Wie­der­ein­set­zung wegen Mariä Him­mel­fahrt

Ein dem Klä­ger gemäß § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen­des eige­nes Ver­schul­den sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten kann dar­in lie­gen, dass sie ihren Ange­stell­ten zur Berech­nung von Fris­ten einen hier­für nicht geeig­ne­ten Wand­ka­len­der zur Ver­fü­gung stell­ten.

Wie­der­ein­set­zung wegen Mariä Him­mel­fahrt

Im kon­kre­ten Fall hat­te eine Fach­an­ge­stell­te eine eigent­lich am 15.08.-Mariä Him­mel­fahrt- ablau­fen­de Beru­fungs­frist feh­ler­haft auf den 16.08.eingetragen. Am Kanz­lei­sitz in Augs­burg war Mariä Him­mel­fahrt ein gesetz­li­cher Fei­er­tag, beim Beru­fungs­ge­richt, dem Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg, jedoch nicht.

Dier 15.08.war in dem in der Kanz­lei ver­wen­de­ten Wand­ka­len­der grün als Fei­er­tag mar­kiert. Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof den erst­mals mit der Rechts­be­schwer­de vor­ge­brach­te Umstand nicht berück­sich­tigt, dass ent­ge­gen der Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts der zur Fris­ten­be­rech­nung ver­wen­de­te Wand­ka­len­der einen Ver­merk hin­sicht­lich der unein­heit­li­chen Gel­tung des 15.08.als Fei­er­tag ent­hal­ten habe. Neben dem grün gedruck­ten Datum habe sich der Zusatz "Mariä Himm­elf.*)" befun­den. Als Erläu­te­rung des "*)" sei am Ende der Kalen­der­über­sicht auf der rech­ten Sei­te aus­ge­führt: "*) Fei­er­tag im Saar­land und teil­wei­se in Bay­ern".

Nach § 234 Abs. 1 Satz 1, § 236 Abs. 2 Satz 1 ZPO hat ein Beschwer­de­füh­rer alle Tat­sa­chen, die für die Gewäh­rung der Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand von Bedeu­tung sein kön­nen, inner­halb der zwei­wö­chi­gen Antrags­frist vor­zu­tra­gen. Ledig­lich erkenn­bar unkla­re oder ergän­zungs­be­dürf­ti­ge Anga­ben, deren Auf­klä­rung nach § 139 BGB gebo­ten gewe­sen wäre, dür­fen noch nach Frist­ab­lauf erläu­tert oder ver­voll­stän­digt wer­den 1. Jeden­falls nach­dem der geg­ne­ri­sche Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, bei Ver­wen­dung der berufs­stän­di­schen Fris­ten­ka­len­der hät­te der Kanz­lei­an­ge­stell­ten bei Ein­tra­gung der Frist der dort typi­scher­wei­se befind­li­che Hin­weis auf die nicht ein­heit­li­che Gel­tung des Fei­er­ta­ges auf­fal­len müs­sen, und das Beru­fungs­ge­richt die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers zur ergän­zen­den Stel­lung­nah­me auf­ge­for­dert hat­te, hät­ten die­se zu der genau­en Gestal­tung des Wand­ka­len­ders vor­tra­gen kön­nen und müs­sen. Eines wei­te­ren Hin­wei­ses durch das Beru­fungs­ge­richt bedurf­te es nicht.

Ohne Berück­sich­ti­gung des ergän­zen­den Vor­trags ist der Ent­schei­dung die Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts zugrun­de zu legen, dass der in der Kanz­lei der Pro­zess­be­voll­mäch­ti­gen des Klä­gers zur Berech­nung von Fris­ten ver­wen­de­te Kalen­der kei­nen Hin­weis auf die nur teil­wei­se Gel­tung von Mariä Him­mel­fahrt in Bay­ern ent­hielt. Ein sol­cher Kalen­der ist zur Berech­nung von Fris­ten unge­eig­net, so dass es ein anwalt­li­ches Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den dar­stellt, ihn für die­sen Zweck ver­wen­den zu las­sen.

Unge­ach­tet des­sen wür­de selbst bei Berück­sich­ti­gung des neu­en Vor­trags in der Beschwer­de­be­grün­dung die­ser Vor­wurf nicht ent­fal­len, denn der vor­ge­tra­ge­ne und mit der Vor­la­ge des Kalen­der­blatts in Ori­gi­nal­grö­ße und far­be beleg­te Ver­weis auf die nur für Tei­le Bay­erns gel­ten­de Fei­er­tags­re­ge­lung für Mariä Him­mel­fahrt ist nicht hin­rei­chend deut­lich, um nicht über­se­hen zu wer­den. Der Hin­weis besteht aus einem win­zi­gen, im Durch­mes­ser maxi­mal einen hal­ben Mil­li­me­ter gro­ßen Stern­chen mit einer ent­spre­chend klei­nen Klam­mer an der senk­recht zur Lese­rich­tung neben der Zahl 15 ange­brach­ten abge­kürz­ten, in etwa zwei Mil­li­me­ter gro­ßen Buch­sta­ben gehal­te­nen Bezeich­nung des Fei­er­tags. Das Stern­chen ver­weist auf den unten auf dem Kalen­der­blatt, eben­falls nur in etwa zwei Mil­li­me­ter Schrift­grö­ße gehal­te­nen Ver­merk zur nicht bay­ern­wei­ten Gel­tung des Fei­er­tags. Es liegt auf der Hand, dass ein solch unauf­fäl­li­ger Hin­weis – ins­be­son­de­re auf einem Wand­ka­len­der, der übli­cher­wei­se aus einer grö­ße­ren Lese­ent­fer­nung als ein Tisch­ka­len­der betrach­tet zu wer­den pflegt – leicht zu über­se­hen ist, wor­aus sich das auch in die­sem Fall ver­wirk­lich­te erheb­li­che Risi­ko ergibt, dass bei der Frist­be­rech­nung eine Ori­en­tie­rung allein anhand der farb­li­chen Her­vor­he­bung des Tages als Fei­er­tag erfolgt.

Auf die Fra­ge, ob das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg ein eige­nes Ver­schul­den der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers zu Recht auch dar­aus gefol­gert hat, dass kei­ne Vor­frist zur Akten­vor­la­ge an die sach­be­ar­bei­ten­de Rechts­an­wäl­tin notiert wur­de 2, kommt es hier­nach nicht mehr an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juli 2017 – III ZB 76/​16

  1. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2010 – III ZB 63/​09 14; und vom 20.12 2012 – III ZB 47/​12 9; vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 06.05.1999 – VII ZB 6/​99, NJW 1999, 2284; vom 04.03.2004 – IX ZB 71/​03, BeckRS 2004, 06830; und vom 10.05.2006 – XII ZB 42/​05, NJW 2006, 2269 Rn. 10[]
  2. OLG Nürn­berg, Beschluss vom 18.10.2016 – 4 U 1695/​16[]