Wie­der­ein­set­zung – und der unter­las­se­ne gericht­li­che Hin­weis

Macht der Beschwer­de­füh­rer gel­tend, sein Anspruch auf recht­li­ches Gehör sei durch gericht­li­che Ver­säum­nis­se im Zusam­men­hang mit der rich­ter­li­chen Hin­weis­pflicht ver­letzt wor­den, hat er dar­zu­stel­len, wie er auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis reagiert, ins­be­son­de­re was er im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen hät­te und wie er wei­ter vor­ge­gan­gen wäre.

Wie­der­ein­set­zung – und der unter­las­se­ne gericht­li­che Hin­weis

Die man­gels eines rich­ter­li­chen Hin­wei­ses zunächst unter­blie­be­ne Ergän­zung eines das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such begrün­den­den Vor­trags oder sei­ner Glaub­haft­ma­chung kann dabei auch noch nach Ablauf der Fris­ten der § 234, § 236 Abs. 2 ZPO – und zwar auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren – erfol­gen.

Ergibt sich die Ergän­zungs­be­dürf­tig­keit aus den Grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung, so ist die Ergän­zung grund­sätz­lich inner­halb der Frist für die Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung vor­zu­neh­men.

So griff in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die in der Rechts­be­schwer­de erho­be­ne Gehörs­rü­ge, wonach die Ableh­nung der Wie­der­ein­set­zung man­gels Glaub­haft­ma­chung der Anwei­sung ohne vor­he­ri­gen Hin­weis über­ra­schend gewe­sen sei, nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht durch:

Dabei kann dahin­ste­hen, ob ein dies­be­züg­li­cher Hin­weis gemäß § 139 ZPO ange­zeigt gewe­sen wäre oder ob es sich dem anwalt­lich ver­tre­te­nen Klä­ger hät­te auf­drän­gen müs­sen, dass die von ihm vor­ge­leg­ten eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen sei­nen Vor­trag zu der hier maß­geb­li­chen anwalt­li­chen Anwei­sung nicht erfass­ten. Denn selbst wenn es eines gericht­li­chen Hin­wei­ses in Bezug auf die Unvoll­stän­dig­keit der Glaub­haft­ma­chung bedurft hät­te, ist mit Blick auf die Dar­le­gun­gen in den Rechts­be­schwer­den nicht ersicht­lich, dass die ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen auf der angeb­li­chen Grund­rechts­ver­let­zung beru­hen.

Geht es um gericht­li­che Ver­säum­nis­se im Zusam­men­hang mit der rich­ter­li­chen Hin­weis­pflicht, hat der Beschwer­de­füh­rer dar­zu­stel­len, wie er auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis reagiert, ins­be­son­de­re was er im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen hät­te und wie er wei­ter vor­ge­gan­gen wäre 1. Die man­gels eines rich­ter­li­chen Hin­wei­ses zunächst unter­blie­be­ne Ergän­zung eines das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such begrün­den­den Vor­trags oder sei­ner Glaub­haft­ma­chung kann dabei auch noch nach Ablauf der Fris­ten der § 234, § 236 Abs. 2 ZPO – und zwar auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren – erfol­gen 2. Ergibt sich die Ergän­zungs­be­dürf­tig­keit aus den Grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung, so ist die Ergän­zung grund­sätz­lich inner­halb der Frist für die Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung vor­zu­neh­men.

Dar­an fehlt es hier. In den Rechts­be­schwer­de­be­grün­dun­gen hat der Klä­ger vor­ge­tra­gen, dass er auf einen rich­ter­li­chen Hin­weis des Beru­fungs­ge­richts erneut klar­ge­stellt hät­te, dass es eine Anwei­sung zur Kon­trol­le der Fax­num­mer gege­ben hat, und dass er Gele­gen­heit gehabt hät­te, auf die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung von Frau M. ein­zu­ge­hen und dadurch den Vor­trag in der Ver­si­che­rung zu prä­zi­sie­ren und auf den Gleich­klang mit dem schrift­sätz­li­chen Vor­trag hin­zu­wei­sen. Da es aber aus­weis­lich der Grün­de der ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen nicht an dem schrift­sätz­li­chen Vor­trag zum Bestehen der Anwei­sung fehlt, son­dern an der Glaub­haft­ma­chung, die inso­weit hin­ter dem schrift­sätz­li­chen Vor­trag zurück­bleibt, hät­te es einer Ver­voll­stän­di­gung der Glaub­haft­ma­chung bedurft, bei­spiels­wei­se durch Vor­la­ge einer ergän­zen­den eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung der Büro­vor­ste­he­rin H. oder der Ange­stell­ten M. Eine sol­che Vor­la­ge ist im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren weder erfolgt noch ange­bo­ten oder ange­kün­digt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2016 – VI ZB 4/​16VI ZB 7/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2003 – XI ZR 153/​02, NJW-RR 2003, 1003, 1004; Urteil vom 16.10.2008 – III ZR 253/​07, NJW 2009, 148 Rn. 10; Beschluss vom 18.05.2011 – IV ZB 6/​10 12[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 23.09.1981 – IVb ZB 758/​81, VersR 1981, 1160, 1161; vom 06.05.1999 – VII ZB 6/​99, NJW 1999, 2284; vom 10.05.2006 – XII ZB 42/​05, NJW 2006, 2269 Rn. 10; vom 31.03.2010 – XII ZB 166/​09, Fam­RZ 2010, 879 Rn. 12; vom 10.03.2011 – VII ZB 28/​10, NJW-RR 2011, 790 Rn. 10 f.; vom 17.01.2012 – VIII ZB 42/​11, WuM 2012, 157 Rn. 10; vom 03.12 2015 – V ZB 72/​15, NJW 2016, 874 Rn. 9[]