Wenn zwei Hun­de… – oder: der gebis­se­ne Hun­de­hal­ter

Gera­ten zwei Hun­de in Streit und erlei­det die Besit­ze­rin eines der Hun­de dadurch eine Ver­let­zung, ist die Tier­ge­fahr, die von ihrem eige­nen Hund aus­ging, bei der Fest­set­zung des Schmer­zens­gel­des zu berück­sich­ti­gen.

Wenn zwei Hun­de… – oder: der gebis­se­ne Hun­de­hal­ter

An einem Nach­mit­tag im Novem­ber 2009 gin­gen zwei Münch­ne­rin­nen mit ihren Hun­den im Eng­li­schen Gar­ten spa­zie­ren. Zwi­schen bei­den Hun­den, einem Labra­dor­misch­ling und einem Rid­ge­back, kam es zu einer Rau­fe­rei. Als die Hun­de kurz­zei­tig von­ein­an­der los­lie­ßen, hielt die Besit­ze­rin des Labra­dor­misch­lings ihren Hund fest. Der Rid­ge­back lief auf sie zu und biss sie in die Hand. Die Hun­de­be­sit­ze­rin erlitt dadurch eine Blut­ver­gif­tung, hat­te Fie­ber und erheb­li­che Schmer­zen. Erst nach unge­fähr 3 Mona­ten war sie wie­der unein­ge­schränkt arbeits­fä­hig. Zurück blie­ben aller­dings Nar­ben, eine Sen­si­bi­li­täts­stö­rung auf dem Rücken der Hand und Span­nungs­schmer­zen.

Die Hun­de­be­sit­ze­rin ver­lang­te daher Schmer­zens­geld von der Hal­te­rin des Rid­ge­back. Deren Haft­pflicht­ver­si­che­rung bezahl­te ihr dar­auf­hin 750 Euro. Dies sei nicht aus­rei­chend, mein­te die Hal­te­rin des Labra­dor­misch­lings, und erhob Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen auf Zah­lung wei­te­rer 2250 €.

Das Amts­ge­richt Mün­chen sprach ihr jedoch nur ein gerin­ge­res Schmer­zens­geld in Höhe von wei­te­ren 1250 € zu:

Grund­sätz­lich wäre ein Schmer­zens­geld in Höhe von 2500 € ange­mes­sen, so das Amts­ge­richt Mün­chen, wenn man nur die Ver­let­zun­gen und ihre Fol­gen berück­sich­ti­ge (Blut­ver­gif­tung, vol­le Arbeits­fä­hig­keit erst nach Mona­ten, Fie­ber und Schmer­zen sowie die Span­nungs­schmer­zen, Sen­si­bi­li­täts­stö­run­gen und Nar­ben).

Aller­dings sei die Tier­ge­fahr des Hun­des der Klä­ge­rin haf­tungs­mil­dernd zu berück­sich­ti­gen. Die Aggres­si­on sei letzt­lich von dem Labra­dor­misch­ling aus­ge­gan­gen. Er habe daher die Ver­let­zungs­ge­fahr sei­ner Hal­te­rin mit­be­grün­det, die sich dann in dem Biss rea­li­siert habe. Auch nach der Unter­bre­chung der Rau­fe­rei sei­en die Hun­de noch so auf­ge­wühlt gewe­sen, dass der Biss des Hun­des der Beklag­ten noch das Resul­tat des Kamp­fes sei, wenn auch nur mit­tel­bar. Unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de sei daher ein Abzug von einem Fünf­tel zu machen. Der Klä­ge­rin ste­he daher ein Schmer­zens­geld in Höhe von 2000 € zu. Hier­von sei­en die gezahl­ten 750 € abzu­zie­hen und ihr somit noch 1250 Euro zuzu­spre­chen.

Ein eige­nes Mit­ver­schul­den der Klä­ge­rin lie­ge indes nicht vor. Sie habe nicht mit blo­ßer Hand in das Geran­gel gegrif­fen, son­dern erst in einer Kampf­pau­se ihren eige­nen Hund fest­hal­ten wol­len. Dies sei – anders als der Ver­such, mit blo­ßer Hand sich ver­bei­ßen­de Hun­de zu tren­nen – zuläs­sig und nach­voll­zieh­bar und füh­re daher nicht zu einer wei­te­ren Kür­zung des Schmer­zens­gel­des.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 1. April 2011 – 261 C 32374/​10