Wer nicht ange­leint ist wird geräumt

Die Belei­di­gung des Mit­mie­ters als Rechts­ra­di­ka­len, nach­dem die­ser vom Hund ange­grif­fen wor­den ist, und das mehr­fa­che Nicht­an­lei­nen des Hun­des kön­nen zu einer frist­lo­sen Kün­di­gung durch den Ver­mie­ter füh­ren.

Wer nicht ange­leint ist wird geräumt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Räu­mungs­kla­ge der Ver­mie­te­rin Recht gege­ben, die einer Mie­te­rin mit Hund frist­los gekün­digt hat­te, die­se aber nicht aus­zie­hen woll­te. Die Beklag­te ist seit 2003 Mie­te­rin einer Woh­nung im Stadt­teil Gie­sing in Mün­chen. Sie besitzt den Ber­ner Sen­nen­hund-Misch­ling Max und hat von der Ver­mie­te­rin die Geneh­mi­gung, den Hund Max in der Woh­nung zu hal­ten. Die Hun­de­hal­tung darf jedoch nicht zur Stö­rung und Beläs­ti­gung der ande­ren Mie­ter füh­ren. Am 14.12.12 hat die Mie­te­rin mit der Ver­mie­te­rin eine Ver­ein­ba­rung getrof­fen, dass Max fort­an auf dem Gelän­de der Ver­mie­te­rin an einer far­bi­gen Hun­de­lei­ne von maxi­mal 2 Metern Län­ge geführt wird, sobald er die Woh­nung ver­lässt. Die Mie­te­rin ließ mehr­fach den Hund Max nicht ange­leint in der Wohn­an­la­ge umher­lau­fen und wur­de dafür von der Ver­mie­te­rin abge­mahnt.

Am 27.5.13 gegen 23.25 Uhr begeg­ne­te ein Mit­mie­ter aus der Wohn­an­la­ge dem nicht ange­lein­ten Hund Max, der zu die­sem Zeit­punkt sehr aggres­siv war. Die Beklag­te, die einen 1,8 Meter lan­gen und 3 – 5 Zen­ti­me­ter dicken Schä­fer­stock in der Hand hielt, lief dem Hund hin­ter­her. Der Hund stürm­te auf den Zeu­gen zu, bell­te ihn aggres­siv an und ver­such­te, ihn anzu­grei­fen. Dar­auf­hin schrie der Zeu­ge den Hund an, so dass die­ser von ihm abließ. Als der Mit­mie­ter den Hund Max mit sei­nem I‑Phone foto­gra­fie­ren will, schlägt die Mie­te­rin mit ihrem Stock in Rich­tung des Zeu­gen und ver­fehlt ihn nur knapp an der Schul­ter. Sie belei­digt ihn dabei als Rechts­ra­di­ka­len. Dar­auf­hin kün­dig­te die Ver­mie­te­rin der Mie­te­rin samt dem Hund Max außer­or­dent­lich und frist­los. Die Mie­te­rin akzep­tier­te die Kün­di­gung nicht und zog nicht aus. Daher erhob die Ver­mie­te­rin Räu­mungs­kla­ge.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen stel­le das Ver­hal­ten der Mie­te­rin in mehr­fa­cher Hin­sicht eine Ver­let­zung des Miet­ver­tra­ges dar. So sei der Hund nicht ange­leint gewe­sen, was jedoch aus Sicht des Amts­ge­richts die gering­fü­gigs­te Ver­trags­ver­let­zung dar­stel­le. Eine schwer­wie­gen­de Ver­trags­ver­let­zung sei die Belei­di­gung des Mit­mie­ters als Rechts­ra­di­ka­len sowie der Schlag mit dem Stock in Rich­tung des Kop­fes des Zeu­gen. Wenn auch der Schlag den Zeu­gen nicht getrof­fen hat, so han­de­le es sich doch um eine bedroh­li­che Ges­te zum Nach­teil eines Mit­mie­ters, der im Nach­bar­haus der glei­chen Wohn­an­la­ge lebe.

Aus die­sen Grün­den hat nun das Amts­ge­richt der Ver­mie­te­rin Recht gege­ben. Damit müs­sen der Hund Max und Frau­chen die Woh­nung räu­men.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. Okto­ber 2013 – 472 C 7153/​13