Wenn nur der Chef­arzt ope­rie­ren soll

Ein Pati­ent, der nur durch den Chef­arzt ope­riert wer­den will und nicht durch sei­nen Ver­tre­ter, hat dies bei sei­ner Ein­wil­li­gung zur Ope­ra­ti­on oder in sei­nem Wahl­leis­tungs­ver­trag hin­rei­chend deut­lich zu machen.

Wenn nur der Chef­arzt ope­rie­ren soll

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Scha­dens­er­satz­kla­ge eines Pati­en­ten abge­wie­sen, der nach sei­ner Mei­nung vom Ver­tre­ter des Chef­arz­tes ohne sei­ne Zustim­mung ope­riert wor­den ist. Der sei­ner­zeit 64 Jah­re alte Klä­ger aus Rhe­da-Wie­den­brück litt im Juli 2007 seit län­ge­rer Zeit unter einer andau­ern­den Behin­de­rung der Nasen­at­mung und häu­fi­gen Ent­zün­dun­gen der Nasen­ne­ben­höh­len. Zur Durch­füh­rung einer Ope­ra­ti­on begab er sich in das erst­be­klag­te Kran­ken­haus in Bie­le­feld, wobei er mit dem zweit­be­klag­ten Arzt eine Chef­arzt­be­hand­lung ver­ein­bar­te und vom dritt­be­klag­ten Arzt als Ver­tre­ter des Chef­arz­tes kom­pli­ka­ti­ons­los ope­riert wur­de. Eine nach der Ope­ra­ti­on auf­ge­tre­te­ne Nach­blu­tung konn­te mit Tam­po­na­den gestoppt wer­den. Mit der Begrün­dung, die Ope­ra­ti­on sei nicht indi­ziert gewe­sen, ohne aus­rei­chen­de Auf­klä­rung, ins­be­son­de­re ohne sei­ne Zustim­mung vom Dritt­be­klag­ten, und zudem feh­ler­haft durch­ge­führt wor­den, hat der Klä­ger von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld von 75.000 Euro.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm deut­lich gemacht, dass der chir­ur­gi­sche Ein­griff indi­ziert gewe­sen sei, nach­dem eine vor­he­ri­ge kon­ser­va­ti­ve
The­ra­pie erfolg­los geblie­ben war. Das bestä­ti­ge auch ein zuvor erho­be­ner CT-Befund. Wäh­rend und nach der Ope­ra­ti­on sei der Klä­ger nicht feh­ler­haft behan­delt wor­den. Auf die Nach­blu­tung hät­ten die Ärz­te fach­ge­recht reagiert. Lebens­ge­fahr habe nicht bestan­den.

Schließ­lich fal­le den Beklag­ten auch kein Auf­klä­rungs­ver­säum­nis zur Last. Ein Pati­ent kön­ne zwar einer Ope­ra­ti­on mit der Maß­ga­be zustim­men, dass die­se durch einen bestimm­ten Arzt aus­ge­führt wer­de. Das habe der Klä­ger im vor­lie­gen­den Fall in Bezug auf den zweit­be­klag­ten Chef­arzt aller­dings nicht getan. Eine der­ar­ti­ge Erklä­rung ent­hal­te der vom Klä­ger abge­schlos­se­ne Wahl­leis­tungs­ver­trag nicht. Auch den vom Klä­ger vor der Ope­ra­ti­on abge­ge­be­nen Ein­ver­ständ­nis­er­klä­run­gen sei nicht zu ent­neh­men, dass der Klä­ger nur vom Zweit­be­klag­ten ope­riert wer­den wol­le. Der Ver­trag benen­ne zudem den Dritt­be­klag­ten als ärzt­li­chen Ver­tre­ter des Chef­arz­tes. Das kön­ne man so ver­ste­hen, dass der Klä­ger auch mit einer vom Ver­tre­ter aus­ge­führ­te Ope­ra­ti­on ein­ver­stan­den gewe­sen sei. Abge­se­hen von der Fra­ge der Arzt­wahl sei der Klä­ger am Tage vor der Ope­ra­ti­on recht­zei­tig und auch zutref­fend über das Risi­ko einer Nach­blu­tung auf­ge­klärt wor­den.

Da das Ober­lan­des­ge­richt kei­ne feh­ler­haf­te Behand­lung des Klä­gers und auch kei­ne Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung fest­stel­len konn­te, ist die Scha­dens­er­satz­kla­ge erfolg­los geblie­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 2. Sep­tem­ber 2014 – 26 U 30/​13