Wie­der­ga­be von Buch­re­zen­sio­nen Drit­ter im Internet

Eini­ge auf der Web­sei­te „perlentaucher.de“ ver­öf­fent­lich­te Buch­kri­ti­ken, die aus kom­pri­mier­ten Fas­sun­gen von Buch­re­zen­sio­nen aus Zei­tun­gen bestehen, stel­len eine unzu­läs­si­ge „unfreie“ Bear­bei­tung im Sin­ne des Urhe­ber­ge­set­zes dar und hät­ten ohne die Ein­wil­li­gung der Zei­tungs­ver­le­ge­rin­nen nicht über­nom­men wer­den dürfen.

Wie­der­ga­be von Buch­re­zen­sio­nen Drit­ter im Internet

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in zwei Urtei­len über die Fra­ge ent­schie­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die kom­pri­mier­te Wie­der­ga­be von Buch­re­zen­sio­nen Drit­ter zuläs­sig ist.

Die Klä­ge­rin­nen ver­le­gen nam­haf­te Tages­zei­tun­gen, in denen auch Buch­re­zen­sio­nen ver­öf­fent­licht wer­den. Die Beklag­te stellt auf ihrer Web­sei­te „perlentaucher.de“ Neu­erschei­nun­gen auf dem Buch­markt vor und spricht Emp­feh­lun­gen aus. Dabei ver­öf­fent­licht sie auch Buch­re­zen­sio­nen aus den von den Klä­ge­rin­nen ver­leg­ten Zei­tun­gen in kom­pri­mier­ter Fas­sung. Die­se sog. „Abs­tracts“ wer­den von den Mit­ar­bei­tern der Beklag­ten for­mu­liert, ent­hal­ten aber ein­zel­ne Zita­te und Pas­sa­gen aus den Originalkritiken.

Die Klä­ge­rin­nen hal­ten dies für unzu­läs­sig und haben mit den vor­lie­gen­den Kla­gen in der Haupt­sa­che ein gene­rel­les Ver­bot der­ar­ti­ger Abs­tracts ver­langt, hilfs­wei­se die Unter­sa­gung von Abs­tracts mit Ori­gi­nal­zi­ta­ten sowie bestimm­ter kon­kre­ter Abs­tracts. Nach Ansicht der Klä­ge­rin­nen ver­let­zen die Abs­tracts wegen des Umfangs der Über­nah­me von For­mu­lie­run­gen aus den Ori­gi­nal­re­zen­sio­nen ihre Urheberrechte.

Das in ers­ter Instanz zustän­di­ge Land­ge­richt [1] hat­te die Kla­gen abge­wie­sen. Auch die dage­gen ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen hat­ten kei­nen Erfolg. Das Ober­lan­des­ge­richt wies die Beru­fun­gen im Dezem­ber 2007 zunächst voll­stän­dig zurück [2].

In der Revi­si­on bestä­tig­te der Bun­des­ge­richts­hof, dass die Klä­ge­rin­nen kein gene­rel­les Ver­bot der Ver­wen­dung ihrer Buch­re­zen­sio­nen ver­lan­gen kön­nen. Es sei urhe­ber­recht­lich grund­sätz­lich zuläs­sig, den Inhalt eines Schrift­werks in eige­nen Wor­ten zusam­men­zu­fas­sen und die­se Zusam­men­fas­sun­gen zu ver­wer­ten. Anders als die Vor­in­stan­zen ver­trat der Bun­des­ge­richts­hof aber die Auf­fas­sung, dass die Über­nah­me der Rezen­sio­nen im kon­kre­ten Ein­zel­fall die Urhe­ber­rech­te der Klä­ge­rin­nen ver­letz­ten könn­te. Die Beru­fungs­ur­tei­le wur­den teil­wei­se auf­ge­ho­ben und das Ober­lan­des­ge­richt ange­wie­sen zu prü­fen, ob die Ver­brei­tung ein­zel­ner kon­kre­ter Abs­tracts der Beklag­ten das Urhe­ber­recht der Klä­ge­rin­nen verletzen.

In den aktu­el­len Beru­fungs­ur­tei­len kommt das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. nun­mehr zu dem Ergeb­nis, dass tat­säch­lich bestimm­te Per­len­tau­cher-Kri­ti­ken, die im Dezem­ber 2004 erschie­nen waren und von den Klä­ge­rin­nen kon­kret benannt wer­den, ihr Urhe­ber­recht ver­letz­ten. Die­se Abs­tracts bestün­den mehr oder weni­ger aus einer Über­nah­me von beson­ders prä­gen­den und aus­drucks­star­ken Pas­sa­gen der Ori­gi­nal­re­zen­sio­nen, von denen ledig­lich eini­ge Sät­ze aus­ge­las­sen wor­den sei­en. Sie stell­ten des­halb eine unzu­läs­si­ge „unfreie“ Bear­bei­tung im Sin­ne des Urhe­ber­ge­set­zes dar und hät­ten ohne die Ein­wil­li­gung der Klä­ge­rin­nen nicht über­nom­men wer­den dür­fen. In die­sem – ein­ge­schränk­ten – Umfang gab das Ober­lan­des­ge­richt den Beru­fun­gen des­halb statt und änder­te die vor­aus­ge­gan­ge­nen Urtei­le des Land­ge­richts ab.

Die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten lässt kei­ne all­ge­mei­ne Aus­sa­ge dar­über zu, in wel­chem Umfang die Über­nah­me von Buch­re­zen­sio­nen urhe­ber­recht­lich zuläs­sig ist. Jede Über­nah­me oder Ver­ar­bei­tung muss viel­mehr im Ein­zel­fall dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob sie eine zuläs­si­ge freie Bear­bei­tung des Ori­gi­nal­tex­tes darstellt.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urtei­le vom 1.November 2011 – 11 U 75/​06 und 11 U 76/​06

  1. LG Frank­furt a. M., Urtei­le vom 23.11.2006 – 2-3 O 171/​06 und 2–3 O 172/​06[]
  2. vom 11.12.2007 – 11 U 75/​06 und 11 U 76/​06[]