht aus­ge­führt – gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen nach sich zie­hen könn­ten, kom­me dem Ver­trau­en des Kun­den in die Leis­tungs­fä­hig­keit des Täto­wie­rers eine beson­de­re Bedeu­tung zu.

Nach dem vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm erteil­ten Hin­weis hat der Beklag­te sei­ne Beru­fung gegen das erst­in­stanz­li­che Urteil zurück­ge­nom­men. Er schul­det der Klä­ge­rin damit das vom Land­ge­richt aus­ge­ur­teil­te Schmer­zens­geld i.H.v. 750 Euro sowie Ersatz wei­te­rer Schä­den, die der Klä­ge­rin aus der Besei­ti­gung des Tat­toos ent­ste­hen kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 5. März 2014 – 12 U 151/​13