Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist

Über den Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist hat grund­sätz­lich das Beru­fungs­ge­richt zu ent­schei­den. Das gilt auch dann, wenn die Beru­fung schon als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen und der Antrag nach Ein­le­gung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gestellt wor­den ist.

Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Beru­fungs­be­grün­dungs­frist

Über den Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand hat gemäß § 237 ZPO das Gericht zu ent­schei­den, dem die Ent­schei­dung über die nach­ge­hol­te Pro­zess­hand­lung zusteht, bei Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist also das Beru­fungs­ge­richt. Das gilt grund­sätz­lich auch dann, wenn über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag nach Been­di­gung der betref­fen­den Instanz zu ent­schei­den ist 1, mit­hin auch in dem Fall, dass das Beru­fungs­ver­fah­ren abge­schlos­sen ist.

Etwas anders gilt – aus Grün­den der Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit – zwar dann, wenn nach dem Akten­in­halt Wie­der­ein­set­zung ohne Wei­te­res zu gewäh­ren ist. In einem sol­chen Fall ist das mit der Sache befass­te Revi­si­ons­ge­richt aus­nahms­wei­se befugt, selbst zu ent­schei­den und dem für den Beru­fungs­rechts­zug gestell­ten Wie­der­ein­set­zungs­an­trag statt­zu­ge­ben 2. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­für sind vor­lie­gend aber nicht gege­ben.

Der Ent­schei­dung über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag gegen die Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist steht nicht ent­ge­gen, dass die Beru­fung inzwi­schen als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen wor­den ist. Da die Zuläs­sig­keit der Beru­fung eine Pro­zess­vor­aus­set­zung ist, von der das gesam­te wei­te­re Ver­fah­ren nach Ein­le­gung der Beru­fung, mit­hin auch das Ver­fah­ren der Revi­si­ons­in­stanz, in sei­ner Rechts­wirk­sam­keit abhängt, ist sie vom Revi­si­ons­ge­richt von Amts wegen zu prü­fen 3.

Soll­te dem Klä­ger Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist gewährt wer­den, wäre sei­ne Beru­fung zuläs­sig. Über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gegen den die Beru­fung gemäß § 522 Abs. 2 ZPO zurück­wei­sen­den Beschluss wäre sach­lich zu ent­schei­den. Hät­te der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag kei­nen Erfolg, wäre die Beru­fung unzu­läs­sig und das land­ge­richt­li­che Urteil wäre rechts­kräf­tig. In die­sem Fall wäre das Revi­si­ons­ge­richt gehin­dert, über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de in der Sache zu ent­schei­den. Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de müss­te viel­mehr mit der Maß­ga­be zurück­ge­wie­sen wer­den, dass die Beru­fung gegen das Urteil des Land­ge­richts als unzu­läs­sig ver­wor­fen wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2013 – VI ZR 374/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.06.1987 – VIII ZR 154/​86, BGHZ 101, 134, 141; Beschluss vom 07.10.1981 – IVb ZB 825/​81, VersR 1982, 95, 96[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.09.1992 – VI ZB 22/​92, VersR 1993, 500, 501 mwN; BGH, Beschluss vom 19.06.1996 – XII ZB 89/​96, NJW 1996, 2581; Beck­OK ZPO/​Wendtland, § 237 Rn. 6 [Stand: 30.10.2012]; HKZPO/​Saenger, 5. Aufl., § 237 Rn. 3 mwN[]
  3. BGH, Urtei­le vom 31.01.1952 – IV ZR 104/​51, BGHZ 4, 389, 395; vom 04.11.1981 – IVb ZR 625/​80, VersR 1982, 187, 188 und vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926 Rn. 7 mwN[]