Wie­der­ein­set­zung – anwalt­li­che Ver­si­che­rung oder eider­statt­li­che Ver­si­che­rung?

Die Fra­ge, ob die eine Wie­der­ein­set­zung begrün­den­den Tat­sa­chen im Sin­ne von § 236 Abs. 2 Satz 1 ZPO glaub­haft gemacht sind, bestimmt sich nach den zu § 294 ZPO ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen. Danach genügt ein gerin­ge­rer Grad der rich­ter­li­chen Über­zeu­gungs­bil­dung; die Behaup­tung ist glaub­haft gemacht, sofern eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit dafür besteht, dass sie zutrifft.

Wie­der­ein­set­zung – anwalt­li­che Ver­si­che­rung oder eider­statt­li­che Ver­si­che­rung?

Die Fest­stel­lung der über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit unter­liegt dem Grund­satz der frei­en Wür­di­gung des gesam­ten Vor­brin­gens 1.

Eine anwalt­li­che Ver­si­che­rung ist grund­sätz­lich ein für die Glaub­haft­ma­chung taug­li­ches Mit­tel 2.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht regel­mä­ßig kein Anlass, eine durch eine anwalt­li­che Ver­si­che­rung bekräf­tig­te Dar­stel­lung kri­ti­scher zu wür­di­gen, als dies bei eides­statt­lich ver­si­cher­ten Anga­ben erfor­der­lich ist. Von dem als rich­tig ver­si­cher­ten Vor­trag darf aus­ge­gan­gen wer­den, solan­ge nicht kon­kre­te Anhalts­punk­te es aus­schlie­ßen, den geschil­der­ten Sach­ver­halt mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit für zutref­fend zu erach­ten 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – I ZB 37/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.12 2006 – IX ZB 60/​06, NJW-RR 2007, 357 Rn. 11 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 02.11.1988 IVb ZR 109/​87, Fam­RZ 1989, 373, 374; Beschluss vom 18.05.2011 – IV ZB 6/​10, NJOZ 2011, 1809 Rn. 11; Musielak/​Grandel aaO § 236 Rn. 5; Zöller/​Greger, ZPO aaO § 294 Rn. 5[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.01.1984 IVb ZB 212/​83, VersR 1984, 861; BGH, Fam­RZ 1989, 373, 374 mwN[]