Wider­rufs­be­leh­run­gen – und die Abwei­chung vom Mus­ter der BGB-InfoV aF

Es ist hin­läng­lich geklärt, dass die Schutz­wir­kung des § 14 Abs. 1 und 3 BGB-InfoV aF nur dann greift, wenn der Unter­neh­mer ein For­mu­lar ver­wen­det hat, das dem Mus­ter sowohl inhalt­lich als auch in der äuße­ren Gestal­tung voll­stän­dig ent­spricht, nicht aber, wenn der Unter­neh­mer den Text der Mus­ter­be­leh­rung einer eige­nen inhalt­li­chen Bear­bei­tung unter­zo­gen hat.

Wider­rufs­be­leh­run­gen – und die Abwei­chung vom Mus­ter der BGB-InfoV aF

Dies gilt selbst dann, wenn die Abwei­chun­gen von der Mus­ter­be­leh­rung nur in der Auf­nah­me von inso­weit zutref­fen­den Zusatz­in­for­ma­tio­nen zuguns­ten des Beleh­rungs­emp­fän­gers bestehen [1].

Dabei kann dahin­ste­hen, ob die für die Schutz­wir­kung des § 14 Abs. 1 und 3 BGB-InfoV aF schäd­li­che Ver­än­de­rung bereits dar­in liegt, dass For­mu­lie­run­gen aus den Gestal­tungs­hin­wei­sen 6 und 8 der Anla­ge 2 in ihre Wider­rufs­be­leh­rung über­nom­men wur­den, die in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on man­gels Finanz­dienst­leis­tung und Fern­ab­satz­ge­schäft im Sin­ne des § 312b BGB in der damals gel­ten­den Fas­sung vom 02.12 2004 [2] nicht ein­schlä­gig sind. Das Mus­ter wur­de im vor­lie­gen­den Fall näm­lich zumin­dest an zwei wei­te­ren Stel­len einer inhalt­li­chen Bear­bei­tung unter­zo­gen:

Die Ver­wen­de­rin defi­niert in Absatz 3 Satz 1 der Wider­rufs­be­leh­rung Fern­ab­satz­ge­schäf­te als Ver­trä­ge, die unter aus­schließ­li­cher Ver­wen­dung von Fern­ab­satz­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln (z.B. Brief, Tele­fon, Tele­fax, Email, Inter­net etc.) abge­schlos­sen wer­den. Eine sol­che Defi­ni­ti­on war weder in der Mus­ter­be­leh­rung noch in dem Gestal­tungs­hin­weis 8 zu Fern­ab­satz­ge­schäf­ten vor­ge­se­hen. Zudem deckt sie sich nicht mit der voll­stän­di­gen Defi­ni­ti­on in § 312b BGB aF und kann des­halb auch nicht als eine unter Umstän­den unschäd­li­che blo­ße ergän­zen­de Wie­der­ga­be des Geset­zes­tex­tes ange­se­hen wer­den. Viel­mehr hat die Ver­wen­de­rin eine eige­ne, inhalt­lich abwei­chen­de Defi­ni­ti­on auf­ge­nom­men. Nach § 312b Abs. 1 Satz 1 BGB aF waren Fern­ab­satz­ver­trä­ge näm­lich zum einen nur Ver­trä­ge über die Lie­fe­rung von Waren oder über die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen, ein­schließ­lich Finanz­dienst­leis­tun­gen, und zum ande­ren lie­gen Fern­ab­satz­ge­schäf­te, selbst dann wenn sie zwi­schen einem Unter­neh­mer und einem Ver­brau­cher unter aus­schließ­li­cher Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln abge­schlos­sen wer­den, nicht vor, wenn der Ver­trags­schluss nicht im Rah­men eines für den Fern­ab­satz orga­ni­sier­ten Ver­triebs- oder Dienst­leis­tungs­sys­tems erfolgt.

Da sich die Ver­wen­de­rin aus den genann­ten Grün­den nicht auf die Schutz­wir­kung des § 14 BGB-InfoV aF beru­fen kann, konn­te die ver­wen­de­te Wider­rufs­be­leh­rung nur dann die Wider­rufs­frist von zwei Wochen nach § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB aF in Gang set­zen, wenn die Beleh­rung den Anfor­de­run­gen des § 355 Abs. 2 BGB aF genügt hät­te. Dies war, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, nicht der Fall, weil die For­mu­lie­rung „Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung“ nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen (§ 187 BGB) ent­spricht [3].

Fer­ner hat die Ver­wen­de­rin in Absatz 3 Satz 1 der Wider­rufs­be­leh­rung auf die Rege­lung des § 312c Abs. 2 BGB ver­wie­sen, die in der damals gel­ten­den Fas­sung vom 02.12 2004 [2] dem Unter­neh­mer bei Fern­ab­satz­ge­schäf­ten wei­te­re Infor­ma­ti­ons­pflich­ten auf­er­leg­te. Einen Hin­weis dar­auf sah die maß­geb­li­che Mus­ter­be­leh­rung aller­dings nicht vor, auch nicht in dem Gestal­tungs­hin­weis 8 zum Fern­ab­satz­ver­trag.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Febru­ar 2015 – II ZR 163/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 18.03.2014 – II ZR 109/​13, ZIP 2014, 913 Rn. 15 ff. mwN[]
  2. BGBl. I 2004, 3102, im Fol­gen­den: aF[][]
  3. BGH, Urteil vom 15.08.2012 – VIII ZR 378/​11, BGHZ 194, 238 Rn. 9 mwN[]