Wider­ruf bei ver­bun­de­nen Geschäf­ten

Bil­den Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag und finan­zier­tes Geschäft eine wirt­schaft­li­che Ein­heit und ist das Dar­le­hen dem Unter­neh­mer bereits teil­wei­se zuge­flos­sen, so hat der vom Ver­brau­cher erklär­te Wider­ruf der auf den Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­ten Ver­trags­er­klä­rung zur Fol­ge, dass der Dar­le­hens­ge­ber im Abwick­lungs­ver­hält­nis an die Stel­le des Unter­neh­mers tritt. Ist das ver­bun­de­ne Geschäft nicht voll­stän­dig fremd­fi­nan­ziert wor­den, muss der Dar­le­hens­ge­ber dem Ver­brau­cher auch den von die­sem aus eige­nen Mit­teln an den Unter­neh­mer gezahl­ten Eigen­an­teil zurück­er­stat­ten.

Wider­ruf bei ver­bun­de­nen Geschäf­ten

Die Rück­ab­wick­lungs­an­sprü­che, die dem Ver­brau­cher infol­ge der Erstre­ckung der Wider­rufs­fol­gen auf das finan­zier­te Geschäft zuste­hen, kann er gemäß § 358 Abs. 4 Satz 3 BGB der finan­zie­ren­den Bank ent­ge­gen­hal­ten. Sofern – wie in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall – das aus­zu­zah­len­de Dar­le­hen bereits ganz oder teil­wei­se dem Unter­neh­mer zuge­flos­sen ist, sieht § 358 Abs. 4 Satz 3 BGB eine bila­te­ra­le Rück­ab­wick­lung allein im Ver­hält­nis zwi­schen Dar­le­hens­ge­ber und Ver­brau­cher vor. Der Dar­le­hens­ge­ber tritt in die­sem Fall anstel­le des Unter­neh­mers in des­sen Rech­te und Pflich­ten aus dem ver­bun­de­nen Ver­trag ein und wird an des­sen Stel­le Gläu­bi­ger und Schuld­ner des Ver­brau­chers im Abwick­lungs­ver­hält­nis [1]. Ziel des § 358 BGB ist es, den Ver­brau­cher vor Risi­ken zu schüt­zen, die ihm durch die Auf­spal­tung eines wirt­schaft­lich ein­heit­li­chen Ver­trags in ein Bar­ge­schäft und einen damit ver­bun­de­nen Dar­le­hens­ver­trag dro­hen [2]. Der Gesetz­ge­ber hat hier­mit die in der Ver­gan­gen­heit zum Wider­ruf im Rah­men des Ver­brau­cher­kre­dit­ge­set­zes und des Haus­tür­wi­der­rufs­ge­set­zes ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung [3] auf­ge­grif­fen, nach wel­cher der Ver­brau­cher inner­halb einer ange­mes­se­nen Über­le­gungs­frist frei und ohne Furcht vor finan­zi­el­len Nach­tei­len die Ent­schei­dung soll tref­fen kön­nen, ob er an sei­nen eine wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­den­den Ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen fest­hal­ten will oder nicht [4]. Die­ses Ziel stellt § 358 BGB im Fal­le des Wider­rufs der Dar­le­hens­ver-trags­er­klä­rung dadurch sicher, dass der Ver­brau­cher auch an sei­ne auf den Abschluss des mit dem Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nen Ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung ins­ge­samt nicht mehr gebun­den ist und sich im Rah­men der Rück­ab­wick­lung bei­der Ver­trä­ge hin­sicht­lich sämt­li­cher Ansprü­che aus­schließ­lich dem Dar­le­hens­ge­ber als Gläu­bi­ger und Schuld­ner gegen­über sieht, der an Stel­le des Unter­neh­mers in das Abwick­lungs­ver­hält­nis ein­ge­tre­ten ist.

Der Ver­brau­cher hat daher gegen die finan­zie­ren­de Bank einen Anspruch auf Rück­erstat­tung aller aus sei­nem Ver­mö­gen an Dar­le­hens­ge­ber und Unter­neh­mer erbrach­ten Leis­tun­gen. Hier­zu gehö­ren sowohl die an den Dar­le­hens­ge­ber erbrach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen als auch eine Anzah­lung, die der Ver­brau­cher aus eige­nen Mit­teln an den Unter­neh­mer geleis­tet hat [5]. Ist also das finan­zier­te Geschäft – im vom BGH ent­schie­de­nen Fall die Betei­li­gung an einer Fonds­ge­sell­schaft – nicht voll­stän­dig fremd­fi­nan­ziert, hat der Dar­le­hens­ge­ber dem Ver­brau­cher auch des­sen aus eige­nen Mit­teln gezahl­ten Eigen­an­teil zu erstat­ten [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. März 2009 – XI ZR 33/​08

  1. Münch­Komm BGB/​Habersack, aaO, Rn. 82; Palandt/​Grüneberg, aaO, § 358 Rn. 21; Stau­din­ger/­Kes­sal-Wulf, aaO, § 358 Rn. 67; eben­so zu § 9 Ver­brKrG BGHZ 131, 66, 72 f.[]
  2. Palandt/​Grüneberg, aaO, § 358 Rn. 1; Stau­din­ger/­Kes­sal-Wulf, aaO[]
  3. vgl. BGHZ 131, aaO; 133, 254, 259 ff.; 152, 331, 337; 167, 252, 256 f., Tz. 12[]
  4. st. Rspr., BGHZ 167, 252, 256, Tz. 12 m.w.N.[]
  5. Bamberger/​Roth/​C. Möl­ler, BGB, 2. Aufl., § 358 Rn. 28, 34; Bülow/​Artz, Ver­brau­cher­kre­dit­recht, 6. Aufl., § 495 Rn. 290; Erman/​Saen­ger, BGB, 12. Aufl., § 358 Rn. 28; MünchKommBGB/​Habersack, aaO, Rn. 84 f.; Stau­din­ger/­Kes­sal-Wulf, aaO; eben­so schon zum AbzG: BGHZ 131, 66, 72 f.[]
  6. Erman/​Saenger, aaO; Münch­Komm-BGB/Ha­ber­sack, aaO, Rn. 85[]