Die Klägerin muss sich das Verschulden ihrer Prozessbevollmächtigten nach § 85 Abs. 2 ZPO zurechnen lassen, auch wenn diese in der Berufungsinstanz noch nicht nach § 121 ZPO beigeordnet war.
Auf die fehlende Beiordnung kommt es nicht an. Eine Zurechnung über § 85 Abs. 2 ZPO findet – nur – statt, wenn der Anwalt wirksam bevollmächtigt worden ist. Vertretungsmacht erlangt auch der beigeordnete Anwalt erst dadurch, dass ihm der Betroffene eine Vollmacht i.S. des § 167 BGB erteilt1.
Vorliegend war die Prozessbevollmächtigte der Klägerin ereits in erster Instanz nach ihrer Beiordnung von der Klägerin bevollmächtigt worden. Sie hat namens und in Vollmacht der Klägerin Klage erhoben. Eine Prozessvollmacht ermächtigt zur Führung des Prozesses in allen Instanzen und endet nicht mit der Beendigung der Instanz (§ 81 ZPO)2. Die Prozessbevollmächtigte der Klägerin hat auf der Grundlage der fortbestehenden Vollmacht ausdrücklich im Auftrag der Klägerin um die Bewilligung von Prozesskostenhilfe nachgesucht. § 85 Abs. 2 ZPO gilt auch im Prozesskostenhilfeverfahren3.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 23. September 2014 – II ZB 14/13
- BGH, Urteil vom 22.06.1959 – III ZR 52/58, BGHZ 30, 226, 228 f.; Urteil vom 01.03.1973 – III ZR 188/71, BGHZ 60, 255, 258 f.; Beschluss vom 22.10.1986 – VIII ZB 40/86, NJW 1987, 440, 441; Beschluss vom 22.11.2000 – XII ZB 28/00, FamRZ 2001, 1143, 1144; BFH, BFH/NV 2011, 1170 Rn. 10; Zöller/Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 85 Rn.20, 22; Musielak/Weth, ZPO, 11. Aufl., § 85 Rn. 15; MünchKomm-ZPO/Toussaint, 4. Aufl., § 85 Rn. 12[↩]
- BGH, Urteil vom 19.03.1991 – XI ZR 138/90, NJW-RR 1991, 1213, 1214; Urteil vom 08.11.1993 – II ZR 26/93, ZIP 1993, 1867, 1868; Urteil vom 18.01.1994 – XI ZR 95/93, NJW-RR 1994, 542; Urteil vom 31.01.2001 – VIII ZR 142/00, NJW 2001, 1356[↩]
- BGH, Beschluss vom 12.06.2001 – XI ZR 161/01, BGHZ 148, 66, 70 ff.; Beschluss vom 21.07.2008 – II ZA 4/08, FamRZ 2008, 1924 Rn. 3[↩]
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