Wert­er­satz­pflicht bei Wider­ruf eines Fern­ab­satz­ver­trags

Bei Wider­ruf eines Fern­ab­satz­ver­trags hat der Ver­brau­cher kei­nen Wert­er­satz zu leis­ten, wenn er die Ware nur zu Prüf­zwe­cken in Gebrauch genom­men hat. Dies gilt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs auch dann, wenn die­se Inge­brauch­nah­me zu einer Wert­min­de­rung der Ware – oder wie im ent­schie­de­nen Fall sogar zu ihrer Wert­lo­sig­keit – führt.

Wert­er­satz­pflicht bei Wider­ruf eines Fern­ab­satz­ver­trags

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit schlos­sen die Par­tei­en im August 2008 per E‑Mail einen Kauf­ver­trag über ein Was­ser­bett zum Preis von 1.265 €. Das Ange­bot des Beklag­ten, der die Was­ser­bet­ten über das Inter­net zum Ver­kauf anbie­tet, war dem Klä­ger per eMail als ange­häng­te PDF-Datei über­sandt wor­den. Der Text der eMail ent­hält eine Wider­rufs­be­leh­rung. Im wei­te­ren Text der eMail heißt es: "Im Hin­blick auf die o. g. Wider­rufs­be­leh­rung wei­sen wir ergän­zend dar­auf hin, dass durch das Befül­len der Matrat­ze des Was­ser­bet­tes regel­mä­ßig eine Ver­schlech­te­rung ein­tritt, da das Bett nicht mehr als neu­wer­tig zu ver­äu­ßern ist."

Das Was­ser­bett wur­de gegen Bar­zah­lung beim Käu­fer ange­lie­fert. Der Käu­fer bau­te das Was­ser­bett auf und befüll­te die Matrat­ze mit Was­ser. Anschlie­ßend übte er sein Wider­rufs­recht aus. Nach Abho­lung des Was­ser­betts for­der­te er den Ver­käu­fer zur Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses auf. Der Ver­käu­fer erstat­te­te ledig­lich einen Betrag von 258 € und mach­te gel­tend, dass das Bett nicht mehr ver­käuf­lich sei; ledig­lich die Hei­zung mit einem Wert von 258 € sei wie­der ver­wert­bar.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Ber­lin-Wed­ding hat der auf Rück­zah­lung des rest­li­chen Kauf­prei­ses von 1.007 € gerich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung des Ver­käu­fers hat das Land­ge­richt Ber­lin zurück­ge­wie­sen 2.

Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Ver­käu­fers hat­te auch beim Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Erfolg, der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass der Käu­fer trotz des mög­li­cher­wei­se ein­ge­tre­te­nen Wert­ver­lusts den vol­len Kauf­preis zurück­ver­lan­gen kann, da er die Ware nur geprüft hat.

Ein frist­ge­recht erklär­ter Wider­spruch des Ver­brau­chers beim Fern­ab­satz­ver­trag hat zur Fol­ge, dass die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen von den Ver­trags­par­tei­en zurück­zu­ge­wäh­ren sind. Soweit der emp­fan­ge­ne Gegen­stand sich ver­schlech­tert hat oder unter­ge­gan­gen ist, muss der Schuld­ner statt der Rück­ga­be Wert­er­satz leis­ten. Dabei muss der Ver­brau­cher nach § 357 Abs. 3 Satz 1 BGB auch Wert­er­satz für eine durch die bestim­mungs­ge­mä­ße Inge­brauch­nah­me ent­stan­de­ne Ver­schlech­te­rung leis­ten, wenn er spä­tes­tens bei Ver­trags­schluss in Text­form auf die­se Rechts­fol­ge und eine Mög­lich­keit hin­ge­wie­sen wor­den ist, sie zu ver­mei­den. Die Wert­er­satz­pflicht besteht jedoch nach § 357 Abs. 3 BGB dann nicht, wenn die Ver­schlech­te­rung aus­schließ­lich auf die Prü­fung der Sache zurück­zu­füh­ren ist. Letz­te­res war vor­lie­gend der Fall. Der Auf­bau des Betts und die Befül­lung der Matrat­ze mit Was­ser stel­len ledig­lich eine Prü­fung der Sache dar.

Der Ver­brau­cher soll nach Art. 6 der EU-Fern­ab­satz­richt­li­nie 97/​7/​EG und der sie umset­zen­den deut­schen Rege­lung grund­sätz­lich Gele­gen­heit haben, die durch Ver­trags­ab­schluss im Fern­ab­satz gekauf­te Ware zu prü­fen und aus­zu­pro­bie­ren, weil er die Ware vor Abschluss des Ver­trags nicht sehen konn­te. Dies schließt die Inge­brauch­nah­me ein, soweit sie zu Prüf­zwe­cken erfor­der­lich ist, selbst wenn sie zu einer Wert­min­de­rung der Ware führt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Novem­ber 2010 – VIII ZR 337/​09

  1. AG Ber­lin-Wed­ding, Urteil vom 09.04.2009 – 17 C 683/​08[]
  2. LG Ber­lin, Urteil vom 18.11.2009 – 50 S 56/​09[]