Wert­er­satz für ein unter­ge­gan­ge­nes Grund­stück

Geht Grund­ei­gen­tum infol­ge eines Umle­gungs­ver­fah­rens unter, rich­tet sich ein zuvor ent­stan­de­ner, auf Her­aus­ga­be des Eigen­tums gerich­te­ter berei­che­rungs­recht­li­cher Anspruch nicht auf die Her­aus­ga­be der Ersatz­grund­stü­cke, son­dern auf Wert­er­satz 1.

Wert­er­satz für ein unter­ge­gan­ge­nes Grund­stück

Für den Bun­des­ge­richts­hof folgt aus § 818 Abs. 1 BGB nicht, dass sich die Her­aus­ga­be­ver­pflich­tung auf die neu zuge­wie­se­nen Grund­stü­cke erstreckt. Nach die­ser Vor­schrift ist ein Sur­ro­gat nur im Fall der Zer­stö­rung, Beschä­di­gung oder Ent­zie­hung des erlang­ten Gegen­stan­des her­aus­zu­ge­ben. Die Umle­gung fällt nicht dar­un­ter. Bereits in dem von dem Beru­fungs­ge­richt genann­ten Urteil vom 16.11.2007 hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass sie kei­ne "Ent­zie­hung" im Sin­ne von § 818 Abs. 1 BGB dar­stellt, weil das Umle­gungs­ver­fah­ren kein Fall der Ent­eig­nung ist 2.

§ 818 Abs. 1 BGB ist auch nicht im Hin­blick auf § 63 Abs. 1 Satz 1 Bau­GB ent­spre­chend anzu­wen­den. Dies schei­det schon des­halb aus, weil die­se Vor­schrift einen berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruch auf Her­aus­ga­be des Eigen­tums nicht erfasst. Sie sieht zwar vor, dass sich die Rechts­ver­hält­nis­se, die die alten Grund­stü­cke betref­fen und die nicht auf­ge­ho­ben wer­den, an den zuge­teil­ten Grund­stü­cken fort­set­zen. Dies bezieht sich aber nur auf die in § 61 Abs. 1 Bau­GB gere­gel­ten Rechts­ver­hält­nis­se, die der Gestal­tungs­be­fug­nis der Umle­gungs­stel­le unter­lie­gen und deren Auf­he­bung, Ände­rung oder Neu­be­grün­dung durch den Umle­gungs­plan erfol­gen kann 3. Soweit zu die­sen Rechts­ver­hält­nis­sen gemäß § 61 Abs. 1 Satz 1 Bau­GB auch per­sön­li­che Rech­te zäh­len, "die zum Erwerb (…) eines im Umle­gungs­ge­biet gele­ge­nen Grund­stücks berech­ti­gen", sind nur ver­trag­li­che Ansprü­che gemeint. Dazu gehö­ren For­de­run­gen aus Kauf­ver­trä­gen sowie schuld­recht­lich ver­ein­bar­te Wie­der kaufs, Vor­kaufs- und Ankaufs­rech­te 4. Sons­ti­ge, auf Eigen­tums­ver­schaf­fung gerich­te­te schuld­recht­li­che Her­aus­ga­be­an­sprü­che sind nicht erfasst; sie wären einer Rege­lung durch den Umle­gungs­plan auch nicht zugäng­lich.

Weil § 818 Abs. 1 BGB unan­wend­bar ist, ist der Beklag­te "aus einem ande­ren Grun­de zur Her­aus­ga­be außer­stan­de" im Sin­ne von § 818 Abs. 2 BGB und schul­det Wert­er­satz.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 20. Janu­ar 2012 – V ZR 95/​11

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 16.11.2007 – V ZR 214/​06, NVwZ 2008, 591 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 16.11.2007 – V ZR 214/​06, NVwZ 2008, 591 f.[]
  3. Löhr in Battis/​Krautzberger/​Löhr, Bau­GB, 11. Aufl., § 63 Rn. 3; HKBauGB/​Kirchmeier, 2. Aufl., § 63 Rn. 2[]
  4. vgl. Löhr, aaO, § 61 Rn. 11; Brügelmann/​Schriever, Bau­GB [2007], § 61 Rn. 26; Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger/​Otte, Bau­GB [2011], § 61 Rn. 45; aA offen­bar BeckOK/​Grziwotz, Bau­GB [Stand 1.11.2011], § 63 Rn. 6[]